Was für eine Bedeutung hat der Wolf für die SBB Immobilien?

Andreas Steiger: Es ist eines der grössten Projekte in der Schweiz. Vergleichbar gross ist nur ein Projekt in Genf.

Was haben Sie in Basel noch für Projekte?

Das Meret Oppenheim Hochhaus wird im Sommer eingeweiht, und in Volta Nord geht es jetzt mit der Arealentwicklung weiter. Im Nauentor läuft ein Projekt mit der Post. Es tut sich Einiges.

Ist denkbar, dass Sie einen Teil des Geländes auf dem Wolf verkaufen?

Ja. Zum Teil werden wir es verkaufen oder auch in Baurecht abgeben. Den grössten Teil werden wir aber behalten. Wir wollen insbesondere das Portfolio Wohnen ausbauen. Da ist der Wolf mit dem hohen Wohnanteil von rund 550 Wohnungen ein ideales Projekt.

Der SBB Immobilien wird regelmässig vorgeworfen, sie sei nur auf Rendite aus. Sind auf dem Areal Wolf in Zukunft auch Sozialwohnungen denkbar?

Wir haben im Portfolio Wohnen eine relativ ausgeglichene Struktur zwischen günstigem und mittlerem Wohnen, aber wenig im hochpreisigen Segment. Zahlenmässig ist das im Verhältnis zu den mehreren Tausend Wohnungen, die wir derzeit in der Schweiz planen, ein Bruchteil. Es entspricht aber dem Auftrag des Eigentümers Bund, dass wir mit unseren Arealen Geld verdienen.

Ist das Ihre Aufgabe als Transportunternehmen?

Wir haben von unserem Eigner, dem Bund, den Auftrag, uns bei der Bewirtschaftung und Entwicklung unserer Objekte an marktwirtschaftlichen Kriterien zu orientieren. Das machen wir folglich auch bei den Preisen. In Teilsegmenten gehen wir auch bewusst tiefer. Die Randbedingungen aber sind gegeben: Wir bauen keine teuren Luxus-Wohnungen, die sich nicht vermieten lassen. Entstehen können sie nur an Top-Standorten, und davon gibt es nicht so viele. Der Wolf gehört nicht dazu. Luxuswohnungen machen dort überhaupt keinen Sinn.

Was geschieht mit den Gewinnen der SBB Immobilien?

Sie bleiben grundsätzlich im Konzern. Jeder verdiente Franken fliesst ins System Bahn zurück. Damit werden zum Teil die Schulden der SBB gegenüber der Pensionskasse abgezahlt. Der Rest fliesst in die Infrastruktur. Die Gewinne dienen der Entlastung der Steuerzahler und unter dem Strich dem öffentlichen Verkehr. Das sind die Vorgaben des Bundes.

Wird das Gewerbe vom Wolf verdrängt?

Unter dem Strich wird der Anteil des Gewerbes erhalten bleiben. Das Ziel muss sein, modernes Gewerbe auch auf einer konzentrierteren, kleineren Fläche abzuwickeln – insbesondere, was die Logistik angeht. Das Areal soll sich auch in die Höhe entwickeln und so verdichtet werden.

Erwarten Sie Einsprachen?

Heute muss man immer damit rechnen. Wir sind aber überzeugt, dass wir mit dem Richtprojekt eine Qualität erreicht haben, die es Einsprechern schwer macht, Recht zu bekommen.

Und die Umweltverbände? Befürchten Sie, dass sie sich gegen Ihr Projekt engagieren?

Nein, wir orientieren uns unter anderem mit der Entwicklung an den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft und schaffen mehr versickerungsfähige Fläche. Heute ist mit Ausnahme der Gleisanlagen die überwiegende Fläche versiegelt.

Was passiert, wenn das trimodale Containerterminal Gateway Nord durch Einsprachen und Prozesse lange blockiert wird? Pro Natura Basel hat schon ein Referendum angekündigt.

Der internationale Umschlag im Containerterminal vom Wolf soll zum Gateway Nord verlegt werden. Es macht keinen Sinn, dass dieser Verkehr über die Strassen der Stadt fliesst. Damit entsteht Platz für den Freiverlad vom nördlichen Rand des Wolfs. Dort sind Wohnungen geplant. Wenn das blockiert ist, müssen wir die Situation neu anschauen.

So wird das Areal heute genutzt.

So wird das Areal heute genutzt.