«Der Strafantrag der Staatsanwaltschaft von 24 Monaten erscheint sehr moderat», sagte Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone gestern zur Urteilseröffnung: Das Dreiergericht beliess es indes dabei, es verurteilte den 41-jährigen ehemaligen Personalvermittler (bz von gestern) zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung, dies wie beantragt wegen gewerbsmässigen Betruges und Urkundenfälschung. Das Gericht ging von einem Deliktsbetrag von rund 600'000 Franken aus: Der Mann hatte bereits in der Verhandlung zugegeben, die Summen dank fiktiver Rechnungen ertrogen zu haben. Aufgrund seiner Angaben hatte die Geschäftsbank seiner Personalvermittlung Löhne von erfundenen Arbeitern vorfinanziert, die folglich gar nie ausbezahlt worden sind.

Er hat Kinder im Teenager-Alter

Das Gericht fand, das eher milde Strafmass rechtfertige sich angesichts der hohen Strafempfindlichkeit des Mannes: Er hat inzwischen wieder eine Stelle gefunden und muss mehrere Kinder im Teenageralter durchbringen. Ein Arztzeugnis sprach davon, dass der Mann nach dem Auffliegen der Betrugsdelikte an starken Schuldgefühlen litt und deshalb auch in einer Klinik war. «Die Schuldgefühle hatten den netten Nebeneffekt, dass Krankentaggelder ausbezahlt wurden, aber nicht, dass sie auch nur einen Rappen zurückbezahlt haben», kommentierte Giovannone gestern. Möglich wäre ihm dies laut Gericht durchaus gewesen – er hat inzwischen ein Einfamilienhaus mit fest eingebautem Schwimmbad verkauft und ein anderes mit einem kleineren, nicht eingebauten Schwimmbad gekauft, wie Giovannone anmerkte.

Das Gericht sprach einem Dritten auch eine Zivilforderung von 50'000 Franken zu: Dieser hatte der Firma diesen Betrag als Darlehen überwiesen, nachdem ihn der Angeklagte davon überzeugt hatte, dass bald viel Geld fliesse: Eine Modekette versicherte schriftlich, dass man bald rund 500 Temporärleute für zwei Filialen benötige und dies über die Personalvermittlungsfirma abwickeln werde. Der Brief war allerdings eine dreiste Fälschung des 41-Jährigen.

Dass der Verurteilte rund ein Jahr nach dem Auffliegen der Betrügereien sich noch ein gefälschtes Arbeitszeugnis ausgestellt hat, brachte das Gericht zu einer zusätzlichen Vorsichtsmassnahme: Die Probezeit für die bedingte Freiheitsstrafe verlängerte sie auf drei Jahre. Einen Sieg hingegen kann die Verteidigung bei den Schadenersatzforderungen feiern: Das Gericht verwies die meisten Forderungen von mehreren hunderttausend Franken auf den Zivilweg, weil noch nicht geklärt ist, ob der Verurteilte dafür wirklich haftbar ist– das betrifft auch von der mittlerweile konkursiten Firma nicht bezahlte AHV-Beiträge. Das Urteil kann noch weitergezogen werden.