Die Lektüre des Kantonsblatts kann sich durchaus lohnen, denn in praktisch jeder Ausgabe werden unbekannte Erben gesucht, weil eine verstorbene Person zwar ein Testament hinterlassen hat, dieses aber nicht komplett ist. Die allenfalls vorhandenen gesetzlichen Erben werden deshalb jeweils aufgefordert, sich bis zu einem bestimmten Datum beim Erbschaftsamt zu melden – ansonsten verfallen die Ansprüche und das ganze Geld geht an den Zolli, ans Tierheim oder an eine geheime Liebschaft.

Ob es sich bei den Hinterlassenschaften um ein Original von Picasso oder um einen Anteil an der Briefmarkensammlung geht, ist den jeweiligen Ausschreibungen nicht zu entnehmen. Man kann anhand der letzten Wohnadresse spekulieren – wenn es sich dabei um eine Villa auf dem Bruderholz handelt, dürfte sich die Lektüre doppelt lohnen.

262 Bekanntmachungen seit 2015 hat die bz analysiert. Dabei zeigt sich: Die älteste, in den letzten drei Jahren verstorbene Person, für die Erben gesucht wurden, war bei ihrem Tod 97 Jahre alt. Dass es sich dabei um eine Frau handelt, ist auch kein Zufall: Zwei Drittel der Personen, die «letztwillig verfügt haben, ohne die gesetzlichen Erben zu berücksichtigen», wie die Bezeichnung im Kantonsblatt lautet, sind Frauen.

 

Das Kantonsblatt wird ab 1. Januar nicht mehr gedruckt erscheinen. Deshalb schaut die bz in einer Serie zurück.