Die Synode ist das Parlament der reformierten Kirche Basel-Stadt. Hier stimmt man ab, indem man aufsteht – oder eben sitzen bleibt. Am Ende standen ziemlich viele. Mehr, als die meisten erwartet hatten. Aber der Reihe nach.

Am Mittwochmorgen trafen sich die Delegierten der reformierten Kirchgemeinden im Zwinglihaus im Gundeli. Die halbjährliche Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Resolution «Beziehung der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt zur Theologischen Fakultät» (die bz berichtete).

Mit diesem Vorstoss wollten 25 Synodalmitglieder ein Zeichen setzen: dafür, dass die Kirche ein gutes Verhältnis zur Universität pflegen soll. Und dagegen, dass sich der Kirchenrat in Zukunft in die Angelegenheiten der Theologischen Fakultät der Uni Basel einmischt.

Mehrfach wurde in der lebhaft geführten Debatte von den Resolutions-Befürwortern betont: Von einer Abstrafung von Münsterpfarrer und Kirchenratspräsident Lukas Kundert könne keine Rede sein. Der Text sei bewusst vorsichtig formuliert, eine Personalisierung sei nie das Ziel gewesen. «Was gegenwärtig durch den medialen Blätterwald rauscht», wie Unipfarrer Luzius Müller sich ausdrückte, «hat mit unserer Resolution nichts zu tun».

«Alles unklar nach der Lektüre»

Fakt ist aber: Lukas Kundert sah die Resolution sehr wohl als personalisierten Angriff auf sich selber. Der Kirchenratspräsident war am Mittwoch der grosse Abwesende. Er befindet sich in einem Sabbatical im Ausland. Kundert warnte die Resolutionäre vorgängig schriftlich: «Ich fürchte, dass die öffentliche Debatte der Resolution der Kirche erheblichen Schaden zufügt.»

Kundert wurde am Mittwoch vertreten durch den Vizepräsidenten des Kirchenrats, Simon Ganther. «Sie rennen weit offen stehende Türen ein», sagte dieser in Richtung der Resolutionäre. Der Kirchenrat sei sich der Bedeutung der Universität bewusst. Viel konkreter wurde er nicht.

Eindeutig gegen die Resolution stellte sich Synodalmitglied Beat Fischer: «Alles unklar nach der Lektüre», meinte er zum Text. Es sei nicht ersichtlich, ob sich der Kirchenrat künftig noch zur Uni äussern dürfe oder nicht. Er bat die Anwesenden, nicht noch mehr Öl ins Feuer zu giessen. Und: «Es ist nicht verständlich, dass der Kirchenrat und Lukas Kundert an den Pranger gestellt werden.»

Ist die Sache damit erledigt?

Diese Sicht der Dinge teilten am Ende aber gerade mal 13 Synodenmitglieder. 43 blieben stehen – und stimmten somit der Resolution zu. 10 enthielten sich. Den Resolutionären ist es mit zahlreichen Voten gelungen, eine grosse Mehrheit in der Synode zu überzeugen.

Offenbar setzte sich die Ansicht durch, dass die Beziehung zur Theologischen Fakultät gelitten habe und man nun ein Zeichen setzen muss. Ob gewollt oder nicht: Damit geht die Synode auf Distanz zum Kirchenratspräsidenten Lukas Kundert – dem höchsten Reformierten des Kantons.

Die Synodenmitglieder empfanden es als äusserst unglücklich, dass ein Konflikt innerhalb der Theologischen Fakultät auf sie übergriff. Sie hoffen, dass sich die Sache mit der Abstimmung erledigt hat. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass das auch so ist.

Doch die Animositäten zwischen Kundert und diversen Uni-Professoren wurden damit nicht beigelegt. Es ist also immer noch möglich, dass der Streit wieder aufflammt – auch innerhalb der Kirche.