In den vergangenen zweieinhalb Monaten haben die SBB gerade einmal 13 Wohnungen im Meret-Oppenheim-Hochhaus vermietet. Dabei wäre höchste Eisenbahn, die noch verfügbaren 31 Wohnungen an den Mann oder die Frau zu bringen, schliesslich sind sie ab Anfang 2019 bezugsbereit.

Mit den harzig verlaufenden Vermietungsergebnissen konfrontiert, geben sich die SBB wortkarg. «Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen und gehen weiterhin davon aus, dass das Meret-Oppenheim-Hochhaus im Frühling 2019 vollvermietet sein wird», schreibt Sprecher Daniele Pallecchi. Sämtliche weiteren Fragen werden nicht beantwortet. Dabei hätte die bz gerne mit der SBB darüber gesprochen, wieso vor allem für die in den oberen Stockwerken gelegenen 2,5-Zimmer-Wohnungen kaum Abnehmer gefunden werden.

Und ob es möglicherweise daran liegen könnte, dass «selbst beim aktuellen Wohnungsmangel in Basel keine solch horrenden Mietpreise verlangt werden können», wie Patrizia Bernasconi vom Mieterverband Basel (MV) vermutet. Sie meint damit beispielsweise die 2665 Franken Monatsmiete für eine 2,5-Zimmer-Wohnung mit 73 Quadratmeter im 21. Stock, die noch zu haben ist.

Noch bei der Aufrichtfeier im April und dem darauffolgenden Medientermin sagten die Verantwortlichen, dass bereits «fast die Hälfte aller Wohnungen vermietet» sei und dass mit einer Vollvermietung gerechnet werden könne. «Wir bieten Wohnungen im mittleren Preissegment an perfekt erschlossener Lage direkt am Bahnhof», sagte Alexander Muhm, Leiter Development von SBB Immobilien, zur bz. Und nannte das Beispiel einer 80-Quadratmeter-Wohnung für 2000 Franken. Auf der offiziellen Vermietungs-Website, wo alle noch verfügbaren Einheiten veröffentlicht werden, erscheint diese Wohnung indes nicht mehr.

Je weiter oben, desto teurer

Die Website ist dennoch interessant, insbesondere, wenn man die aktuelle Liste der verfügbaren Wohnungen mit einer Version von Anfang September vergleicht. Es zeigt sich nicht nur, dass vor allem kleinere, in den oberen Stockwerken gelegene Einheiten Ladenhüter sind. Die Zahlen deuten auch darauf hin, dass Quadratmeter-Preise von mehr als 30 Franken pro Monat selbst in schicken Neubauten und an zentralster Lage kaum bezahlt werden. Und dass gutbetuchte Mieter nicht bereit sind, für jeden Meter höher mehr zu bezahlen.

Zu diesem Schluss kam jüngst eine Studie der Credit Suisse. Lediglich im ersten Stockwerk mit unverbauter Aussicht, was häufig dem sechsten Stock entspricht, liess sich ein deutlicher Preisaufschlag erzielen. Weiter oben verbessern sich Aussicht und Sonneneinfall kaum noch, weshalb ein linearer Preisanstieg nicht ratsam sei, kommen die Studienautoren zum Schluss. Die SBB hingegen verlangen im Meret-Oppenheim-Hochhaus für jedes Stockwerk höher 25 Franken mehr Mietzins – mit der Konsequenz, dass ein Viertel der Wohnungen in den obersten zehn Stöcken noch nicht vermietet sind.

Der Mieterverband Schweiz will das renditegetriebene Auftreten der SBB auf dem Immobilienmarkt unterbinden. Eine entsprechende Initiative wird in der Dezember-Session im Nationalrat behandelt und sieht vor, dass staatsnahe Betriebe ihre nicht mehr benötigten Grundstücke auch für den Bau von bezahlbaren Wohnungen nutzt.

Generalsekretärin Natalie Imboden sagt: «Es wäre sicher übertrieben, bei der Wohninitiative von einer ‹Lex SBB› zu sprechen, weil auch andere Staatsbetriebe oder staatsnahen Betriebe Bauland oder Immobilien besitzen. Allerdings sind die SBB jetzt schon zweitgrösster Immobilienbesitzer in der Schweiz und visieren den Bau von 10'000 zusätzlichen Mietwohnungen an.»