Wohnungsnot

Menschen ohne festen Wohnsitz bleiben immer länger beim Verein für Gassenarbeit angemeldet

Rund 10% der Angemeldeten leben in Notschlafstellen.

Rund 10% der Angemeldeten leben in Notschlafstellen.

Während die Zahl der Menschen ohne festen Wohnsitz gegenüber dem Vorjahr abgenommen hat, ist die durchschnittliche Dauer pro Anmeldung gestiegen.

Im Jahr 2019 haben sich 745 Menschen beim Verein Schwarzer Peter angemeldet. Ende Dezember waren 356 davon noch immer ohne Meldeadresse verzeichnet. Menschen ohne Meldeadresse sind nicht gleichzusetzen mit Obdachlosen. Michel Steiner, Co-Geschäftsleiter des Vereins Schwarzer Peter, bestätigt auf Anfrage, dass etwa 10% der beim Verein Angemeldeten das ganze Jahr auf der Strasse leben. Weitere 10% leben in Notschlafstellen und rund zwei Drittel leben nach dem sogenannten "Couch-Surfing"-Prinzip, kommen also immer wieder an verschiedenen Orten unter.

Die Zahl der Menschen ohne Meldeadresse hat zwar abgenommen, die Dauer pro Anmeldung ist aber gestiegen, was bedeutet, dass viele, wenn sie denn einmal beim Verein angemeldet sind, noch länger nach einer Bleibe suchen als noch in den Vorjahren. Steiner führt dies auf die Tatsache zurück, dass es nicht einfacher geworden sei, im Raum Basel an bezahlbaren Wohnraum zu kommen. 

Menschen ohne festen Wohnsitz werden immer älter

Besonders besorgniserregend findet Steiner, dass die Menschen ohne Meldeadresse tendenziell immer älter würden. Vor etwa zehn Jahren hätten sich noch viel mehr Junge über fehlenden Wohnraum beschwert; Junge, die aber auch schneller wieder entsprechende Unterkünfte gefunden hätten, was den älteren Betroffenen heutzutage besonders schwer falle. 

Weshalb viele der Angemeldeten über längere Zeit ohne Unterkunft bleiben, begründet Steiner wie folgt: "Der erschwingliche Wohnraum bleibt in Basel nach wie vor das Hauptproblem. Schwierig wird es auch, wenn man Sozialhilfe bezieht oder Einträge im Betreibungsregister hat." Im Kanton Basel-Stadt gibt es nur eine Sammeladresse für Menschen ohne festen Wohnsitz. In die Statistiken fällt nur, wer im Vorjahr schon in Basel wohnhaft war.

Familien werden bei Notwohnungen bevorzugt behandelt

Kinder werden beim Schwarzen Peter fast nie angemeldet. Auch, weil der Kanton Basel-Stadt das Kontingent an Notwohnungen fast ausschliesslich an Familien mit Kindern vergibt. Von den 745 Anmeldungen pro Jahr sind laut Steiner grob geschätzt etwa ein Drittel Frauen. Während es beim Geschlecht auffällig ist, dass deutlich mehr Männer ohne festen Wohnsitz sind, ist beim Alter keine Auffälligkeit auszumachen, die Angemeldeten verteilen sich gleichmässig auf die Altersklassen von 18-57.

Akut könne das Problem laut Steiner nur mit Hilfe des Kantons gelöst werden. Dieser solle mehr Wohnraum zur Verfügung stellen. Ein gutes Beispiel für eine vorübergehende Notlösung seien die Containerwohnungen beim Dreispitz, die im Asylbereich genutzt würden. Eine Containerwohnung könne die Überbrückungszeit, die mit intensiver Wohnungssuche verbunden sei, deutlich vereinfachen, sagt Steiner.

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