Plötzlich ohne Dach über dem Kopf: Der Kanton hält für diesen Fall 186 Notwohnungen bereit. Unter der Bedingung, seit mindestens zwei Jahren den Wohnsitz in Basel-Stadt zu haben. Und mit dem Ziel, möglichst bald wieder eine neue Bleibe zu finden. «Die Vermietung von Notwohnungen erfolgt nur befristet, in der Regel für einige Monate», sagt Nicole Wagner, Leiterin der Basler Sozialhilfe.

In der Realität sieht dies jedoch anders aus. Nur rund ein Viertel der aktuellen Mieter wohnt seit weniger als einem Jahr in einer Notwohnung. «Kurz vor Ablauf der sechsmonatigen Mietfrist wird Kontakt mit den Mietern aufgenommen und wenn es notwendig ist oder sinnvoll erscheint, wird der Vertrag um weitere sechs Monate verlängert. Dieses Prozedere kann und wird in einigen Fällen mehrmals wiederholt», sagt Wagner.

Solche Härtefälle stellen sich insbesondere bei jenen Familien ein, die im ausgedünnten Wohnungsmarkt nur schwerlich ein Zuhause finden. Zürich scheint hier eine härtere Gangart zu pflegen: Die maximale Bleibedauer beträgt gemäss Sprecherin Beatrice Henes zwei Jahre, Verlängerungen gibt es nur in Ausnahmefällen. Doch auch Basel greift zuweilen durch: 2016 wurden 17 Räumungsbegehren gestellt, acht Vollzuge beantragt und vier Räumungen durchgeführt.

Es ist mit ein Grund, weshalb die Sozialhilfe in diesen Wohnungen nur einen sehr geringen Leerstand hat. «Die Auslastung ist sehr hoch», bestätigt Wagner. Im vergangenen Jahr nahm Basel-Stadt deshalb gar eine Million Franken über Budget ein. In der Regel sind es etwa sechs bis zehn Wohnungen, die sofort zur Verfügung stünden, wenn etwa eine Familie plötzlich obdachlos wird.

Ein anderer Grund ist der Umstand, dass die Sozialhilfe einen grossen Teil der Wohnungen der Migration zur Verfügung gestellt hat. Zudem fällt – wenn auch weniger stark – das Wohnraumfördergesetz ins Gewicht: Im Herbst 2013 hat die Basler Stimmbevölkerung entschieden, dass der Kanton auf dem Wohnungsmarkt Benachteiligte stärker unterstützen soll. Aktuell werden rund zehn Prozent der Notwohnungen jenen zur Verfügung gestellt, die aufgrund ihres Hintergrunds nur schwerlich selbstständig eine Wohnung finden.

120 Containerplätze frei

Inzwischen ist dafür klar, dass die Zahl der Flüchtlinge den Erwartungen nicht entspricht. Damit hat die Sozialhilfe freistehenden Wohnraum zur Verfügung. Etwa am Dreispitz, wo sie vor rund zwei Jahren eiligst Container-Module erstellen liess. Damit kann nun die prekäre Situation bei den Notwohnungen entschärft werden: «Erste Personen sind bereits aus als Asylunterkünfte genutzte Wohnungen in jene Modulbauten umgezogen», sagt Wagner.

Weitere sollen im Juli folgen. Das hat einen Grund: «Bei den Familien werden die Umzüge erst in den Sommerferien vorgenommen, damit die Kinder das Schuljahr in ihrer gewohnten Schule abschliessen und bei Schulbeginn am neuen Standort starten können», sagt Wagner. Aktuell sind noch rund 120 Plätze in den Containern am Dreispitz frei.

Damit werden nicht nur insbesondere im Bachgrabenquartier Notwohnungen frei, die wiederum dem Wohnraumfördergesetz zur Durchführung verhelfen. Auch jene Wohnungen, die der Kanton kurzfristig angemietet hat, konnten bereits gekündigt werden.

Die Entlastung ist allerdings nicht von grosser Dauer: Das Container-Dorf war von Anfang an nur als Zwischennutzung geplant. Ab 2020 will die Verwaltung an dieser Stelle eine riesige Überbauung aus dem Boden stampfen: Bis zu 400 Wohnungen sollen am Walkeweg entstehen.

Mit ihren Plänen kommt die Verwaltung einer schriftlichen Anfrage von SP-Fraktionspräsidentin Beatriz Greuter zuvor. Diese hatte in einem gestern eingereichten Vorstoss angestossen, ob sich die Regierung eine Nutzung der provisorischen Asylunterkünfte «für Obdachlose oder Menschen in prekären Wohnsituationen vorstellen» könne.