Für einen Sprachkurs nach London zu reisen, das war 1944 für viele Schweizerinnen und Schweizer schlicht undenkbar. Es herrschte Krieg. Und davon abgesehen fehlt den Meisten das Geld für seien Reise. Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler sprang in diese Bresche und gründete die Klubschule. 1944 wurden in Basel die ersten Sprachkurse durchgeführt, für fünf Franken pro Monat. Bildung allen zugänglich machen, das war Duttweilers Anliegen.

Hausfrauen-Image haftet fest

Bald wurde das Angebot erweitert: Zuerst um Sprachkurse für spezielle Berufsgruppen, in den 1960er-Jahren gab es Autofahr-Lektionen im «Drivotrainer» und Wasserski-Kurse. Später war es Makramé – und alles, was halt gerade so «in» war in den jeweiligen Jahrzehnten. Heute gehören zu den Rennern Bewegungsangebote wie zum Beispiel Pilates, Yoga, Poledancing und Bodytoning.

Im Angebot sind aber weiterhin Kochkurse – ganz Trend gerecht für vegane Küche oder spezielle Kurse für Männer – und auch Schmink- und Bastelkurse. Das hat der Klubschule auch ein gewisses Image als Hausfrauen-Bastelkurs-Schule eingetragen. Obwohl im Angebot auch zahlreiche zertifizierte Weiterbildungen sind, zum Beispiel in Informatik-Lehrgängen oder Finanzbuchhaltung.

Das Bastelkurs-Image sei veraltet, sagt Susanne Schumacher, Leiterin der Klubschule Basel: «Wir haben in der Zwischenzeit eine sehr junge Kundschaft, gerade bei den Fitnessangeboten.»Der Erfolg gebe dem Modell recht, ist sie überzeugt. Allein in Basel besuchen jährlich rund 20'000 Personen die 400 Kurse im «Gundelitor» an der Güterstrasse.

Gesamtschweizerisch gibt es 50 Standorte mit Klubschulen – und fast 400'000 Klubschülerinnen und Klubschüler. Es sei eine Stärke, dass viele Trends aufgenommen werden und sich das Angebot den Bedürfnissen der Gesellschaft anpasse. So sind Sprachkurse per Skype zu jeder Tages- und Nachtzeit momentan ein Thema, «für Leute, die zeitlich und örtlich flexibel sein wollen.»

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Liest man in Internetforen, so sind sich die Schülerinnen und Schüler einig: Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Kurse stimmt. Und in Tests schneiden die Klubschul-Kurse regelmässig gut ab. Diese Einschätzung teilt auch Vinzenz Baur. Als Leiter der Fachstelle für Berufsberatung der Stadt Basel hat er einen guten Überblick über die Weiterbildungsangebote der Stadt: «Weil die Kurse relativ günstig sind, ist die Eintrittsschwelle niedrig.» Auch seien die Zertifikate gleichwertig wie die der anderen grossen Weiterbildungsanbieter NFH und KV. «Das geht gerne vergessen», kommentiert Baur.

Tiefe Preise sind Programm

Allerdings macht er auch eine weitere Beobachtung: «Weil die Kurse eher billig sind und Migros darüber steht, wollen die Leute zum Teil nicht hin.» Die tiefen Preise seien möglich, weil in den Migrosstatuten verankert ist, dass ein gewisser Prozentsatz des Umsatzes in Bildung, Kultur, Soziales und Freizeit investiert werden muss, erklärt Schulleiterin Schumacher. «Das ist unumstösslich.»