Detailhandel
Migros Basel trotzt dem Einkaufstourismus

Der Migros Basel ist die Kundschaft letztes Jahr treu geblieben: Trotz boomendem Einkaufstourismus ennet der Grenze musste die Genossenschaft 2015 einen Umsatzrückgang von lediglich 0,3 Prozent auf 933,6 Mio. Franken verbuchen. Der Gewinn sank von 23 auf 19 Mio. Franken.

Daniel Haller
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Angesichts des schwierigen Umfelds zeigen sich die Migros-Basel-Chefs zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2015.

Angesichts des schwierigen Umfelds zeigen sich die Migros-Basel-Chefs zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2015.

Keystone

Beim Umsatz ein Rückgang um 1,7 Prozent auf 933,6 Millionen Franken, der Gewinn sank von 23 auf 19 Millionen Franken. Deutliche Minuszeichen muss man auch beim Cashflow (- 6 Prozent) und bei den Investitionen (- 42 Prozent) feststellen. Und doch präsentierten Verwaltungsratspräsident Werner Krättli und Geschäftsleiter Stefano Patrignani das Jahresergebnis der Migros Basel als «solid». Krättli sprach an der Pressekonferenz von einem «sogar erfreulichen Resultat».

Der Grund liegt im Umfeld: Der Nationalbank-Entscheid, den festen Euro-Wechselkurs aufzuheben, und die folgende Zunahme des Einkaufstourismus sei für eine Genossenschaft in einer Grenzregion besonders schwierig, betonte Krättli. Hinzu kommen die schlechtere allgemeine Konsumstimmung, die Zunahme des Onlinehandels und die sinkenden Preise. Diese Minusteuerung beziffert Migros Basel mit 1,4 Prozent. Entsprechend sei ein realer Umsatzrückgang um 0,3 Prozent «solid».

Um diese Einschätzung zu untermauern verwies Patrignani auf die allgemeine Entwicklung bei Verbrauchermärkten in der Region Nordwestschweiz, wo der Markt im vergangenen Jahr um 3 Prozent eingebrochen sei. Aus dem Umstand, dass der Rückgang bei Migros Basel schwächer war, leite sich ab, dass sie «gegenüber der Hauptkonkurrenz» im Bereich Supermarkt 0,8 Prozentpunkte Marktanteil hinzugewonnen habe.

Und der markant tiefere Gewinn? Dieser erkläre sich durch einen Sonderfaktor im Jahr 2014 im Finanzergebnis: Damals kassierte Migros Basel eine Gewinnausschüttung von 4,5 Millionen Franken wegen des Verkaufs von Migros Deutschland. Dieser ausserordentliche Gewinn fiel 2015 weg. Und die Investitionen seien nicht von 55 auf 32 Millionen Franken gesunken, weil Migros angesichts de Frankenschocks die Strategie gewechselt hätte, sondern weil die Baubewilligungsverfahren unter anderem für die Projekte Heuwaage und Obi Pratteln noch nicht vorliegen.

Kundenbindung und Onlinehandel

Als Erfolgsrezept bezeichnete Patrignani die Strategie, den Einkaufstourismus nicht auf der Ebene der Preise zu bekämpfen. Zwar sei das Sortiment auch durch Auslandseinkäufe um 1,4 Prozent billiger geworden. Doch entscheidend sei, die Kunden mit speziellen Produktlinien in die Läden zu holen und so Frequenz zu generieren. So sei es gelungen, mit den deutschen Alnatura-Produkten den Bio-Umsatz um 10 Prozent zu steigern. Bei den Regio-Produkten habe man 3,4 Prozent zugelegt, und bei der Hochpreis-Linie M-Selection sei der Umsatz um 37 Prozent gestiegen.

Zu dieser Strategie gehört das neue Label «Frisch und handgemacht», das im neuen Laden in Sissach darin gipfelt, dass der Kunde zuschauen kann, wie das Brot entsteht. Das gleiche Konzept gilt für diverse Take-aways. «Das schafft Vertrauen und emotionale Bindung.»

In den Fachmärkten wie Melectronics oder kann man nicht mit Frische locken. Vielmehr versuche Migros Basel dort, den Onlinehandel stärker mit dem Ladengeschäft zu verknüpfen und neue Verkaufsformen zu entwickeln. Dazu sollen künftig auch ausgesuchte Filialen wie Sissach, Oberwil, Schönthal, Claramarkt oder M-Parc zu Pick-up-Stationen werden, wohin man sich alle Online-Bestellungen in der Migrosgruppe schicken lassen kann.