Urteil

Messerstecherei an der Basler Dreirosenanlage: Schuldspruch wegen versuchter Tötung, alle Beteiligten müssen die Schweiz verlassen

Bei der Dreirosenlage kam es zur Schlägerei.

Bei der Dreirosenlage kam es zur Schlägerei.

Ein Drogengeschäft auf der Basler Dreirosen-Anlage endete blutig. Nun urteilte das Gericht.

«Der Hintergrund ist klar, es ging um den Verkauf von Haschisch auf der Dreirosenanlage», sagte Gerichtspräsident Dominik Kiener. Die Revierstreitigkeit zwischen albanischen und algerischen Drogendealern endete im September 2019 in einer blutigen Messerstecherei.

«Wir wollen keine Schlägereien in öffentlichen Parks, wo auch Kinder am spielen sind», stellte der Gerichtspräsident gegenüber den fünf Verurteilten klar. Die albanische Familie sei dort bereits seit längerer Zeit fest im Drogenhandel etabliert gewesen. An jenem Abend hätten beide Seiten Gewalt angewendet und seien auch verletzt worden, die Schuld habe man jeweils der anderen Seite zugewiesen.

«Es gibt hier nicht die Guten und die Bösen. Beide Seiten sagen nicht die volle Wahrheit», so Kiener. Ein 45-jähriger Familienvater aus dem Kosovo wurde wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und Raufhandel zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Er hatte einen Algerier mit einem Messerstich in den Oberkörper und einem zweiten Stich in den Rücken verletzt. Dem Verletzten muss er eine Genugtuung von 8000 Franken zahlen.

Die drei Richter verhängten auch einen Landesverweis von zehn Jahren. Der Gerichtspräsident betonte, trotz einer kranken Ehefrau überwiege das Interesse der Schweiz an einer Wegweisung. Eine Ausschaffung in den Kosovo dürfte allerdings wegen dessen umstrittenen Status rein technisch nicht möglich sein.

Seine beiden Söhne erhielten Freiheitsstrafen von 13 Monaten bedingt und 24 Monaten teilbedingt sowie zusätzlich Landesverweise von drei und fünf Jahren. Obwohl deren Mutter hier lebt, sah das Gericht keine Härtefälle. Nachweisen konnte man ihnen die Teilnahme an der Schlägerei, es gab Schuldsprüche wegen Raufhandels und anderer Delikte. Auch die zwei Männer aus Algerien wurden wegen Raufhandels und weiterer Delikte verurteilt, hier kam es zu Freiheitsstrafen von 18 Monaten bedingt und 21 Monaten teilbedingt. Einer muss die Schweiz für fünf Jahre, einer für sieben Jahre verlassen.

Das Gericht betonte, die Beweiswürdigung sei durch die gegensätzlichen Aussagen der Beteiligten schwierig gewesen. Offenbar bestand bereits vor jenem Tag ein Konflikt zwischen den beiden Gruppen. Wie viele Personen an der Prügelei tatsächlich teilgenommen haben, blieb unklar. Die Urteile können noch weitergezogen werden.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1