Die vor weit über 20 Jahren eingeführten Doppelhaltestellen für Trams sind für viele öV-Nutzer ein grosses Ärgernis. Weil die Fahrgäste nicht wissen, wo welches Tram ankommt, stellen sich die meisten strategisch in der Mitte der Doppelhaltestelle auf.

Die Medienstelle des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) beschreibt das so: «Das führt dazu, dass es hier oft ein Gedränge gibt und die Fahrgäste dann abhängig von der Halteposition des Trams nach vorne oder hinten hasten.» Weil Ein- und Aussteigevorgänge so viel länger dauern, komme es zu Verzögerungen.

Test dauert vier Wochen

Das soll jetzt anders werden. Ab Samstag wollen die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) prüfen, ob die Doppelhaltestellen abgeschafft werden können. Die Haltestellen Bankverein, Barfüsser- und Marktplatz werden dann für einen vierwöchigen Test in Einzelhaltestellen umgestaltet.

Doppelhaltestellen gibt es für Trams auch an Aeschenplatz und Heuwaage. Als sie eingeführt wurden, verkehrten die Trams im 6-Minuten-Takt. In der Innenstadt war zudem eine halbe Linie, die nur in einer Richtung durch das Stadtzentrum verkehrte, mehr unterwegs und es gab 20 Prozent mehr Fahrten. Die hohe Frequenz sei nur durch Doppelhaltestellen zu bewältigen, glaubte man. Für Bus und Tram gibt es sie in der Rheingasse und an der Schifflände.

Heute werden die Doppelhaltestellen insbesondere mit der Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetztes (BehiG) des Bundes zu einem Problem. In Zukunft werden die Kanten an den Haltestellen 27 Zentimeter höher als bisher.

Bereits im April 2014 hat der ehemalige SP-Grossrat Otto Schmid die Thematik in einem Anzug aufgenommen. Darin hiess es unter anderem: «Da Doppelhaltestellen sehr lang sind, (mindestens 85 Meter für Tram-Tram und 60 Meter für Tram-Bus) stellen sie ein Hindernis beim Überqueren des Haltestellenbereichs dar.» Speziell behinderte und betagte Menschen müssten die Haltestelle umgehen, um auf die andere Seite zu gelangen.

Herausforderung für Passagiere

Der Grosse Rat überwies den Anzug im September 2016 der Regierung zur Stellungnahme . Diese liegt nun vor. Die Regierung erkennt darin an, dass die Doppel-Tramhaltestellen für «viele Trampassagiere, aber insbesondere für mobilitätseingeschränkte Personen eine Herausforderung darstellen können und ihnen den Zugang zum öffentlichen Verkehr erschweren».

Ausserdem stellt er erste Zwischenergebnisse einer Simulation vor, die mit Unterstützung eines externen Ingenieurbüros erarbeitet wurde. Es geht darin um den gesamten Innenstadtkorridor zwischen Aeschen- und Claraplatz sowie die Umwandlung von Doppel- in Einfachhaltestellen am Bankverein, Barfüsser- und Marktplatz. Bewertet wurden die Szenarien für Kundennutzen, Betrieb und Stadtraum.

Bei der Auswertung erzielten die Einfachhaltestellen in Bezug auf die Kunden positivere Resultate wie die Doppelhaltestellen. Besonders Barfüsser- und Marktplatz seien aufgrund kleinerer Barrierewirkung besser in den Stadtraum einzubetten. «Betrieblich hat die Simulation gezeigt, dass Einfachhaltestellen in den meisten Fällen die Gesamtfahrzeit verkürzen, da der Fahrgastwechsel schneller stattfindet und die teils längere Wartezeit bei der Einfahrt damit meist kompensiert wird.»

Beim Bankverein wird es schwierig

Schwieriger werde die Umgestaltung beim Bankverein. Dies liege an der dortigen Lichtsignalanlage und am Steinenberg. Mit Blick auf die Umsetzung des BehiG wird laut BVD eine Einfachhaltestelle für Bus und Tram an der Schifflände geprüft. In der Rheingasse sei dies vor dem Umbau, der bereits erfolgte, schon geschehen. «Da hier sehr viele Busse verkehren und nicht andernorts halten können, zeigte sich, dass diese Tram-Bus-Doppelhaltestelle weiterhin betrieblich notwendig ist.»

Sollte der Praxistest die Simulation bestätigen, werden die übrigen Doppelhaltestellen im Rahmen der ohnehin geplanten Arbeiten gemäss BehiG in den nächsten Jahren zu Einfachhaltestellen umgebaut und ein entsprechendes Projekt ausgearbeitet. Laut BVD wird der Regierungsrat bis im Frühjahr darüber informieren.