Wie gedenkt Basel Meret Oppenheim im Jahr ihres 100. Geburtstages? Das fragte man sich. Denn die bedeutende Künstlerin (1913–1985) hatte Wurzeln teils in Basel und lebte auch hier. Weder das Kunstmuseum noch die Kunsthalle setzten eine Ausstellung aufs Programm. Nun wird die Erfinderin der Pelztasse und Schöpferin eines grandiosen, vielfältigen Werks in Basel doch noch gewürdigt.

Simon Baur, Kunsthistoriker, Kurator und Kunstrezensent der bz, und die Künstlerin Silvia Buol haben zu 100 Jahren Meret Oppenheim ein fantasievolles, anregendes Kunstprojekt entworfen und konnten dafür auch den Kanton Basel-Stadt begeistern. «100 Jahre Meret Oppenheim – ‹Das Geheimnis der Vegetation›» heisst die Ausstellung, die vom 15. August bis 24. Oktober im öffentlichen Raum Basels eingerichtet wird. Baur und Buol haben 21 Künstlerinnen und Künstler der Region beauftragt, Werke zu kreieren, die von Meret Oppenheim und ihrer Kunst inspiriert sind.

Das Geheimnis der Vegetation

Die Künstlerinnen und Künstler, die ganz unterschiedliche Positionen vertreten, kreieren eigens für die Ausstellung Werke und nehmen darin unterschiedlich Bezug auf Meret Oppenheims Werk und ihre enge Beziehung zur Natur, die sich auch in ihrer Kunst immer wieder neu manifestiert. Darauf nimmt auch der Titel der Ausstellung Bezug: Ihr Bild «Das Geheimnis der Vegetation» von 1972 baut auf einem geträumten Erlebnis eines mystischen Naturlichts. Sie setzt den Traum in eine abstrakte, faszinierende Landschaft um, in der sie die Schlange als eine Urform von Leben einfügt.

Dies ist nur ein Beispiel, wie Natur direkt in Oppenheims Kunst einfliesst. Tierfiguren und Tiersymbole erhalten Gestalt in ihren Werken, und Wolken werden in ihren Bildern zu schwebenden Boten. Mit Wolkenbildern / Installationen erweisen die beiden Künstlerinnen Bianca Pedrina und Edit Oderbolz Meret Oppenheim Reverenz – dies beim Eingang Klingental, im Botanischen Garten und im Park beim St. Alban-Tor. Im gleichen Park wird Sonja Feldmeiers «Sleeping Tree» stehen, ein Baum, der gleichsam nach innen in die Erde wächst. Sie bezieht sich mit ihrer verblüffenden plastischen Arbeit auf Meret Oppenheims Bild «Das Paradies liegt unter der Erde» von 1942.

Denkmäler an unerwarteten Orten

Faszinierend an der Ausstellung wird auch sein, dass wir als Stadt-Wanderer an wohl auch unerwarteten Orten von künstlerischen, lebendigen Denk-Mälern (im eigentlichen Wortsinn) für Meret Oppenheim überrascht werden. So begegnen wir an Stätten, die für Meret Oppenheims Leben wichtig waren, Ohren, die Matthyas Frey gestaltet. Sie erinnern uns an ihr Bronceobjekt «Das Ohr von Giacometti», stehen darüber hinaus auch für das Ohr Meret Oppenheims.

Frey bringt sie in der Eingangshalle der Alten Kunstgewerbeschule an der Spalenvorstadt an, die sie in den Kriegsjahren besuchte, bei der Edition Fanal im St. Alban-Tal, wo sie 1985 ihre letzte Ausstellung einrichtete, vor deren Eröffnung sie starb, und im Garten des Hauses Klingental 13, wo sie ihr Atelier hatte. Im Innenhof des Staatsarchivs stellt Karin Suter «Protoza» auf, ein Totem aus, das auch Assoziationen an Oppenheims «Urzeit-Venus» (1932/62). Lex Vögtli zeigt ihr Totem, das aus vielen Tierknochen besteht, im Innenhof des Museums der Kulturen. Und Christian Schoch lässt farbige Fantasie-Wasserblumen im Wettsteinbrunnen schwimmen.

So findet jeder Künstler, jede Künstlerin die eigene Form, sich auf Meret Oppenheim zu beziehen, und aus der eingehenden Auseinandersetzung mit einer der ganz grossen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts eigenständige Kunstobjekte und Installationen zu schaffen. Die weiteren Kunstschaffenden, die am Projekt mitarbeiten, sind: Misha Andris, Leif Bennett, Martina Böttiger, Peter Brunner-Brugg, Mirjam Fruttiger, Eric Hattan, Jürg Hugentobler, Bruno Jakob, Oliver Minder, Guido Nussbaum, Erik Steinbrecher, Peter Suter, Tina Z’Rotz und Markus Schwander.

Basel-Stadt ist Hauptsponsor

Der Kanton Basel-Stadt unterstützt das Projekt mit insgesamt rund 50 000 Franken. Baur bezeichnet den Kanton im Gespräch als Hauptsponsor, da auch das Baudepartement und die Stadtgärtnerei das Ausstellungsprojekt ideell unterstützen und Simon Baur und Silvia Buol – auch bekannt unter dem Label «die nomadisierenden Veranstalter» – bei der Realisierung des Projekts im städtischen Raum Steine aus dem Weg räumen. Auch das Stadtmarketing setzt sich fürs Projekt ein. Das Budget von anfänglich 63 000 Franken ist mit allen Satelliten-Projekten inzwischen auf 148 000 angewachsen ist. Dank zusätzlichen Sponsoren ist es gegenwärtig fast zu 90 Prozent gedeckt.

Das Nebenprogramm wird reichhaltig mit Veranstaltungen und Führungen an jedem Mittwoch, kleinen Satellitenausstellungen, und eigens auf die Beine gestellten Aktionen für Schulklassen (25 nehmen daran teil). Selbstverständlich wird am 6. Oktober, dem 100. Geburtstag von Meret Oppenheim, besonders gefeiert – mit einem Überraschungsprogramm für die ganze Familie. So wird im Spätsommer und im Herbst Meret Oppenheim an vielen Orten in Basel und in vielfältiger, spannender Weise präsent sein.