Terminal-Streit
Mehr Container sollen auf die Schiene verlagert werden

Eine Verlagerung des Containerverkehrs auf die Schiene ist Teil des Subventionsgesuchs an das Bundesamt für Verkehr. Die betroffenen Firmen sind von diesem Vorhaben jedoch nicht überzeugt.

Daniel Haller
Merken
Drucken
Teilen
Wo und wie die Blechkisten in Zukunft durch das Nadelöhr Basel transportiert werden, entscheidet nicht zuletzt über die Staus auf den Autobahnen.

Wo und wie die Blechkisten in Zukunft durch das Nadelöhr Basel transportiert werden, entscheidet nicht zuletzt über die Staus auf den Autobahnen.

Kenneth Nars

Die Diskussion um den künftigen Container-Umschlag im Raum Basel Nord respektive Weil am Rhein reisst nicht ab. So bestreitet das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Aussage des Oberbürgermeisters von Weil, Wolfgang Dietz, es habe «mit einer fertigen Planung für ein Container-Terminal über fremdes Territorium geplant». Vielmehr habe das BAV im Februar 2014 bei einem Ortstermin mit Vertretern von Stadt und Hafen Weil anhand eines Layoutplans der Schweizerischen Rheinhäfen diskutiert, ob man die Funktionen des für Basel-Kleinhüningen geplanten dritten Hafenbeckens für den Container-Umschlag vom Schiff auf die Schiene oder die Strasse auch in Weil erfüllen könnte.

Mit anderen Worten: Das BAV stellte mit dem Besuch in Weil nicht infrage, ob das Gateway Basel Nord mit dem Container-Umschlag Schiene-Schiene respektive Schiene-Strasse auf dem vorgesehenen Gelände am richtigen Ort sei. Es wollte bloss klären, ob man den Schiffsverkehr statt mit einem neuen Hafenbecken 3 auch durch eine Anlage in Weil an das Gateway anschliessen könnte. Dieses Hafenbecken 3 ist aber noch nicht konkret in der Abklärung. Das derzeit beim BAV vorliegende Fördergesuch betrifft nur die erste Etappe, also das Gateway Schiene/Strasse.

Begehrtes Weil am Rhein

Nicht nur das BAV hat einen Blick auf den Hafen Weil geworfen, sondern auch die Firmen Swissterminal, Ultra-Brag und Danser. Das Terminal, das sie als Ersatz für von Basel-Stadt beschlossene Schliessung des Westquais 2029 in Weil planen, hängt gemäss Dietz direkt von einem neuen Anschluss an die deutschen Autobahnen A 5 und A 98 ab. Ob dieser je gebaut wird, sei auf Landes- und Bundesebene in Deutschland erst in Abklärung und noch offen.

Dies bestätigt man bei Swissterminal: «Bevor wir konkrete Schritte unternehmen, müssen wir dazu klare Zusagen haben», erklärt CEO Roman Mayer.

Funktioniert die Verlagerung?

Zurück zu Gateway Basel Nord – also zum «Umsteigebahnhof für Container»: Dieses wird von den drei Firmen SBB Cargo, Hupac und Contargo geplant. Ziel ist gemäss Hupac-Direktor Bernhard Kunz, die Volumen der per Container abgewickelten Im- und Exporte in Basel Nord zu bündeln. Ein Terminal, in dem die Gleise lange genug für Ganzzüge sind, ermögliche einen effizienteren Umschlag. So werde die Bahn gegenüber der Strasse konkurrenzfähig, und mehr Container würden per Shuttlezug an Verteilpunkte ins Inland transportiert statt auf der Strasse.

Mit dem Gateway Basel Nord wird der Umschlag vom heutigen Terminal Wolf auf die Nordseite des Rheins verlegt. Was auf der Strasse transportiert wird, kommt so über die schon heute überlastete Osttangente. Dies sieht man auch beim Bund so: «Das BAV ist grundlegend daran interessiert, dass ab dem Standort Basel-Nord ein hoher Anteil der Güter auf der Schiene in regionale Terminals und Anschlussgleise weitergeführt wird», erklärt BAV-Sprecher Andreas Windlinger.

Nur dies führe zu einer Entlastung des Strassenverkehrs. «Durch diese Entlastung ergibt sich die Hauptberechtigung für eine finanzielle Unterstützung durch den Bund.» Das heisst: «Der Anteil der ab Basel-Nord auf der Schiene weitergeführten Güter wird bei der Festlegung der Höhe der Finanzhilfe berücksichtigt. Unter gleich bleibenden Rahmenbedingungen gilt, dass ein höherer Anteil der Schiene auch eine höhere Förderung zur Folge hat.»

Somit ist also die Berechnung zur Verlagerung des Containerverkehrs auf die Schiene Teil des Subventionsgesuchs ans BAV. Dazu erklärt Claudia Bracher als Rhenus-Sprecherin – Rhenus ist die Muttergesellschaft der Gateway-Beteiligten Contargo: «Das BAV hat bisher nur das Grundsatzgesuch erhalten. Konkrete Zahlen zur Verlagerung werden voraussichtlich Mitte Mai nachgeliefert.»

Eine klare Meinung zur Verlagerungsmöglichkeit äussert dagegen Swissterminal-Chef Roman Mayer: «Es mag sein, dass Hupac im Ausland den Schienenanteil steigern konnte. Aber in der Schweiz wird dies nicht gelingen, weil die Distanzen zu kurz sind und erst ab einer gewissen Kilometeranzahl die Bahn gegenüber dem LKW konkurrenzfähig ist.»