Geldsorgen

Mehrere Basler Quartierveloläden mussten schliessen – Stirbt der Beruf des Velohändlers aus?

Viele Basler kaufen Velos in Deutschland oder online.

Viele Basler kaufen Velos in Deutschland oder online.

Wer als Basler Velohändler überleben will, muss innovativ sein. Guter Service, eine Nische oder treue Kunden sind das A und O.

Endlich wieder Sonne - tausende Basler velölten gestern durch die Stadt, froh, sich endlich wieder aufs Rad schwingen zu können. Für Fahrradhändler sind es dennoch schwierige Zeiten. In den letzten Monaten mussten mehrere Basler Quartierveloläden schliessen: Der Velo-Egge an der Bündnerstrasse und Schnell Velos sind die jüngsten Opfer; Basilisk Bike Jucker muss Stellen abbauen.

«Ich denke, der Beruf des Velohändlers wird aussterben», sagt Ruedi Wenger vom Wenger 2-Rad Shop. Die Velohändler in Grenznähe kämpfen gegen Deutsche Preise. Doch das ist nicht das einzige Problem: Viele Kunden nehmen die kostenlose Beratung in Anspruch und kaufen die Produkte dann günstig online. Nur von Reparaturen und Montagen könne ein Händler aber nicht überleben, sagt Wenger.

Viel Arbeit für wenig Ertrag

Wenger ist nicht alleine: «Wenn ich einen einfachen Service für 60 Franken in zwei Stunden mache, habe ich am Schluss vielleicht fünf Franken in der Stunde verdient.» Bruno Gambino von der Biciclettista in der Markthalle hat zwar viele Kunden und Aufträge, verdient sich aber trotz der vielen Arbeit keine goldene Nase: «Die Kunden wollen möglichst viel für möglichst wenig Geld.» Darin sind sich die Basler Velohändler einig.

Auch bei Jean-Pierre Brino von der Brino Velo AG, Jörg Vitelli von der Vitelli Velobedarf AG und Wenger kommt es oft vor, dass Kunden ihre Velos im Ausland kaufen und die hiesige Beratung ausnutzen. Das ärgert die Händler. «In internen Kursen für Velohändler wird geraten, nicht zu viel über ein Produkt zu sagen, sodass die Kunden nicht ins Internet oder über die Grenze gehen können und es dort kaufen», so Wenger. Es tut ihm weh, wenn er von Kunden mitbekommt, dass sie online oder in Deutschland shoppen. Brino fasst das Problem zusammen: «Man kann online kaufen aber nicht reparieren lassen.» Deshalb ergreifen die meisten Händler Konsequenzen. «Wir überlegen uns, in Zukunft eine Pauschale für Beratungen zu erheben», überschneiden sich Gambinos, Wengers und Brinos Aussagen.

Die Probleme kommen nicht nur von den Kunden. Auch Lieferanten in der Velobranche haben zu kämpfen: Laut Wenger hätten viele Lieferanten Probleme, zu liefern, da die Händler nicht mehr im Voraus bezahlen können. Auch Gambino spürt den Druck der Lieferanten. «Sie verlangen von uns, Preise auf Produkte zu erheben, die ein Kunde in Basel nie zahlen würde.» Zudem hätten viele Lieferanten auch vor Ort eigene Läden, wo sie ihre Ware günstiger vertreiben würden oder Online-Shops, wo Velos für wenig Geld gekauft werden könnten.

Die grossen Warenhäuser tragen auch nicht gerade zur Verbesserung der Lage der Velohändler bei. Günstig produzieren sie Fahrräder und verkaufen sie für wenig Geld. «Wir reparieren Warenhausvelos schon, aber nur von Kunden, die bereits bei uns eingekauft haben», sagt Wenger bestimmt. Andere sehen das pragmatischer: Es gehe um das Geld, das man mit der Reparatur verdienen kann.

Auf der Suche nach Nischen

«Um in unserer Branche zu überleben, muss man innovativ sein und einen guten Service bieten.», so Vitelli. Es sei wichtig, den Kundenstamm halten zu können und die Leute dazu zu bringen, immer noch im Quartierlädeli ihr Velo zu kaufen oder reparieren zu lassen. Auch Gambino sieht das so: «Wie traurig wäre es, wenn man nicht mehr im Quartierveloladen schnell sein Rad pumpen könnte.» Die Händler setzen auf Freundlichkeit und kompetente Beratung - oder suchen sich Nischen. So zum Beispiel der Veloladen John Tweed in der Clarastrasse. Er vertreibt Produkte, die man online oder in Deutschland gar nicht finden kann.

Im Laden wimmelt es von extraordinären, teuren Velos und ausgefallener Kleidung. «Wir haben uns diese Nische bewusst gesucht, da wir wussten, wie schwer es ist, als klassischer Veloladen in Basel überleben zu können.» Ausgefallene Veloläden gibt es in Basel viele. Aber auch klassische Händler finden Wege. Viele erhalten Subventionen, weil sie beispielsweise Schwererziehbare beschäftigen - das ärgert wiederum Händler, die keine Gelder vom Staat bekommen und den gleichen Service deshalb nicht gratis anbieten können.

Ja, die Situation ist angespannt. Doch: «Guter, persönlicher Service und individuelle Beratung sind immer noch hoch geschätzt», so Brino. Auch seine Kollegen möchten nicht den Teufel an die Wand malen. «Ich sehe optimistisch in die Zukunft. Ich denke, die Leute werden immer Freude an guten Velos haben », sagt Gambino und dreht sich stolz in seinem kleinen vollgepackten Laden.

Verwandte Themen:

Autor

Olivia Meier

Meistgesehen

Artboard 1