Kinderspital

Migration und IV fordern das UKBB heraus

Das Kinderspital beider Basel schreibt derzeit schwarze Zahlen. (Archiv)

Das Kinderspital beider Basel schreibt derzeit schwarze Zahlen. (Archiv)

Trotz einem schwierigen Rechtsstreit mit der IV weist das Universitäre Kinderspital beider Basel ein stabiles Ergebnis aus. Fordernd waren unter anderem die Behandlungen von Migranten.

Das Jahr 2015 war für das Universitäre Kinderspital beider Basel (UKBB) kein einfaches. Auf der Verwaltungsebene sorgten vor allem die Streitigkeiten mit den Krankenkassen und der Invalidenversicherung (IV) für Probleme. «Diese Tarifstreitigkeiten halten uns seit Jahren in Atem», sagte denn auch Marco Fischer, seit letztem August CEO des UKBB. Während man sich mit den Krankenkassen nach einem langem Rechtsstreit nun hat einigen können, ist ein Konsens mit der IV noch lange nicht in Sicht. Die IV sieht sich benachteiligt, weil sie mehr zahlen sollte als bisher, das UKBB sieht sich hingegen im Recht, weil die IV bislang querfinanziert wurde und somit zu gut weg kam. «Wir sind auf der Bundesebene abgeblitzt, das ist sehr ärgerlich,», sagt Fischer. Eine Lösung in diesem «unfairen Spiel», wie Fischer es nennt, ist noch nicht in Sicht. Wie wichtig diese ist, macht eine Zahl deutlich: im UKBB werden über 40 Prozent der Behandlungen über die Invalidenversicherung abgerechnet. In Erwachsenenspitälern sind es vergleichsweise nur 3 bis 6 Prozent.

Aber nicht nur auf der Ebene der Verwaltung, sondern auch im direkten Kontakt mit den Patienten war das UKBB gefordert. Zum einen war das Kinderspital im Sommer mit einem unerwartet starken Rückgang an stationären Patienten konfrontiert, einem «Sommerloch», wie Fischer es nennt. Wieso in diesem Jahr so viel weniger Patienten im UKBB behandelt werden mussten, sei noch nicht restlos geklärt. «Da vor allem die Patienten aus den beiden Basel ausblieben, die ausserkantonalen Zahlen aber stabil geblieben sind, ist es wohl einfach so, dass die Kinder aus unserem Einzugsgebiet weniger krank waren», erklärt Urs Frey, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Pädiatrie. Das schöne Wetter habe zu weniger Infektionskrankheiten geführt.

Dolmetscherkosten nehmen zu

Der generelle Rückgang bei stationären Patienten um 2,4 Prozent – von 6534 im Vorjahr auf 6386 – entspricht aber dem nationalen Trend, genau so wie die Zunahme bei ambulanten Patienten. 3,8 Prozent mehr Patienten als 2014 – 53 134 statt 51 194 – mussten ambulant behandelt werden. Dass diese Zahl stetig zunimmt, hat auch mit der starken Zunahme an Flüchtlingen zu tun. Dieser Umstand führte dazu, dass das UKBB ein «Konzept Migrationsmedizin» ausgearbeitet hat. «Es war für uns vor allem in den Wintermonaten eine riesen Herausforderung, weil wir da ohnehin schon stark belegt sind», so Frey weiter. Die Kinder bringen andere Infektionen mit, die andere Behandlungsmethoden benötigen, mit denen man hier bislang nicht so vertraut ist. Eigens für dieses Migrations-Konzept hat das UKBB 110 bis 120 Stellenprozent schaffen müssen, um den Mehraufwand bewältigen zu können. Genaue Zahlen seien schwer zu ermitteln, Frey sagt aber, dass in diesem Bereich die Patientenzahl um 20 bis 35 Prozent gestiegen ist. «Am einfachsten können wir den Mehraufwand mit den um 50 Prozent gestiegenen Dolmetscherkosten aufzeigen.»

Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass bei gewissen Behandlungen die Eltern zustimmen müssen. Sind diese nicht mitgekommen, muss das KESB entscheiden. «Glücklicherweise haben wir mit dem KESB und dem Empfangszentrum eine super Zusammenarbeit.» Zwar seien Behandlungen in diesem Bereich aktuell zurückgegangen, aber im Sommer wird wieder eine Zunahme erwartet.

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