Es muss eine turbulente Generalversammlung gewesen sein vor zwei Wochen. Auf dem Tisch lag ein Schreiben, unterzeichnet von über 70 Genossenschaftern, in dem eine ganze Reihe von Fragen thematisiert wurden. Sie bezeugten Unmut über mangelhafte Mitsprache, forderten endlich die Beseitigung der hohen Leerstände. Doch der Vorstand der Mieter-Baugenossenschaft (MBG), zumindest ein Teil davon und die Präsidentin, wollte keine Diskussion. Das nahmen die Genossen nicht hin und wählten Genoveva Lahmadi ab. Daraufhin der Eklat: Die Abgewählte und zwei, drei Getreue im Vorstand verliessen den Saal.

Riesige Leerstände

«Es waren viele verschiedene Dinge, die da zusammenkamen», sagt Genossenschafterin A., die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. «Beispielsweise die immer höheren Heizkostenabrechnungen und die Einstellung einer externen Hauswartfirma, ohne die Mieter zu fragen. Wir haben in unserer Siedlung eine Aussprache verlangt und wurden dann regelrecht abgeputzt. So etwas geht einfach nicht in einer Genossenschaft», sagt A. Neu renovierte Wohnungen würden zu Marktpreisen vermietet, «dabei sollten Genossenschaftswohnungen bis zu 30 Prozent günstiger sein», so A. weiter. «Wenn so viele Unterschriften auf dem Tisch liegen, dann muss man doch merken, dass man auf die Leute zugehen muss. Und wir wollen nicht, dass der Genossenschaftgedanke verloren geht.»

Der grösste Ärger ist jedoch, dass die Genossenschaft seit Jahren einen Leerstand von 40 Wohnungen oder knapp 10 Prozent hat. Zum Vergleich: Die Leerstandsquote in Basel-Stadt liegt bei 0,3 Prozent, bei den Mietergenossenschaften geht er gegen 0 Prozent. Für die MBG bedeutete der Leerstand gemäss Jahresrechnung 2014, die der bz vorliegt, eine Ertragsminderung von 378 000 Franken. Angeblich sind die Wohnungen teils verwahrlost oder in schlechtem Zustand.

Kein Kommentar

Die abgewählte Präsidentin, Genoveva Lahmadi, will zu den Vorgängen keinen Kommentar abgeben. Aber sie kann am Telefon ihren Ärger nur schlecht verbergen. Lahmadi ist auch bei der Immobilienfirma Intercity in Basel tätig und sitzt dort in der Geschäftsleitung.

Es ist just jene Firma, die auch für die Vermietung der MBG verantwortlich war. Interessanterweise hatte die Immobilien-Treuhänderin in ihrer Funktion als MBG-Präsidentin im Februar den Vermietungsvertrag mit Intercity gekündet. Sie hat also ihrem Arbeitgeber (man könnte fast sagen: sich selbst) den Auftrag entzogen. Warum, ist nicht klar. Gerüchteweise ist zu hören, sie selbst höre bei Intercity auf und wolle ihr eigenes Geschäft aufmachen oder sich anderswo anschliessen. Die Frau ist freilich schon über dem Pensionierungsalter. Sie nimmt zu diesen Vorwürfen nicht Stellung.

«Übernahme organisieren»

Der an der eingangs erwähnten Generalversammlung neu gewählte Präsident, Eric Ohnemus, muss einen Betrieb übernehmen, in dem für ihn noch vieles unklar ist. Jetzt gehe es darum, diese Übernahme bestmöglich zu organisieren. Für die Mietverwaltung müsse eine gute Lösung gefunden werden. Ohnemus ist ausserdem bereits seit längerer Zeit im Vorstand der Bau- und Wohngenossenschaft Höflirain in Riehen tätig.

Wie gut die MBG vor der Lahmadi-Zeit geführt wurde, ist offen. Es scheint jedenfalls so, dass bereits früher zu wenig renoviert wurde. In den vergangenen zwei Jahren wurde etwas aufgeholt.