Frau Schmid, das ist Ihre erste Muba, seit sie wieder bei der Messe tätig sind. Heute ist Eröffnung. Erleichterung?

Kay Schmid: Sicher. Ich freue mich, dass alles so gut geklappt hat. Es lief so gut, das ich mich manchmal frage: Haben wir wirklich an alles gedacht?

Sie waren vor Ihrem dreijährigen Mutterschaftsurlaub lange Jahre bei der Messe Schweiz, zwischendurch leitete Chris Eichenberger die Muba. Was machen Sie anders als er?

Nicht sehr viel. Er war ambitioniert, und ich werde die Muba ebenso weiterführen.

Innerhalb der Messe Schweiz rücken die Publikumsmessen Muba, Züspa und Comptoir Suisse näher zusammen. Trifft man Sie jetzt auch in Zürich und Lausanne an?

Wir arbeiten sehr eng zusammen. Das Endziel ist, Synergien der drei Messen zu nutzen. Es gibt viele wiederkehrende Elemente, die ähnlich sind, da brauchen wir die Arbeit nicht dreimal zu machen.

Apropos Synergien: Können Sie uns ein praktisches Beispiel nennen?

Ja. Wir haben oft Gastländer, im vergangenen Jahr waren es Indonesien und Ungarn. Wir können den Gastländern anbieten, auf allen drei Messen mit einem Konzept präsent zu sein. Damit finden diese Länder eine viel grössere Beachtung, und wir haben gegenüber diesen Ländern ein verbessertes Verkaufsargument. Bisher wurden die Gastlandauftritte von jedem Messeplatz selbst akquiriert und organisiert. Trotzdem müssen die einzelnen Standorte individuell angeschaut werden. In diesem Jahr haben wir übrigens kein Gastland, weil wir 2013 zwei hatten. Neu in Basel ist die Bastelmesse Creativa, diese wurde bereits in Zürich und Lausanne durchgeführt. Das Konzept musste dazu nicht neu erfunden werden.

2016 feiert die Mustermesse ihr 100-jähriges Bestehen. Was ist geplant?

Es wird viele Attraktionen geben, und zwar über das Jahr verteilt.

Wo sehen Sie in Ihrem Job die grösste Herausforderung?

Als Publikumsmesse ist es das Erkennen von neuen Trends und von Bedürfnissen der Zielgruppen. Andererseits müssen auch verschiedene Traditionen beibehalten oder sogar verstärkt werden. Diese beiden divergierenden Ziele müssen in einem guten Verhältnis stehen. Der Mix muss stimmen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Beispielsweise wollen wir Themen, die Familien interessieren, ausbauen. Sport steht auch ganz oben auf der Liste.

In welche Richtung soll sich die Muba generell entwickeln? Richtung Lifestyle?

Die Muba als Publikumsmesse soll das widerspiegeln, was die Region und die Menschen hier bewegt, sie soll für alle etwas bieten. Natürlich kann das auch attraktiv inszeniert werden. Aber Lifestyle spielt da keine so grosse Rolle.

An der Messe ist ein Modell des umstrittenen Gripen-Kampfjets zu sehen. Im Mai wird darüber abgestimmt, ob die Schweizer Luftwaffe ihn beschaffen soll. Das ist im Prinzip Abstimmungspropaganda. Legt sich die Muba diesbezüglich keine Selbstbeschränkung auf?

Die Muba ist seit jeher eine Plattform, die den Markt, die Wirtschaft und das Gewerbe der Region Basel und der Schweiz darstellt. Sie ist aber auch eine Informations- und Meinungsbildungsplattform. Die Besucherinnen und Besucher kommen an die Muba, sehen sich Produkte an, machen sich ihre Gedanken dazu, bilden eine Meinung und fällen dann den Entscheid, das Produkt zu kaufen oder nicht. Genau darum geht es auch beim Gripen. Das Schweizer Volk entscheidet am 18. Mai, ob es einer Bildung eines Fonds für die spätere Beschaffung der Gripen-Kampfflugzeuge zustimmen soll oder nicht. Die Ausstellung des 1:1-Modells eines Gripen an der Muba ermöglicht es, dass interessierte Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sich ein Bild über das Objekt machen können, über das sie entscheiden dürfen, ob sie es kaufen möchten oder nicht.

Sie legen sich also bei Abstimmungen und Wahlpropaganda keine Beschränkung auf?

Wir beziehen keine Position. Die MCH Group bietet mit der Muba den Ausstellern und den Besuchern eine neutrale Plattform, damit sie informieren und sich ein Bild über Produkte und Dienstleistungen machen können.

Und es ist der Hersteller Saab, der hier wirbt?

Ja. Und der auch die Standmiete bezahlt.

Ist politische Propaganda überhaupt erlaubt?

Die Muba bietet auch hier eine neutrale Plattform, damit sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aus erster Hand informieren können. Es gibt Parteien, die hier präsent sind. Natürlich muss jeder Aussteller gewisse Regeln beachten und seine Aktivitäten auf seinen Standplatz beschränken.

Sie haben ein 60-Prozent-Pensum. Wie geht das, als Muba-Chefin?

Es geht! Es geht Dank einem supertollen Team, welches mich grossartig unterstützt. Und weil an meinen Arbeitstagen meine Eltern zu meinen Kindern schauen. Aber es braucht schon Flexibilität. Hie und da muss ich halt am Wochenende etwas erledigen. Voraussetzung ist natürlich immer auch, dass es eine Unternehmensleitung gibt, die Teilzeitmodelle unterstützt. In meinem Fall war es so, dass ich nach meinem Mutterschaftsurlaub von der Messe angefragt wurde. Übrigens: Auch Männer sollten vermehrt Teilzeit arbeiten können.