Mittagszeit in der Innenstadt: Die einen geben viel Geld aus für ein Mittagessen am gedeckten Tisch im Restaurant, die anderen holen sich für günstiges Geld einen Take-away Salat im Supermarkt. Der Salat zum Mitnehmen kostet zwar weniger, als der Caesar Salad mit Lattichherzen, Speck und Käsespähnen im Restaurant, dafür hüllt er sich in Unmengen an Plastik. Croutons, Speck und Ei sind einzeln verpackt. Die Salatsauce liegt im Plastiktütchen zwischen den Cherrytomaten und das Plastikbesteck, steckt in einem Plastiktütchen unter dem Plastikdeckel. Recycelbar ist davon nichts.

Diesem Trend wollte Nettip Chumsuwan nicht folgen, als sie vor zwei Wochen ihr thailändisches Take-Away Restaurant «Green Bento» am Rümelinsplatz eröffnete: «Mir war immer klar, wenn ich einen Take-away eröffne, dann werde ich versuchen so wenig Abfall wie möglich zu erzeugen.» Nach einer Alternative zu den Einweg-Plastikschalen musste Chumsuwan nicht lange suchen. Sie bietet ihren Kunden das Mittagsmenu samt Beilagen und Dessert in sogenannten Bentos an, die sie aus Thailand kennt.

Bentos sind stapelbare Mehrwegboxen aus Alu. In asiatischen Ländern sind sie in dieser Form seit vielen Jahrzehnten weit verbreitet. «In Thailand hat jede Familie mindestens zwei oder drei davon», erzählt Chumsuwan. Die Kinder nehmen sie mit zur Schule, die Erwachsenen mit auf die Arbeit und einmal im Monat werden sie am buddhistischen Feiertag Wan Pra gut gefüllt und an Mönche überreicht.

Von Tradition zu Innovation

Was in Thailand mit Tradition und Religion verbunden ist, steht hier für Innovation und Nachhaltigkeit. Die Gäste können ihr Essen auf einer Parkbank, im Büro oder zu Hause geniessen und die Boxen dann wieder zurückbringen, ohne dass dabei unnötig viel Plastikabfall entsteht. «Ob die Gäste, die Bentos am gleichen Tag oder eine Woche später zurückbringen, ist mir egal. Hauptsache es kommt irgendwann zurück», sagt Chumsuwan. Das Depot der Bentos kostet 15 Franken. Bei Gästen aus der Nachbarschaft, denen sie vertraut, verlangt Chumsuwan allerdings kein Depot - und die Geschäftsführerin vertraut vielen: «Bisher habe ich ehrlich gesagt noch nie Depotgebühren verlangt», sagt sie und lacht.

Der Wunsch nach einem eigenen Lokal verfolgte Chumsuwan schon seit langem. Dass sie ihren Traum sogar in dem kleinen Ladenlokal mit der charakteristischen runden Glasfassade am Rümelinsplatz verwirklichen wird, den sie jahrelang bei ihren Spaziergängen durch die Stadt bewundert hat, hätte sie sich allerdings nicht träumen lassen. «Eines Tages bin ich mit meinem Mann hier vorbeigegangen und wir haben gesehen, dass das Lokal leer steht. Da wusste ich, jetzt muss ich die Gelegenheit ergreifen», sagt sie.

Mit ihrer Vorstellung von Nachhaltigkeit möchte Chumsuwan auf keinen Fall aufdringlich oder missionarisch wirken. Die Entscheidung, ob Bento oder doch lieber Einweg Geschirr aus Zuckerrohr überlässt sie ganz ihren Gästen. «Ich weise sie nur auf die Bentos hin und erkläre, dass dies die nachhaltigere Variante wäre.» Manche Gäste bringen die Boxen schon sauber wieder zurück, andere nicht. Chumsuwan wäscht sie aber so oder so nochmals ab, und zwar von Hand im Spülbecken. «Eine Waschmaschine haben wir bisher leider noch nicht.»

Depot System nicht verbreitet

Obwohl die Sensibilisierung für den verpackungsfreien Konsum in Basel in den letzten Jahren gestiegen ist, ist Green Bento zurzeit das einzige Lokal mit einem Depot-Konzept. Die beiden verpackungsfreien Einkaufsläden, die Abfüllerei im Gundeli und Basel Unverpackt am Erasmusplatz bieten kein solches System an. Der Grund dafür ist vor allem ein hygienischer: «Ohne geeignete Waschmaschine können wir keine sterilen Gebinde garantieren», sagt Ivo Sprunger, Geschäftsführer bei der Abfüllerei. Ausserdem würde das System mit den eigenen Gebinden sehr gut funktionieren. Kritik, dass es zu umständlich wäre, selber Einmachgläser oder Flaschen mitzubringen, würde praktisch nie geäussert. Im Gegensatz: Das verpackungsfreie Einkaufen etabliert sich immer mehr. Die Kundenzahlen in der Abfüllerei und bei Basel Unverpackt steigen laut Aussagen der Mitarbeiter stetig.

Auch Nathalie Reinau, Mitgründerin von Basel Unverpackt ist sehr zufrieden mit der Entwicklung: «An gewöhnlichen Wochentagen kommen inzwischen rund 60 Leute in unseren Laden, am Samstag auch mal mehr als 100.» Auch hier gibt es keine Gebinde mit Depot, aber eine «Bag-Sharing-Kiste». Wer zu viele Stofftaschen zu Hause hat, kann seine Taschen hier deponieren, wer spontan keine dabei hat, kann eine mitnehmen.

Kundenbindung

Auch wenn der Abwasch der Bentos für Chumsuwan allerhand zu tun gibt, hat das System neben dem umwelttechnischen auch einen wirtschaftlichen Vorteil. Wer in der Mittagspause sein Bento zurückbringt, lässt sich sicherlich leicht überzeugen, gleich auch das neuste Tagesmenu auszuprobieren. Die Kundenbindung ist garantiert.