Rassismus

Mehr Sensibilität für diskriminierte Minderheiten: Polizei soll Rassismus spüren

Friedliche Konfliktlösungen müssen trainiert werden. (Symbolbild)

Friedliche Konfliktlösungen müssen trainiert werden. (Symbolbild)

Erfahrungsberichte zeigen: «Racial Profiling» gibt es auch in Basel. Mit «Blue Eyed Workshops» werden die Beamten nun sensibilisiert. Doch eine Expertin kritisiert die stockende Zusammenarbeit.

Wenn der Doktorand und gebürtige Nigerianer Froggy Bayo abends in Basel unterwegs ist, meidet er bewusst bestimmte Orte wie das Kleinbasler Rheinufer und den Platz unter der Dreirosenbrücke, um nicht in willkürliche Polizeikontrollen zu gelangen. Das erzählt er in dem Auswertungsbericht der Kollaborativen Forschungsgruppe Racial Profiling, der 2019 von der Rosa-Luxemburg-Stiftung publiziert worden ist. Solche Erfahrungsberichte verdeutlichen, was in den letzten Tagen vielerorts angedeutet wurde: «Racial Profiling» gibt es auch in Basel.

Dialoge mit Rassismusbetroffenen

Jetzt sollen die Basler Polizistinnen und Polizisten am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, diskriminiert zu werden. Dafür werden Ende des Jahres sogenannte «Blue Eyed Workshops» durchgeführt. Dabei werden die Teilnehmenden in die Gruppen «Blauäugig» und «Braunäugig» eingeteilt und wegen dieser äusserlichen Merkmale systematisch diskriminiert. Die Polizistinnen und Polizisten sollen dadurch lernen, wann sie an ihrer Haltung und persönlichen Einstellung arbeiten müssen.

Ausserdem sucht die Polizei nun den Austausch mit häufig von Rassismus betroffenen Personengruppen. So findet beispielsweise nächsten Samstag ein «Dialog zwischen der Basler Polizei und Dunkelhäutigen» statt. Der Kurs steht unter dem Titel «Gemeinsam Konflikte im Vorfeld vermeiden» und soll einen offeneren und auf gegenseitigen Respekt basierenden Austausch fördern. Fragen wie «Wann ist eine Kontrolle rassistisch oder diskriminierend?», «Was sind die gegenseitigen Verhaltensregeln bei einer Kontrolle?» und «Habe ich das Recht, nach dem Grund der Kontrolle zu fragen?» stehen dabei im Fokus.

Die Notwendigkeit solcher Kurse zeigt ein weiteres Erlebnis von Froggy Bayo. Eines Abends wurde er am Basler Rheinufer angehalten. Gleich fünf Polizistinnen und Polizisten hielten ihn an, kontrollierten ihn vor den Augen zahlreicher Zuschauer und durchsuchten seine Taschen. Als er nachfragte, was der Grund für die Kontrolle sei, erhielt er von einem der Polizisten die Bemerkung «Falls du das nicht magst, kannst du ja in dein Land zurückgehen.»

Forschungspraktika bleiben bislang aus

Angesprochen auf weitere konkrete Massnahmen, verweist das Justiz- und Sicherheitsdepartement auf eine Medienmitteilung vom August des vergangenen Jahres. Darin werden einige geplante Massnahmen aufgeführt. Unter anderem wird dabei ein Forschungspraktikum der Universität Basel in Aussicht gestellt. Eine Gruppe Studierender solle sich in diesem Rahmen konkret dem Thema diskriminierende Personenkontrolle annehmen. Vorläufige Resultate seien für 2020 zu erwarten und sollen als Grundlage für weiterführende Forschungsprojekte dienen.

Claudia Wilopo ist Doktorandin am Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie und forscht zu Rassismusfragen. Sie ist auch Teil der Forschungsgruppe, die den schon erwähnten Bericht verfasst hat. Würden an der Universität Basel Forschungspraktika zu dem Thema veranstaltet, müssten Wilopo oder ihre Kollegin Sarah Schilliger davon wissen. Auf unsere Anfrage antwortet sie allerdings: «Wir haben beide kein Forschungspraktikum zu diesem Thema betreut. Uns sind bis jetzt auch keine publizierten Forschungsergebnisse oder Präsentationen bekannt.» Auch der Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements, Toprak Yerguz, kann noch keine Resultate vorlegen. Diese Tatsache zeige ihres Erachtens, welchen Stellenwert die Polizei bei die Ergründung von Racial Profiling einräume, schreibt Claudia Wilopo weiter.

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