Mitgliederbeiträge

Mehr Geld für mehr Durchschlagskraft

Marcel-Schweizer1

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Politisch zur Randerscheinung verkommener Gewerbeverband erhöht Mitgliederbeiträge.

Der Basler Gewerbeverband klingt resigniert. «Momentan ist die Situation als wirtschaftsliberaler Verband in Basel-Stadt nicht so einfach», sagt Patrick Erny, Leiter Politik beim Verband. Tatsächlich ist die jüngere Vergangenheit von Niederlagen geprägt: Die Basler Stimmbevölkerung sagte Ja zu linken Anliegen wie der Topverdienersteuer und zu den Wohnraum-Initiativen. Und im rot-grünen Regierungsrat sieht der Verband einen Parkplatzvernichter, der das Gewerbe aufs Land vertreibt. Nun hat der Gewerbeverband eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge um zwanzig Prozent beschlossen. Dies nicht nur, um die «immer komplexer werdenden Dienstleistungen und die Öffentlichkeitsarbeit finanzieren zu können», wie Erny sagt. Auch wolle der Gewerbeverband die «politische Aktionskraft erhöhen».

Wirtschaftsnahe Kreise kritisieren Gewerbeverband

Inwiefern die Durchschlagskraft erhöht wird, ist angesichts der vergleichsweise geringen Erhöhung des Etats fraglich. Die Mitgliederbeiträge machen acht Prozent der Einnahmen aus, die Beitragserhöhung bringt rund 80'000 Franken. Damit lassen sich zwei, drei politische Kampagnen finanzieren.

Viel mehr interessiert die Mitglieder, wohin der Gewerbeverband steuert. In jüngster Zeit hat er sich besonders bei Verkehrsfragen lautstark geäussert. «Als es allerdings um die wichtige Topverdienersteuer ging, da haben sie nichts gemacht», klagt ein Liberaler. Die freisinnige Nadine Gautschi, die als Regierungskandidatin an der Delegiertenversammlung des Gewerbeverbands teilnahm, ist der Meinung, dass sich der Gewerbeverband zu sehr auf die Parkplätze und die Autos konzentriert. «In Basel-Stadt befinden sich sehr viele kleinere Dienstleistungsunternehmen. Für die hat die Parkplatzfrage keine Priorität», sagt Gautschi. «Ich würde mir wünschen, dass diese Unternehmen auch stärkere Berücksichtigung finden würden.» Dieser Wunsch wird vorerst nicht in Erfüllung gehen. Demnächst kommen die beiden Initiativen «Zämme fahre mir besser» und «Parkieren für alle Verkehrsteilnehmer» an die Urne – ein weiterer Versuch des Gewerbeverbands, sich gegen die Unterdrückung der Autofahrer zu wehren.

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