Die Situation war schwierig: Die Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie der Frauenklinik am Universitätsspital Basel hatte zu wenig Platz. Im Klinikum 1 gab es für sechs Ärzte nur drei Behandlungszimmer, und Paare mit einem unerfüllten Kinderwunsch sassen sich im Warteraum quasi auf dem Schoss. Schon länger war klar, dass die Klinik einen neuen Standort braucht. Zunächst wurde dafür ein Platz in der Nähe des Claraplatzes vorgeschlagen. Wegen der Nähe zum Rotlichtmilieu war dieser Standort jedoch nicht optimal.

Das Problem bereitete Chefarzt Christian De Geyter schlaflose Nächte. In einer dieser Nächte entschloss er sich zu einem Spaziergang – und entdeckte die Liegenschaft an der Vogesenstrasse 134. Obwohl das Haus zu dieser Zeit noch als Garage genutzt wurde und gegenüber vom «Pascha Club» liegt, konnte sich Christian De Geyter sofort vorstellen, dass es ein geeigneter Standort für seine Klinik sei. Es war gross genug und hatte gute Anbindungen an den öffentlichen Verkehr. Wie auch Laborleiterin Maria De Geyter schmunzelnd sagt, sei dies ein zentraler Punkt für die Wahl des Standortes: «In einer Umfrage bestätigten Patientinnen, dass ihnen der Anschluss am wichtigsten sei. Wichtiger als die Betreuung.»

Die Direktion des Unispitals stimmte zu, sodass die Umbauarbeiten des Gebäudes im September 2016 beginnen konnten. Wie geplant, wurden die Bauarbeiten diesen Monat beendet, am Samstagmorgen wird die erste Patientin von Christian De Geyter empfangen. Das Projekt kostete rund zehn Millionen Franken.

Mehr Diskretion

Das Team der Reproduktionsmedizin (RME) ist für folgende Dienstleistungen zuständig: die Abklärung der Ursache von ungewollter Kinderlosigkeit, künstliche Befruchtung, gynäkologische Endokrinologie, operative Behandlungen sowie das Einfrieren von Eizellen, Spermien und Gewebeproben. Und die Anfrage nach diesen Angeboten wächst: «Die meisten Paare möchten später Kinder. Da mit dem Alter auch die Chancen schwinden, schwanger zu werden, wachsen die Zahlen unserer Patientinnen und Patienten», sagt Maria De Geyter. Im Jahr 2016 führte das Team der RME rund 700 künstliche Befruchtungen durch.

Pro Behandlungsversuch gab es eine Lebendgeburtenrate von 33 Prozent. Die Behandlung kostet rund 5000 Franken – die Kosten müssen vom Paar übernommen werden.

Dank den neuen medizinischen Möglichkeiten sind die Chancen heute höher, eine erfolgreiche Schwangerschaft zu durchleben. Und in der neuen Klinik sind die technischen Gerätschaften auf dem neusten Stand: Das Labor der Klinik wurde vergrössert und die Laborausstattung modernisiert. Zudem geniessen die Klientinnen und Klienten mehr Diskretion. Da viel mehr Platz vorhanden ist, können die Ärzte die Paare in einzelnen Zimmern empfangen. Es wurden zudem viermal so viele Zimmer für pflegerische Dienste geschaffen. Mit den verfügbaren Plätzen werden die Wartezeiten um einiges verkürzt.

Im gesamten Gebäude wird auf eine hohe Hygiene geachtet. Auch gibt es im neuen Gebäude ein Kommunikationszimmer. In Zukunft müssen die Ärzte ihre Patientinnen also nicht mehr per Telefon über die Ergebnisse ihrer Schwangerschaft informieren. Sie können die Frauen über ein neues Medium erreichen. Beispielsweise Skype. Wie Geschäftsleiterin Katharina Rüther-Wolf sagt, sucht das Team noch nach sicheren Möglichkeiten der Kommunikation.

Wenn man durch die sterilen hellen Gänge des Gebäudes mit einer Fläche von 1600 Quadratmetern geht, kann man sich kaum vorstellen, dass hier Leben entstehen. Ein Raum, der wohl das grösste Interesse weckt, ist das sogenannte Ejakulatorium. Es ist ein nüchternes Zimmerchen mit einem kleinen Fernseher. Laut Maria De Geyter geht die «Sache» heute einfacher: «Für die Stimulation bringen die meisten Männer ihre Smartphones mit.»

Die Samenspende kann anonym durch ein Fensterchen abgegeben werden. Aus Datenschutzgründen erfährt das Paar nichts über den Spender. Es wird jedoch darauf geachtet, dass er dem Partner der Frau ähnlich sieht. Wenn das Kind volljährig ist, hat es die Möglichkeit, an Informationen über seinen biologischen Vater zu gelangen. Die gespendeten Spermien werden mit dem Tod des Mannes weggeworfen. Die Eizellen, die in einem Kühlraum aufbewahrt werden, müssen nach spätestens zehn Jahren vernichtet werden. Die Proben in den verschiedenen Räumen sind alarmgesichert.

Zu gewissen Patientinnen hat das Team der RME immer noch guten Kontakt: «Wenn eine Frau eine schwierige Schwangerschaftsgeschichte hinter sich hat und wir fünf oder sechs Jahre mit ihr zusammen arbeiten, entsteht schon eine Beziehung. Maria De Geyter würde heute noch Weihnachtskarten von Müttern bekommen, deren Kinder schon lange aus dem Haus sind.