Das Vorgehen war immer dasselbe: Die 34-jährige Frau aus Wien sprach eine Passantin an und frage nach dem nächsten Esoterikladen. Damit war das Thema festgelegt: Erst lobte sie die freundliche Aura der angesprochenen Person, gleich danach sagte sie Probleme voraus. Das Gespräch wurde persönlich, und irgendwann zog sie ihren Joker aus der Jackentasche: Eine heilsame Wurzel aus Lourdes, die dort angeblich 5000 Franken kostet.

Manchmal gab es Schnäppchen, sie liess sich etwa in Binningen auf 800 Franken runterhandeln. In Münchenstein verkaufte sie die Wurzel einer Frau gar für «nur» 50 Franken, im Juli 2016 hingegen zog eine Passantin in Basel nach langer Diskussion erst 2000 Franken aus dem Bankomaten, hinterher legte sie weitere 800 Franken drauf, um angeblichen Schaden von ihrem Sohn abzuwenden.

Durchdachtes Ritual

Die drei Richter im Basler Strafgericht stuften das Vorgehen als arglistigen Betrug ein. «Wer für so etwas nicht anfällig ist, der geht einfach weiter. Aber diese Frauen sind darauf angesprungen. Sie haben es geschafft, diese Frauen von sich zu faszinieren», sagte Gerichtspräsident René Ernst zur 34-jährigen Angeklagten. Die betrogenen Frauen hätten zudem damals in Lebenskrisen gesteckt.

«Sie haben Dinge gewusst, die Sie nicht wissen konnten. Entweder haben Sie gut geraten oder sehr aufmerksam darauf geachtet, was die Frauen Ihnen erzählt haben.» Auch das Ritual sei durchdacht gewesen: Sie habe die Wurzel jeweils zerbrochen und dann einen Teil übergeben. «Eine schöne und symbolträchtige Geste», sagte Ernst.

Schon öfters aufgefallen

Die Frau hatte bislang erst in Basel eine Busse wegen Bettelns erhalten, war aber ansonsten noch nicht vorbestraft. Der Polizei ist sie indes bereits in Aarau, Bern und Arlesheim aufgefallen, weil sie Leuten Handlesen und schwarze Magie gegen Geld angeboten hatte. In Zofingen sprach sie eine 72-jährige Kirchgängerin an und erzählte von einer persönlichen Notlage, sie sei aus Syrien geflüchtet und illegal hier. Dafür erhielt sie 7000 Franken. Als sie bei derselben Frau allerdings eine Woche später weitere 60'000 Franken für eine Spenderniere einer angeblichen Schwester erbetteln wollte, klickten die Handschellen, sie sass zehn Wochen in Untersuchungshaft und wurde danach gegen Kaution entlassen.

15 Monate bedingt

Nach und nach gab sie die Lügen zu, wollte am Dienstag vor Gericht aber ihrem Geständnis nichts mehr hinzufügen. Das Geld wolle sie allen Frauen zurückzahlen.

Das Strafgericht beliess es bei einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monate wegen mehrfachen Betrugs. Staatsanwalt Thomas Hunkeler hatte vergeblich ein höheres Strafmass von 24 Monaten wegen gewerbsmässigen Vorgehens verlangt. Auch mit seiner Forderung nach einem Landesverweis drang er nicht durch.

Bei ihrer Verhaftung trug die Frau eine Rolex-Uhr im Wert von über 6000 Franken. Diese erhält sie von den Behörden wieder zurück, da es keine Hinweise auf einen Diebstahl gibt. Verteidiger Bernhard Isenring wollte vor Gericht nicht angeben, wer die Haftkaution von 7500 Franken bezahlt hatte und berief sich auf das Anwaltsgeheimnis. Das Gericht nahm das dankbar auf: Da es somit keine klaren Hinweise darauf gab, dass die Kaution von einem Dritten geleistet worden ist, rechnete das Gericht den Betrag an und konnte damit die Verfahrenskosten vollständig decken. Die Verurteilte kann das Urteil weiterziehen.