Bauvorhaben

Mehrkosten bei Neubau: Amt für Umwelt und Energie erinnert an Biozentrum

Höhere Preise für das Baumaterial, andere Photovoltaik-Zellen für die Fassade: Der Kanton Basel-Stadt muss 2,35 Millionen Franken mehr für den Neubau des Amts für Umwelt und Energie bezahlen. Das sind die Gründe.

Für den Neubau des Amts für Umwelt und Energie des Kantons Basel-Stadt bewilligt der Regierungsrat zusätzliche 2,35 Millionen Franken zum 16-Millionen-Usprungskredit. Dies wegen «unvorhersehbaren Umständen und zwingenden Zusatzmassnahmen». Das erinnert ans Biozentrum: Bis zu 110 Millionen Franken teurer wird dieser Neubau. «Zahlreiche ausserordentliche Ereignisse, die Komplexität des Baus und ungenügende Leistungen beauftragter Unternehmen» sorgten für die Mehrkosten für das neue Laborgebäude der Universität Basel.

Die Basler Grossprojekte in Schieflage gaben in den vergangenen Monaten und Jahren mehrfach Stoff für Schlagzeilen. Ende Juli 2020 veröffentlichte die Geschäftsprüfungskommission (GPK) ihren neusten Bericht. «Die GPK erwartet vom Bau- und Verkehrsdepartement die erforderliche Transparenz zu schaffen und umgehend die nötigen Massnahmen zu treffen.» GPK-Präsident und SP-Grossrat Christian von Wartburg sagte zu dieser Zeitung, es scheine kein grosses Projekt zu geben, bei dem in den vergangenen Jahren alles nach Plan verlaufen sei.

Mehrkosten wegen Fassade und Baumaterial

Und nun schon wieder: Der Neubau des Amts für Umwelt und Energie (AUE) sollte ein Leuchtturmprojekt sein. Geplant war, dass der Bau aus Holz und Beton in energetischer, bautechnischer und architektonischer Sicht Vorbildcharakter verströmt.

Schliesslich soll der Neubau dereinst nach Minergie-A-Standard funktionieren: Dafür wichtig sind die Fassade aus Photovoltaik-Zellen oder die Materialien aus der Region. Doch eben diese Punkte haben nun die Mehrkosten verursacht: Laut der Mitteilung des Kantons muss die Fassade dem Stadtbild angepasst werden, da die Photovoltaik-Zellen alleine fast durchgehend schwarz wären.

Weiter stiegen die Preise für die Baumaterialien in die Höhe und gewisse Arbeitsschritte mussten mehrmalig ausgeschrieben werden. Zuletzt kam dem Projekt auch noch die Basler Geschichte in die Quere: Bei Ausgrabungen wurde etwa eine Quadermauer aus dem 12. oder 13. Jahrhundert gefunden.

«Eklatante Fehler bei komplexeren Projekten»

Der Regierungsrat teilt mit, er bedauere die Kostenüberschreitung und habe die Finanzkommission darüber informiert. Deren Präsident und SVP-Grossrat Patrick Hafner sagt: «Meines Wissens ist es so, dass der überwiegende Teil der Bauprojekte gemäss Plan realisiert wird.

Die Beispiele von Biozentrum und dem AUE-Neubau lassen allerdings vermuten, dass bei komplexeren Projekten regelmässig eklatante Fehler gemacht werden.» Er will nun den Bericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission abwarten, die den Fall des Biozentrums untersucht.

Eine Lösung sieht Hafner in der Überarbeitung des Drei-Rollen-Modells des Kantons Basel-Stadt. Dieses beinhaltet den Nutzer, den Eigentümer und das Hochbauamt, die zusammen die Verantwortung tragen. Hafner sagt, bei simpleren Bauten könnten die Arbeiten so einfacher koordiniert werden. Aber: «Das Modell scheint dazu zu führen, dass bei komplexen Projekten die Verantwortung schlicht verwässert wird.»

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