Eine Genugtuung, diese braune Gülle mit beigefarbenem Schaum, die im Behälter des Spezialstaubsaugers schwimmt. Nach dem Putzen den Erfolg in Form von Dreckwasser zu sehen, gibt einem das gute Gefühl, wirklich etwas gereinigt zu haben. Mehrmals täglich sieht Roman Zigerli das Resultat seiner Arbeit: Millionen von Milben, deren Kot, und was sich sonst noch alles im Bett tummelt, saugt der Milbenjäger mit seiner hellblauen «Zaubermaschine» aus den Matratzen direkt in den Wasserfilter.

Milben und Dreck landen im Auffangbecken des Saugers.

Milben und Dreck landen im Auffangbecken des Saugers.

«Eine Meditationsübung», scherzt Zigerli, während er die Staubsaugerbürste langsam und in geraden Linien über das Bett zieht. Geradlinig ist nicht nur seine Reinigungsmethode, sondern auch der Milbenjäger selbst. Der 48-Jährige verfolgt sein Ziel kompromisslos. «99 Prozent geben ihre Geschäftsidee auf, weil sie keine Vision haben», - undenkbar für Roman Zigerli.

Er will der Erste sein, der den Markt für Matratzenreinigungen bei Privatpersonen sauber - Zigerli betritt die Schlafzimmer mit Finken - und richtig aufbaut.

Schmutzigster Gegenstand

Ein riesiges Potenzial sieht der Vater von 12-jährigen Zwillingen in seiner Geschäftsidee. Eine Matratze reinigt der Milbenjäger für 20 Franken. Die grossen Reinigungsfirmen verlangen dafür mindestens das Vierfache. «Obwohl sie das Gleiche machen wie ich», sagt Zigerli.

Der Grund für diese hohen Preise liegt für Zigerli auf der Hand: Grosse Firmen wollen gar nicht im Privatbereich reinigen. Extra mit dem Equipment anzufahren, um dann die Matratzen einer Familie von Milben zu befreien, macht für sie keinen Sinn. Sie reinigen lieber in den Hotels.

Zigerli aber möchte zu den Privatpersonen. «Jeder Mensch soll, unabhängig von seinen finanziellen Verhältnissen, die Möglichkeit haben, den schmutzigsten Gegenstand an seinem Wohnort - die Matratze - einmal im Jahr reinigen zu lassen.» Nach diesem Vorsatz arbeitet der Idealist Tag für Tag.

Er trampt mit dem Velo - im Anhänger rollt der Staubsauger mit - von Kunde zu Kunde. Geht es bergauf oder aufs Land, nimmt er das Töffli. Im Jahr 2009 hat der Milbenjäger die Firma gegründet. Ein Jahr lang habe er nur ins Geschäft investiert. Langsam aber zahle es sich aus: Ein neuer Mitarbeiter geht bald in Bern und Umgebung auf Milbenjagd.

Dass Zigerli nach vier Jahren 2000 Kunden hat und sein Geschäft nun erweitert, ist einem klaren Konzept und viel Leidenschaft zu verdanken. «Eine Firma kann man nicht so hobbymässig aufbauen», erklärt der ehemalige Banklehrling. Blauäugig ist Roman Zigerli nicht. Hinter der Brille funkeln seine braunen Augen vor Enthusiasmus, wenn er erzählt, wie es ist, der eigene Chef zu sein. «Ich mache nur, was ich will.»

Egoismus kann glücklich machen

Das hat Roman Zigerli schon immer gemacht: In der Schule wollte er keine Namen von Flüssen und Bergen auswendig lernen. «Für was denn auch», fragt sich Zigerli. Zuerst müsse man sich selbst kennenlernen, und dann das Leben.

Viel dazugelernt hat Zigerli auf seiner zweijährigen Weltreise. «Ich habe mich einfach abgemeldet und bin losgezogen. Das entspricht meinem Charakter.» Das mag etwas egoistisch wirken, gibt der Milbenjäger zu. Doch er ist auch überzeugt: «Viele Menschen wären glücklicher, wenn sie das erleben würden, was sie wirklich erleben wollen.»