Basel

Messe-Sprecher: «Für grosse internationale Messen hat es zu wenig Hotelzimmer»

Die Art Basel ist eine Marke mit globaler Ausstrahlung. Die Kunstmesse hat als Ablegerin aber ein grösseres Wachstumspotenzial als in Basel.

Die Art Basel ist eine Marke mit globaler Ausstrahlung. Die Kunstmesse hat als Ablegerin aber ein grösseres Wachstumspotenzial als in Basel.

Der Markt sei gesättigt und die Wettbewerbsfähigkeit würde sinken, kritisiert der Messe-Sprecher Christian Jecker. Trotzdem ist Tourismusdirektor Daniel Egloff der Meinung, dass Basel eine neue Messe gut tun würde.

Basel täte eine neue Messe gut. Dies sagte Tourismusdirektor Daniel Egloff vergangene Woche, als er vor den Medien einen Ausblick aufs Tourismusjahr 2014 wagte. Der Hintergrund dieses Wunschs: Am Rheinknie werden in den kommenden Monaten vier neue Hotels eröffnen; die Zimmerkapazität wird sich dadurch um 500 auf 4250 erhöhen. Um die Hotels auch ausserhalb der Peak-Zeiten auszulasten, wäre eine neue Messe mit internationaler Ausstrahlung sinnvoll, sagt Egloff.

Bei der Messe Schweiz erteilt man diesem Wunsch am Tag vor der Eröffnung der grossen Publikumsmesse Muba allerdings eine Absage: Der Messemarkt sei gesättigt, zudem leide die Wettbewerbsfähigkeit des Messestandorts Basel, sagt Christian Jecker, Sprecher der Messe Schweiz/MCH Group. Jecker sieht für die Messe Schweiz zwar noch Expansionspotenzial – dies aber eher in anderen Städten: So könnte die Topmarke Art Basel neben Miami Beach und Hongkong einen weiteren Ableger kriegen. Beschlossen sei zwar nichts, betont Jecker. Doch klar ist: Die Entwicklung der Art Basel ist nicht zu Ende.

Herr Jecker, der Tourismusdirektor wünscht, dass die Messe auf den Basler Hotel-Boom reagiert und eine neue Messe auf die Beine stellt.

Christian Jecker: Ein solcher Wunsch ist zwar verständlich, aber wir sind nicht Teil eines Wunschkonzerts. Der Messemarkt in der Schweiz und in Europa ist weitgehend gesättigt. Die Zeiten, als die Messegesellschaften irgendein Thema aufgreifen und damit quasi als Selbstläufer eine erfolgreiche Messe durchführen konnten, sind längst vorbei. Wir sehen zwar in verschiedenen Bereichen noch Entwicklungspotenziale. Die Vorstellung, einfach weitere grosse Messen nach Basel holen zu können, ist jedoch illusorisch. Gerade in Bezug auf grosse, internationale Messen – die ja für die Hotels interessant wären – müssen wir leider feststellen, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Basel leidet. Stichworte sind Zollprobleme, der starke Franken, das generell hohe Preisniveau und die Verschärfung arbeitsrechtlicher Bedingungen.

Die Messe Schweiz hat vor Jahresfrist das neue Messezentrum von Herzog & de Meuron bezogen. Das eröffnet doch neue Möglichkeiten.

Ich muss hier ein allfälliges Missverständnis klären: Die zur Verfügung stehenden Flächen mit dem neuen Messezentrum sind nicht grösser als vorher – aber sie sind qualitativ besser. Der Hallenneubau war nötig, um unsere Top-Messen – allen voran die Baselworld – überhaupt weiter in Basel durchführen zu können. Man muss sich bewusst sein: Das Basler Messeportfolio ist für eine Stadt von dieser Grösse weltweit einzigartig. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir dieses hier halten können.

Sehen Sie Möglichkeiten, im Kalender weitere Messen einzubauen?

Kaum. Das erste Semester ist in der Regel weitgehend ausgebucht. So ist jüngst der Abbau der Swissbau nahtlos in den Aufbau der Baselworld übergegangen, der in der Halle 1 sieben bis acht Wochen Zeit in Anspruch nimmt. Parallel dazu startet am Freitag in der Halle 2 die Muba. In den Sommermonaten sowie im Dezember kann keine Messe durchgeführt werden. Bleibt noch der Herbst, in dem je nach Konstellation einige Zeitfenster frei sind. Hier stossen wir aber auch an Grenzen, die durch andere Veranstaltungen wie die Herbstmesse oder die Baloise-Session gesetzt werden.

