Am 15. Januar erreicht Beatrice Oeri das ordentliche AHV-Rentenalter von 64 Jahren. Nun hat die Milliardärserbin, Mäzenin der «Tageswoche» wie des Jazzklubs Bird’s Eye, den Austritt aus der von ihr begründeten und finanzierten Stiftung Habitat gegeben.

Neuer Präsident ist Boris Voirol, ein CS-Banker, Immobilienunternehmer und langjähriger Stiftungsrat. Seit September ebenfalls im Führungsgremium tätig ist Nicole Wagner, die im vergangenen Jahr als Leiterin der Basler Sozialhilfe zurücktrat, um sich als Übersetzerin selbstständig zu machen.

Oeri gründete die Stiftung Habitat 1996 zusammen mit dem Architekten François Fasnacht für eine «wohnliche Stadt». Einst mit dem bescheidenen Startkapital von 100'000 Franken gestartet, flossen der Stiftung in zwei Jahrzehnten Millionen zu, sodass ihr im Raum Basel mittlerweile 38 Liegenschaften gehören. Die Stiftung listet auf: 236 Mietwohnungen, 59 Gewerbeobjekte, 115 Parkplätze sowie 104 Hobby- und Lagerräume. Über die 2015 übernommene Tochterfirma Roleba sind weitere acht Mehrfamilienhäuser dem Stiftungsvermögen zuzurechnen.

Habitat versteht sich als vorbildliche Immobilienfirma im Gewand einer steuerbefreiten Stiftung. Der Stiftungszweck verpflichtet sie, namentlich besondere Rücksicht auf «Kinder, Behinderte und alte Menschen» zu nehmen. Habitat initiierte Musikerhäuser, die Aktienmühle und gewährt dem bedürftigen Teil ihrer Mieterschaft Rabatte.

In den Spuren von Rudolf Steiner

Ideologisch steht die Stiftung der anthroposophischen Bewegung von Rudolf Steiner nahe und unterstützte aktiv die vom Basler Stimmvolk angenommene Bodeninitiative. Diese verlangt, dass der Kanton Land lediglich in Baurecht abgibt, um dieses dadurch der «Spekulation» zu entziehen. Mit gleichem Impetus tritt auch die Stiftung auf, indem sie etwa Hand in Hand mit dem Kanton auf der Erlenmatt sowie auf dem Lysbüchel Land erwarb, um es im Baurecht weiterzugeben.

Geheimniskrämerei

So vorbildlich der Anspruch, so verschwiegen ist die Stiftung in Bezug auf ihre wirtschaftliche Tätigkeit. Öffentliche Geschäftsberichte hat es bisher nicht gegeben und wird es nach Auskunft von Klaus Hubmann, Stiftungsrat und Geschäftsführer in Personalunion, auch weiterhin nicht geben. Er sagt: «Im Zusammenhang mit der anerkannten Gemeinnützigkeit der Stiftung hat die Stiftungsaufsichtsbehörde und die Steuerbehörde den Einblick in unsere Finanzsituation.» Das soll genügen.

Ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen. Hubmann sagt, die Stiftung verfüge «über umfangreiche eigene Mittel» und werde «auch in Zukunft investieren». Wie dick das Polster ist, das die Pensionärin Oeri hinterlassen hat, bleibt Stiftungsgeheimnis.