Nachhaltigkeit
Mehr Genuss durch Verzicht – das Eco-Festival stiess auf starkes Interesse

Das Eco-Festival auf dem Barfüsser- und Theaterplatz zeigte am Wochenende, wie vielfältig ein bewusstes Konsumverhalten sein kann.

Mélanie Honegger
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Das Eco-Festival auf dem Barfi beweist, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Region Basel auf starkes Interesse stösst. Martin Töngi

Das Eco-Festival auf dem Barfi beweist, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Region Basel auf starkes Interesse stösst. Martin Töngi

Martin Toengi

Vegane Menüs in den Uni-Mensen und Plastiksäcke für fünf Rappen: Das Thema des nachhaltigen Konsums scheint mittlerweile auch in der Schweiz angekommen zu sein. Teil dieser Entwicklung ist auch das Eco-Festival, das am Samstag auf dem Barfüsser- und dem Theaterplatz stattfand. Das vom Schweizer Forum für nachhaltige Entwicklung eco.ch organisierte Festival zeigte klar: Die Möglichkeiten, sich persönlich für mehr Nachhaltigkeit zu engagieren, sind vielfältig.

Aus Abfall wird Rösti

Südliche Klänge in den Ohren, heisse Sonnenstrahlen auf der Haut: Beinahe karibisch ist das Flair, das dem Eco-Festival am Samstag innewohnt. Auf den Markttischen reihen sich Früchte und Gemüse, in einer Pfanne brutzelt eine Rösti.

Orangen mit kleinen Unebenheiten, krumme Karotten oder zu kleine Kartoffeln: Zwei Tonnen Lebensmittelabfälle haben die Festivalverantwortlichen gesammelt. Was normalerweise direkt entsorgt wird, wird am «Foodsaver Jam» auf dem Barfüsserplatz in warme Mahlzeiten verwandelt und gratis an die Festivalbesucher verteilt.

Während die einen Gäste gemächlich durch die Szenerie schlendern und hin und wieder einen Happen essen, hämmern zwei kleine Jungen mit der Unterstützung ihrer Eltern Nägel in eine Holzlatte. Das Mini-Atelier ist ein Projekt der offenen Werkstatt MacherSchaft, die Hobbyhandwerkern die Räumlichkeiten und die Mittel zur Arbeit an ihren Projekten zur Verfügung stellt. Nachhaltigkeit zeigt sich also nicht nur bei der Ernährung oder im Verkehr, sondern auch in den Gegenständen, die geteilt werden.

Beat Jans: «Weniger positiv ist meine Flugbilanz»

Herr Jans, wie nachhaltig ist Ihr persönlicher Lebensstil? Wo sehen Sie bei sich selbst noch Aufholbedarf?

Beat Jans: Nun, ich fahre selbst kein Auto und kaufe vor allem biologische und energiesparende Produkte. Ausserdem schaue ich darauf, dass ich regelmässig den öffentlichen Verkehr nutze. Dann versuche ich, nur selten Fleisch zu kaufen. Und wenn schon Fleisch, dann kein Filet, sondern vielleicht eine Wurst. Sicher weniger positiv ist meine Flugbilanz. Ich sollte öfters auf das Flugzeug verzichten. Da meine Frau aber Amerikanerin ist, ist das schwierig.

Wie erleben Sie als Nationalrat die Situation in der Schweizer Politik? Wie bringen Sie das Thema der Nachhaltigkeit in die Politik ein?

Das Parlament ist leider etwas langsam. Deswegen ist es mir wichtig, mich zu engagieren, wie aktuell für die Abstimmung zur Energiestrategie. Ein Ja am Sonntag wäre ein erster Fortschritt. Ich merke, dass es in der jungen Bevölkerung ein grosses Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit gibt. Das stimmt mich hoffnungsvoll.

Das Thema scheint Ihnen wirklich am Herzen zu liegen. Warum sind Sie eigentlich in der SP und nicht Mitglied der Grünen?

(Lacht) Wissen Sie, grüne Themen liegen mir schon lange am Herzen. Doch die Parteizugehörigkeit spielt bei dieser Thematik gar keine so grosse Rolle.

Bio-Produkte im Internet

Teilen oder verzichten, das sind denn auch die Massnahmen, die der Festivalverantwortliche Peter Rinker den Besuchern und Besucherinnen nahelegen möchte. «Es geht darum, sich zu fragen, ob man ein Produkt wirklich braucht», erklärt er. «Die Zufriedenheit, die mit dem Konsum einhergeht, kann genausogut durch den bewussten Verzicht auf gewisse Produkte entstehen.» Carsharing-Angebote reihen sich nahtlos in dieses Konzept des Teilens ein.

Doch auch die Qualität der Produkte darf nicht ausser Acht gelassen werden: Regionale Bio-Produkte gibt es zuhauf, Online-Shops verlagern die Bio-Lebensmittel mittlerweile vom Bauernhof ins Internet und machen sie so auch Städtern und Städterinnen immer einfacher zugänglich.

Basel zieht mit

Die Mannigfaltigkeit der Produkte, die an den einzelnen Ständen geboten werden, ist riesig. Und genau in dieser Unübersichtlichkeit der Angebote liegt die Stärke des Festivals: Es zeigt auf, welches Potenzial in der Schweiz bereits vorhanden ist. In der Region ist dieses seit Anfang Jahr sogar noch grösser geworden: Mit «Basel unverpackt» und der «Abfüllerei» gibt es gleich zwei neue Läden in der Stadt, die unverpackte Lebensmittel anbieten. Der ökologische Sinneswandel scheint hier bereits mehr zu sein als ein blosser, trendiger Lifestyle.