Zurück zur Ausgangsfrage: Der Tourismusdirektor begründet den Wunsch nach einer neuen Messe mit den zusätzlichen Kapazitäten in den Basler Hotels. Aus einer übergeordneten Perspektive macht es Sinn, die Bedürfnisse der Hotellerie und der Messe abzugleichen.

Die Messe und die Hotellerie sind Partner, die voneinander profitieren und bis zu einem bestimmten Grad voneinander abhängig sind. Wenn 2014 das Angebot in Basel um 500 Hotelzimmer auf 4250 zunehmen wird, ist das aus unserer Sicht natürlich erfreulich – aber für unsere grossen internationalen Messen immer noch zu wenig. Während der Baselworld und Art Basel könnten in Basel locker die doppelte oder dreifache Anzahl Zimmer verkauft werden. Dass mit unseren Veranstaltungen grosse volkswirtschaftliche Effekte ausgelöst werden, ist eine tolle Sache. Allerdings könnten wir es uns nicht leisten, unprofitable Veranstaltungen durchzuführen, nur damit die Tourismusbranche profitiert. Denn wenn die Erfolge der Veranstaltungen und des Unternehmens ausbleiben, wird es diese irgendwann einmal nicht mehr geben – und dann sind auch die volkswirtschaftlichen Effekte futsch.

Dann drehen wir den Spiess um: Sieht die Messe Schweiz abseits ihres Heimmarktes Expansionsmöglichkeiten? Mit der Baselworld und der Art Basel verfügen Sie über internationale Top-Marken.

Die Baselworld soll in Basel und weltweit einzigartig bleiben. Als Business-to-Business-Messe besuchen hier die Händler der gesamten Branche die Produzenten. Solange wir diese globale Plattform in Basel zusammenhalten können, stellt sich die Frage nicht, auf anderen Kontinenten Ableger zu aufzubauen. Anders ist dies bekanntlich bei der Art Basel, die grundsätzlich als Business-to-Consumer-Messe fungiert. Hier sind das Angebot der Galerien und Künstler sowie die Nachfrage der Sammler eher in geografisch unterschiedlich funktionierende Kunstmärkte gegliedert. In diesem Bereich ist es sinnvoll, näher zu den Kunden zu gehen. Trotz dieser unterschiedlichen Strategien haben beide Messen eines gemeinsam: Die Abdeckung des globalen Marktes ist nur mit einer weltweit führenden Marke möglich.

Wann wird die Messe Schweiz die Marke Art Basel weiter exportieren? Dubai investiert derzeit kräftig in seine Positionierung als Kunstmetropole. Wie wärs mit einer Kunstmesse in den Emiraten?

Wir haben erfolgreich die Art Basel in Hongkong übernommen und in unsere «Familie» integriert. Natürlich arbeitet unser Art-Basel-Team dauernd an der weiteren Stärkung der Position im internationalen Kunstmessen-Markt. Über diesbezügliche Ideen kann ich hier aber noch nichts Konkretes sagen.

Inwiefern profitiert die Art Basel in Basel selbst von diesen Ablegern in Miami Beach und Hongkong?

Mit der Art Basel in Miami Beach haben wir ein starkes Bein in den – übrigens weltweit führenden – amerikanischen Kunstmarkt gestellt. Damit haben wir einerseits die Position der Art Basel in Basel gestärkt, gleichzeitig aber auch verhindert, dass sich in den USA eine Konkurrenzmesse entwickeln konnte, welche die Position der Art Basel hätte gefährden können. Ähnlich verhält es sich mit der Art Basel in Hongkong in Bezug auf den aufstrebenden asiatischen Kunstmarkt.

Und diese Ableger nehmen der Art in Basel keine Kunden weg?

Im Gegenteil. Es gibt Synergien, zum Beispiel eine Kundenbindung, die dazu führt, dass die wichtigen Kunden trotz Miami Beach und Hongkong auch einmal im Jahr nach Basel kommen. Zudem profitiert der Standort Basel von der Bekanntheit Basels, die durch die Kunstmesse in die Welt hinausgetragen wird. Ich bin sicher: In Miami Beach und Hongkong kennt man Basel viel besser als manch eine europäische Millionenstadt.

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