Baselworld

Messe-Besucher können sich schon mal in ein Stundenhotel verirren

Sexarbeiterinnen vor dem «White Horse» im Kleinbasel warten auf Kundschaft. Juri Junkov

Sexarbeiterinnen vor dem «White Horse» im Kleinbasel warten auf Kundschaft. Juri Junkov

Während der Baselworld boomt das Sexgewerbe. Dies zum Ärger von ahnungslosen Kleinbasler Hotelgästen, die in Stundenhotels irrtümlicherweise eine Übernachtung buchen.

«Luxus», «renommierteste Marken», «spektakuläre Pavillons»: Die Baselworld geizt in ihren Medienmitteilungen nicht mit Superlativen und setzt die Latte der Erwartungen hoch. Kein Wunder also, wenn die Hotelzimmer in der Stadt kurz vor der Messe immer rarer werden. Bereits ausgebucht ist auch das Hotel «White Horse» an der Kleinbasler Webergasse, wie eine Online-Recherche über die internationale Hotelbuchungsseite booking.com zeigt.

Dass allerdings ausgerechnet dieses Haus dort auftaucht, wird bei der buchenden Kundschaft später für leichtes Erröten sorgen. Ein anonymer Kommentator aus England schreibt im April 2014 – also kurz nach der letztjährigen Baselworld –, er sei «very disappointed» und habe sich aufgrund der speziellen Klientel sehr unwohl gefühlt.

Wütende Gäste

Eindeutiger wird der Australier Anthony. Er sei bei der Buchung nicht darauf aufmerksam gemacht worden, ein Zimmer in einem «sex hotel» zu buchen. Der Russe Yuri doppelt polemisch nach, dass nur das Kolchosenhaus am Busbahnhof Gomel bei Tschernobyl eine schlimmere Absteige sei. Und Paddy aus Irland empört sich, dass er gemeinsam mit «pimps and hookers» – Zuhältern und Prostituierten – vor dem Hotel auf den Check-in habe warten müssen.

Die Empörung der einen ist das Vergnügen der anderen – denn offenbar wird das Geschäft von Escort-Girls und anderen Prostituierten durch die Baselworld regelrecht beflügelt. So sagt Viky Eberhard von der Basler Beratungsstelle «Aliena» für Frauen im Sexgewerbe gegenüber der bz: «Laut Aussagen meiner Klientinnen ist die Nachfrage nach Sexarbeiterinnen und Escort-Frauen während der Baselworld höher.» Während Messen sei das Sexgewerbe jeweils besonders gefragt.

Dass es in den vergangenen Jahren während der Baselworld jeweils eine «höhere Nachfrage» gegeben habe, bestätigt auch ein Betreiber einer Zürcher Escort-Agentur, der anonym bleiben möchte. Die Messe sei aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein: «Wegen der Lockerung des Bankgeheimnisses und dem starken Franken läuft es bei uns allgemein sehr schlecht», klagt er. Darum rechnet er dieses Jahr auch nicht mit einem grossen Geschäft.

Hotelbetreiberin ist zufrieden

Ein Blick auf booking.com zeigt, dass das «White Horse» das einzige «hôtel de passe» («Stundenhotel», Kommentar von «Stefan») ist, dessen Zimmer über die Plattform gebucht werden können. Dass es wegen seiner «Atmosphäre in diesem Milieu» (Kommentar von «Johannes») auch das Basler Hotel mit der schlechtesten Bewertung ist, stört Betreiberin Saadia Knauseder überhaupt nicht. «Die Leute lesen nicht, was in den Kommentaren geschrieben wird – unser Hotel läuft nonstop und ist komplett ausgebucht», sagt sie zur bz.

Im «White Horse» gibt es derweil auch Gäste, die auf die «vice activities» (anonymer Kommentator aus England) anspringen. Der User «Marco» etwa bedankt sich beim Hotel-Team für die «beispiellose Beherbergung», und für «David» aus England war der Aufenthalt ein «pleasant surprise». So kann man es natürlich auch sagen.

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