Rotlichtzone
Milieu: Bürokratieflut soll die zunehmenden Probleme entschärfen

War das Ganze ein Fehler? Ist die Kleinbasler Toleranzzone schlicht zu klein? Diese Fragen stellen sich nicht nur Anwohner, Stadtteilsekretariat und Experten, auch die grossrätliche Petitionskommission ist unsicher geworden.

Daniel Ballmer
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Die Kleinbasler Toleranzzone sorgt zunehmend für Ärger. Martin Töngi

Die Kleinbasler Toleranzzone sorgt zunehmend für Ärger. Martin Töngi

Martin Toengi

Heute dürfen Prostituierte ihre Dienste nur noch in Weber- und Ochsengasse sowie im Teichgässlein auf offener Strasse anbieten. Die Konzentration aber hat Folgen: Sie erhöht den Konkurrenzkampf. Und mit der Erweiterung der Personenfreizügigkeit auf europäische Oststaaten hat dieser Druck laufend zugenommen.

Zunehmend aggressiv werben Frauen Kunden an – tagtäglich, während 24 Stunden. Angezogen werde eine Kundschaft, die mit Gegröle, Urinieren, Vandalismus und Schlägereien Anwohner, Gäste und Gewerbetreibende zusätzlich belaste. Die Polizei aber unternehme kaum etwas dagegen. Auch die Regierung äusserte sich bisher gegen weitere Repressionen, um zu verhindern, dass ein Teil des Gewerbes in die Illegalität abtaucht.

Verkehrskonzept erschwert Lage

Für die Anwohner ist klar: So geht es nicht weiter. Mit einer Petition wehren sie sich gegen «eine Verslumung des Gevierts». Nun hat die Grossratskommission ihren zehnseitigen Bericht veröffentlicht. Dieser zeigt vor allem eines: Einfache Lösungen gibt es nicht. Und das Problem wird weiter wachsen: «Die Kommission war sich einig, dass eine zunehmende Zahl sich prostituierender Frauen zu einer verstärkten Belästigung, einer Zunahme an Kontaktbars und Bordellen sowie zu einem Zerfall der Preise führen kann», schreibt die Petitionskommission in ihrem Bericht.

Zwar ist die Kommission überzeugt, dass die Polizei im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuche, die gesetzlichen Regelungen durchzusetzen. Allerdings sei unklar, ob dafür das Personal reiche. Immerhin werde die Ausgangslage durch das neue Verkehrskonzept zusätzlich erschwert: Die motorfahrzeugfreie Kernzone habe zu einem klaren Anstieg an Gesuchen der ansässigen Gastrobetriebe für eine Boulevardnutzung geführt und auch zu einer Vermischung der Freier mit dem «Partyvolk», vermutet die Kommission. Das Nachtleben trage sicher Mitschuld an dem «Gegröle, Urinieren, dem Verrichten der Nordurft sowie Vandalismus».

Was als Massnahme schon mal nicht funktioniert: Die Behörden können nicht wie von Anwohnern gewünscht einfach weniger Bewilligungen ausstellen. Denn für Salonprostitution brauche es heute in Basel-Stadt gar keine spezifische Betriebsbewilligung.

Die Kommission stellt sich allerdings die Frage, ob das noch richtig sei: Allenfalls könne sich eine zusätzliche Gewerbebewilligung als sinnvoll erweisen. Verwiesen wird dabei etwa auf das Modell der Stadt Zürich, die mit ihren neuen Regeln für die Prostitution «offenbar etwas unattraktiver» geworden sei. Die Regierung solle deshalb untersuchen, wie weit eine mögliche Änderung der geltenden Bewilligungspraxis Missständen allenfalls entgegenwirken könne.

Kurzeinsätze erschweren

Und damit nicht genug: Auch eine Gewerbebewilligung für die auf dem Strassenstrich tätigen Frauen soll geprüft werden. Damit könnten Kontakte zu den Frauen hergestellt und diese über bestehende Unterstützungsangebote informiert werden. «Mit einer für die Strassenprostitution erforderlichen Bewilligung könnte auf dem Strassenstrich allenfalls auch mehr Ruhe geschaffen werden», hofft die Petitionskommission. Auch wäre möglicherweise zu verhindern, «dass Frauen allein für Kurzeinsätze nach Basel gebracht werden». Bis dahin wird es aber noch einige Zeit dauern.