Messebaustelle

Messebaustelle kommt nicht zur Ruhe - Unia erhebt neue Vorwürfe

Die Messe-Baustelle kommt nicht zur Ruhe.

Die Messe-Baustelle kommt nicht zur Ruhe.

Die Gewerkschaft Unia hat nach eigenen Angaben anlässlich einer Baustellenkontrolle bei der Messe Basel Löhne von 14 Franken entdeckt. Das Justiz- und Sicherheitsdepartement stellte in einer Kontrolle jedoch keine Verstösse fest. Zu reden gibt auch eine slowenische Firma, die ihren Arbeitern keinen Lohn mehr zahlen kann.

Das Positive vorweg: Gemäss einer Mitteilung des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartementes sei gestern bei einer nicht angekündigten offiziellen Baustellenkontrolle am Messeplatz keine Schwarzarbeit festgestellt worden. Bei den 130 kontrollierten Personen würde in den nächsten Tagen überprüft, ob die Erlasse der Sozialversicherungen eingehalten worden seien.

Die Gewerkschaft Unia hat anlässlich dieser Baustellenkontrolle jedoch rund 10 polnische Arbeiter entdeckt, die gemäss ihren Lohnausweisen einen Stundenlohn von 14 Franken bekämen und pro Woche bis zu 58 Stunden gearbeitet hätten. Ein regulärer Grundlohn liege hingegen zwischen 26 und 29 Franken brutto, dazu kämen anteilmässig Ferien, Feiertage und 13. Monatslohn, hiess es bei Unia auf Anfrage.

Slowenen ohne Lohn

Gar keinen Lohn bekommen haben die 30 Bauarbeiter der slowenischen Stahlbaufirma Matmont, die auf der Baustelle der Messe Basel tätig waren. «Wir haben kein Geld mehr und sind auf dem Weg in den Konkurs», sagt Matmont-Chef Gregor Kurecic gegenüber der bz. Dies, weil ihnen die Auftraggeber mehr als 200 000 Euro schuldeten. «Sie haben uns ungerechtfertigt Kosten aufgebürdet, unter anderem eine Konventionalstrafe wegen Bauverzögerungen.» Ob es denn nicht Verzögerungen gegeben hätte? «Doch schon, aber niemals eine so grosse, die eine derart hohe Strafe gerechtfertigt hätte», sagt Kurecic.

Matmont war die letzte in einer Kette von Kontrakt- und Subkontraktfirmen, die offenbar alle unter Zahlungsverzügen leiden. So habe gemäss «Basler Zeitung» auch der säumige Auftraggeber von Matmont, die Leipziger Firma JHL, 780 000 Euro nicht erhalten. Deren Auftraggeber wiederum sagt, die Schlusssumme des Generalunternehmers HRS sei noch nicht eingetroffen, und man habe eine Busse zu gewärtigen, weil über mehrere Bauetappen Termine nicht eingehalten worden seien.

«Die Letzten beissen die Hunde»

Es sei vollkommen unhaltbar, dass am Ende die Arbeiter die Zeche bezahlen müssten, kritisiert Stefan Isenschmid von der Gewerkschaft Syna. «Die Letzten beissen die Hunde. Das ist ein Zeichen, dass die flankierenden Massnahmen, die Schutz bieten sollten, nicht greifen.»

Gregor Kurecic von Matmont, gegen die eine Untersuchung der Baustellenkommission wegen Lohndumping läuft, hat die Nase voll und arbeitet jetzt – wohl eher unfreiwillig – mit den Gewerkschaften zusammen. Er hat der Syna gestern eine Dokumentation mit Werkvertrag und E-Mails geschickt. Dies auch deshalb, weil noch immer ein Matmont-Arbeiter mit einer schweren Hand-Unterarm-Verletzung im Unispital Basel liegt, und es jetzt zu prüfen gilt, ob und wie er versichert ist.

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