Basel fragt, und die Basler geben Antwort. Das Statistische Amt des Kantons Basel-Stadt ist dasjenige, das schweizweit die meisten Befragungen durchführt. Madeleine Imhof, Leiterin des Statistischen Amtes (StA), erklärt: «Es ist wichtig, dass wir neben rein objektiven Fakten auch quantifizierbare subjektive Informationen in unsere Statistiken aufnehmen». Besonders für die Arbeit des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) seien die Erhebungen relevant.

Seit Jahrzehnten finden in regelmässigem Abstand Bevölkerungsbefragungen statt. So lässt sich analysieren, wie sich die Stimmung und Zufriedenheit der Basler zu Projekten der Stadtentwicklung verhalten. Längerfristig sei es deshalb nicht nur wichtig, einen klaren Meinungswandel nachvollziehen zu können: «Spannend wird es gerade auch dann, wenn Stadtentwicklungsprojekte eine Veränderung erwarten liessen, aber sich das Empfinden der Bevölkerung über Jahre nicht ändert», so Imhof.

Dabei ist die Nutzung der Befragungsresultate bei der Verwaltung vielseitig. So hat das Erziehungsdepartement aufgrund der deutlichen Aussagen der Jugendbefragung vor einigen Jahren den Beginn der Schulzeit auf acht Uhr verlegt, und auch Bebauungspläne für Wohnquartiere werden regelmässig mit den in Stadtteilbefragungen geäusserten Bedürfnissen abgeglichen.

Konkretes Stimmungsbild

Die Aufträge zur Befragung erhält das StA von der Regierung. Auf den Geschmack der Meinungsumfragen ist diese bereits 1998 gekommen. Damals wurde die erste Wanderungsbefragung durchgeführt. Ziel war es, die Gründe für die Abwanderung der Stadtbevölkerung besser zu verstehen und darauf zu reagieren. Schnell wurde allerdings erkannt, dass eine allgemeine Befragung nicht all jene Fragen abdecken kann, die für eine detaillierte Einschätzung entscheidend wären: «Spezifischere Befragungen wurden angefordert, die nicht nur einen Überblick, sondern ein besseres Verständnis einzelner Bevölkerungsgruppen ermöglichen sollten», erklärt Imhof.

Damals verabschiedete die Regierung ein Konzept, das die detailliertere Befragung der Basler in regelmässigen, geregelten Abständen ermöglichen sollte. Zur Wanderungsbefragung gesellten sich also in den letzten Jahren die Familienbefragung, die Jugendbefragung und die Befragung 55 Plus.

Nicht zu viel und nicht zu wenig

Die meisten Umfragen finden versetzt in einem Abstand von jeweils vier Jahren statt. Spezifischere Umfragen, wie die Kulturpublikumsbefragung, die 2016 zum ersten Mal stattfand, oder spezifische Stadtteilbefragungen, führt das StA jeweils auf Bedarf der jeweiligen Departemente durch.

Auch wenn sich Bevölkerungsumfragen als Instrument eignen, die Bedürfnisse der Basler besser nachzuvollziehen: Nach Belieben können sie nicht durchgeführt werden. Imhof betont: «Wir haben einen klaren gesetzlichen Auftrag, nur in solchen Fällen auf Umfragen zurückzugreifen, in denen wir nicht auf andere Weise zur betreffenden Information gelangen können». Die Durchführung von Umfragen ist ein Balanceakt. Oftmals sei es nämlich so, dass zur Beantwortung politischer Fragen zu wenig Beobachtungen vorliegen.

Entscheidende Unabhängigkeit

Welche Fragen von politischem Interesse sind, das entscheidet das StA nicht. Sowohl der Auftrag, als auch die Interpretation einer grossflächigen Umfrage liegt in den Händen der Regierung: «Wir haben die Aufgabe, die Daten, die wir erhalten möglichst verständlich aufzubereiten und besonders auffällige Resultate allenfalls entsprechend zu kommentieren», sagt Imhof.

Die Tätigkeit des statistischen Amtes ist von den politischen Konsequenzen der erhobenen Daten klar getrennt: «Gerade deshalb ist es meiner Meinung nach methodisch entscheidend, dass solche Umfragen von einer fachlich unabhängigen Stelle durchgeführt werden», meint Imhof. Dies ist in Basel der Fall, nicht aber in jedem Kanton. So beispielsweise in Zürich, dem einzigen Kanton, der Basel bei Befragungen quantitativ Konkurrenz macht. Seit einem Personalvakuum beim Statistischen Amt Zürich vor einigen Jahren wird ein Grossteil der Bevölkerungsumfragen von der Stadtentwicklung selbst durchgeführt.