«Pommes frites wird es keine mehr geben und den Senf zur Wurst müssen wir den Gästen halt direkt aus Brot drücken», sagt Daniel Strub, OK-Mitglied bei der Laufveranstaltung «Quer durch Basel». Der Grund für diese Änderung ist ein neues Gesetz, das der Grosse Rat im November beschlossen hat und das seit 1. Januar allen Veranstaltern auf öffentlichem Grund eine Mehrwegpflicht für Getränke und Esswaren aufzwingt. Selbst Veranstaltungen, die bereits seit Jahren freiwillig auf Mehrweggeschirr setzen, wie das Kürbisfest der IG Neubad, sind betroffen. Denn das Gesetz sieht nebst der Mehrweg- auch eine Depotpflicht vor. «Dass wir neu Depot verlangen müssen, ist für uns ein grosser zusätzlicher Aufwand, denn wir können die Tische im Festzelt nicht einfach abräumen, sondern müssen die Rückgabe völlig neu organisieren», sagt Organisator Christian Wehrli. Das System habe auch ohne Depot bestens geklappt, das Festgelände sei jeweils sauber hinterlassen worden und die Abfallmengen hätten sich sehr in Grenzen gehalten.

Amt verspricht «Augenmass»

Während sich die Kleinveranstalter an die per Verfügung verschickte Auflage halten, kämpfen die Veranstalter von Grossevents um Ausnahmen. Dem FC Basel wurde bereits eine Fristverlängerung um ein Jahr gewährt und auch für «Basel Tattoo» und «Em Bebbi sy Jazz» wird es wohl eine Übergangslösung geben. Die Fasnacht, bei der jährlich 300 Tonnen Abfall anfallen, ist bereits im Gesetz von der Mehrwegpflicht ausgeschlossen. Diese Ungleichbehandlung kommt bei den Veranstaltern von kleinen Anlässen nicht gut an. «Dass nicht für alle Events dieselben Regeln gelten, empfinden wir als stossend», sagt «Quer durch Basel»-Organisator Strub. «Die Leute sollen sich daran gewöhnen, dass sie überall Depot zahlen müssen – denn wir machen das auch nicht freiwillig, sondern weil wir es müssen.»

Zuständig für die Umsetzung des neuen Gesetzes ist das Amt für Umwelt und Energie. Dieses verspricht, Einzelfälle zu prüfen und Augenmass zu bewahren. «Wir wollen primär saubere Veranstaltungen und eine Verminderung der Abfallmenge», sagt Amtsleiter Matthias Nabholz. Bisher wurden 59 Veranstalter schriftlich auf die Neuerung aufmerksam gemacht. Dabei zeigte sich, dass sich vor allem die Verantwortlichen grosser Events mit der Umstellung auf Mehrweggeschirr schwer tun und Sonderregelungen fordern. Mit dem FCB, dem «Basel Tattoo» und «Em Bebbi sy Jazz» seien Gespräche am Laufen. Laut «Em Bebbi sy Jazz»-OK-Mitglied Michael Santeler sind diese Gespräche dringend nötig, denn er wisse noch nicht, wie eine flächendeckende Umstellung auf Mehrweggeschirr finanziert und umgesetzt werden soll.

Bewilligung für Helfer-Fläschli

«Wir haben im letzten Jahr freiwillig einen Test mit Mehrwegbechern auf dem Marktplatz durchgeführt. Dabei hat sich gezeigt, dass die Umsetzung selbst unter idealen Bedingungen, also nur ein Standbetreiber und mit genügend Platz, mit grossem finanziellen und organisatorischen Aufwand verbunden ist.» Das «Em Bebbi sy Jazz»-OK hat bereits das Gespräch mit Regierungsrat Christoph Brutschin gesucht und konnte feststellen, dass er sich den speziellen Anforderungen des Anlasses mit über 100 verschiedenen Vereinen, Restaurants und Standbetreibern bewusst ist. «Brutschin hat uns Hoffnung gemacht, dass wir mit einer pragmatisch reduzierten Anpassung der Auflagen rechnen können», sagt Santeler.

Auf Gesprächsbereitschaft hofft auch «Basel Tattoo»-Sprecher Raffael Kouril. «Es ist noch unklar, wie genau wir die neuen gesetzlichen Grundlagen in der kurzen Zeit bis zum diesjährigen Basel Tattoo umsetzen können und was die Auswirkungen für die bereits fest vergebenen 21 Festbeizen sein werden.» Die Gespräche mit den Behörden seien am Laufen und Ende März sei ein Termin zur Diskussion der nächsten Schritte vereinbart.

Während also Gross-Veranstalter über Fristen und Ausnahmen verhandeln, führt das neue Gesetz bei kleineren Veranstaltungen zu teilweise absurden Bestimmungen. «Obwohl wir Getränke bereits jetzt im Mehrweg-Becher ausschenken, müssen wir für die Pet-Fläschli, die wir jeweils unseren rund 40 Helfern entlang der Strecke mitgeben, eine Ausnahmebewilligung beantragen», klagt «Quer durch Basel»-Organisator Strub. «Solche Auflagen sehen wir als reine Schikane.»