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Mehr Café für die Freie Strasse: Warum Pro Innerstadt Basel ausgerechnet jetzt einen Laden aufmacht

Pro Innerstadt Basel übernimmt mit einem neuen Concept Store den Ex-Bogner-Laden an der Streitgasse. Damit ermöglicht der Verein auch kleinen Labels eine Präsenz an der teuersten Meile der Stadt Basel: Der Freien Strasse.

Die Lage ist auf jeden Fall «Premium». Oben an der Streitgasse, direkt an der Freien Strasse, liegt zwischen Sutter-Begg und Fossil-Shop das Geschäftshaus, wo bis vor Kurzem die Edel-Outdoorkleider der Marke «Bogner» verkauft worden sind. Darin macht sich jetzt Pro Innerstadt Basel breit: Der Verein, der die Interessen des Basler Zentrums vertritt, richtet hier nicht etwa eine neue Geschäftsstelle, sondern einen Concept Store ein – auf gleich fünf Stockwerken.

Den Kern fürs Publikum bildet dabei ein Bistro, das im Erdgeschoss durch die Gastro-Firma «hellblau concepts» von Roger Greiner betrieben wird. Es gibt nicht nur Sitzplätze im Innenbereich, sondern auch draussen. Womit die Streitgasse und die dazugehörige Kurve in die Freie Strasse das erste Mal komplett gastronomisch erschlossen werden.

Mehr Beteiligte bedeutet auch bessere Konditionen

Damit ist das Konzept aber noch lange nicht erschöpft. Mathias F. Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt Basel, führt am Dienstag durch die noch leere Liegenschaft. Das Café ist nur ein Teil des umfassenden Lädeli-Universums, das hier geschaffen wird. Auf den oberen Stockwerken werden sich Ateliers etablieren, unter anderem das Kleinbasler Label «Ahoi Ahoi», es wird Raum für Workshops geben und im obersten Teil einen kleinen Co-Working-Space.

So will der Verein ein Pilotprojekt direkt an Basels prominentester Flaniermeile schaffen, die wegen hoher Mieten und klassischer Retail-Strukturen bislang wenig bis keinen Spielraum für wirtschaftliche Experimente liess. Das Konzept bedeutet nicht nur einen Wechsel vom Gemischtwarenladen zum Gemischtdienstleistungsladen. Es ermöglicht vor allem auch kleineren Unternehmen den Bezug von Fläche in der Nähe oder direkt an einer Premiumlage wie der Freien Strasse.

Böhm betont, dass das Projekt auch dank der Eigentümerschaft der Liegenschaft realisiert werden konnte: «Die Eigentümer waren dem Konzept gegenüber absolut offen eingestellt und unterstützen uns sehr.» Ähnlichen Support erhielt der Verein von der Vormieterschaft: Die hochwertige Ladeneinrichtung von Bogner wurde übernommen, sogar die Spiegel des Kleidergeschäfts werden umfunktioniert. «Das ist eben Upcycling», sagt Böhm dazu und ergänzt: «Normalerweise wird nach einem Ladenwechsel selbst die teuerste Einrichtung der Vorgänger einfach entsorgt. Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht.»

Eröffnung am 3. Juni – dann kommt der nächste Umbau

Während vier Wochen noch läuft der Umbau der Liegenschaft, einzig ein paar Möbel und die Kaffeemaschine sind schon bereit. Trotz der aktuellen Coronasituation soll der neue Laden am 3. Juni eröffnet werden. Dem entgegen kommt, dass ab kommendem Montag, 11. Mai, auch Gastronomie und Handel vorbehältlich Schutzkonzepte ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen.

Das neue Projekt, das gleichzeitig als Vorbild für weitere mögliche Nutzungen in der Innenstadt dienen soll, wird allerdings gleich nach Abschluss der inneren Umbauarbeiten eine Grossbaustelle vor dem Haus haben. Diesen Sommer wird der Kanton mit den Umbauarbeiten für die Freie Strasse inklusive der Nebengassen beginnen.

Das Aussehen der bislang als trist geltenden Einkaufsmeile wird damit dem Gestaltungskonzept der Basler Innenstadt angepasst. Das bedeutet: Die mittlerweile als störend empfundenen Trottoirs verschwinden, die Strasse wird flächiger, was vor allem Flanieren und Gastronomie zuträglich sein soll. Ziemlich genau dem also, was der Verein in seinem neuen Laden demonstrieren will: Verweildauer und Wohlfühlfaktor als Ausgleich zur Ware grosser Ketten.

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