Der Basler Grosse Rat debattiert am Mittwoch über eine mögliche Erhöhung der regionalen Filmfördergelder. Eine hauchdünne Mehrheit der Basler Bildungs- und Kulturkommission spricht sich dafür aus. Die unterlegene Minderheit argumentiert in einem eigenen Bericht dagegen. Es dürfte knapp werden für die Filmschaffenden. Auch in der bz-Redaktion sind die Meinungen geteilt:

«Auf Film sollten wir so wenig verzichten wie auf Butter»

Susanna Petrin: «Basels Bäcker backen derart knuspriges Brot, dass wir in diesem Kanton auf die Butter verzichten können. Eine absurde Aussage. Basel hat schon die Pharmaindustrie, auf die Kreativwirtschaft können wir verzichten. Eine absurde Aussage. Basel hat eine hervorragende Musik-, Museums- und Kunstszene, auf eine Filmszene können wir folglich verzichten. Eine absurde Aussage.

Doch letztere dient einigen Basler Grossräten als Hauptargument gegen eine Erhöhung der Basler Filmförderung. Sie sagen: Das Basler Filmschaffen werde ohnehin derart mickrig gefördert, dass auch die zusätzlichen Gelder nicht ausreichten, um etwa mit Zürich mitzuhalten. Also, lieber ganz bleiben lassen. Sollen die Basler Filmer doch nach Zürich oder sonstwohin ziehen. Who cares?

Diese Haltung ist grotesk und kurzsichtig. Es kann und darf nicht sein, dass einer Kulturstadt wie Basel eine der wichtigsten Kunstformen unserer Zeit völlig egal ist. Dazu eine Kunstform, die nicht isoliert dasteht, sondern mit anderen zusammenspielt, künstlerisch und wirtschaftlich. Das Theater, die bildenden und die elektronischen Künste sind mit ihr verwandt. Die Film-, Fernseh- und Videoszene bringt das Material und das Wissen mit, das auch Werbefilmer, Webdesigner oder etwa Grafiker brauchen. Kunst und Kommerz, Geld und Geist, geben sich beim Film die Hand.

Und es ist ja nicht so, dass man etwas forcieren würde, das es hier nicht gibt. Allen Widrigkeiten zum Trotz gedeiht in Basel eine Filmszene, in der sich zahlreiche Filmschaffende mit anspruchsvollen, preisgekrönten und – für Schweizer Verhältnisse – kommerziell erfolgreichen Filmen hervortun. Viele unter ihnen beuten sich selbst aus und hoffen seit Jahren auf bessere Voraussetzungen in ihrer Heimat; viel länger werden sie nicht mehr warten. Wenn die Produzenten und Regisseure dorthin gehen, wo sie leben können, gehen mit ihnen auch die Kameraleute, Cutter, Schauspieler, Webdesigner, Cross-Media-Spezialisten und viele mehr.

Es geht in dieser Frage nicht um ein bisschen weniger oder mehr Geld, es geht um ein grundsätzliches Ja oder Nein zum Basler Film. Ein Nein wäre so traurig wie Brot ohne Butter.»

«Filmförderung durch die Kantone ist sinnlos»

Nicolas Drechsler: «Der Basler Film ist in Gefahr, hallt es derzeit durch die Kinosäle. Nicht durch die gut gefüllten, wo die internationalen Blockbuster laufen, sondern durch die halb leeren, in denen das lokale Schaffen gezeigt wird. Basel-Stadt soll in Zeiten, in denen überall gespart wird, seine Ausgaben für den Film verdreifachen. Denn auch diese Kulturform habe ein Anrecht auf staatliche Unterstützung.

Das mag sogar sein. Und trotzdem, Basel-Stadt soll nicht mehr Geld in seine kantonale Filmförderung stecken. Und das aus verschiedenen Gründen. Erstens hat mir bisher noch niemand erklären können, was denn nun ein Basler Film ist oder sein soll. Die «Hunkeler»-Reihe, weil sie in Basel spielt? «Central Station», weil Produzent Arthur Cohn ein Basler ist? Jeder Film, in dem des Schweizer Fernsehzuschauers Lieblingsbasler Gilles Tschudin mitspielt? Oder jeder Film von Dani Levy, weil da jeweils der Basler Niki Reiser die Musik dazu geschrieben hat? Die hat er auch zu etlichen anderen Filmen komponiert, wie etwa der deutschen Produktion «Das Fliegende Klassenzimmer», das also auch ein «Basler Film» sein könnte.

Die Filme, über die in der laufenden Debatte diskutiert wird, sind meist nicht in Basel entstanden, die Regisseure kommen von allerlei Orten, die Cutter, Kameraleute und Schauspieler wohl auch. Gedreht wird von den Alpen bis nach Kiew und – in Basel. Der «Brain Drain» drohe sich zu verstärken, warnen die Künstler, noch mehr Filmschaffende könnten gen Zürich abwandern. Ketzerisch gefragt: na und? Interessiert es, ob ein Film über eine Dostojewski-Übersetzerin nun in Zürich oder Basel fertiggestellt wird? Soll es interessieren? Wenn wir uns darauf einigen, dass es staatliche Filmförderung braucht, dann sollen die Kantone dies dem Bund überlassen, ihm meinetwegen etwas daran zahlen. Aber mit diesem lokal-chauvinistischen Anspruch, eine eigenständige «Basler Filmindustrie» pflegen zu wollen, kann ich gar nichts anfangen.

Genau so wenig wie mit der Tatsache, dass das neue Filmförderungs-Modell von der kantonalen Abteilung Kultur in Zusammenarbeit mit den Basler Filmschaffenden ausgehandelt wurde. Also mit jenen, die direkte eigene finanzielle Interessen haben.»