Basel erhält eine neue hochkarätige Forschungseinrichtung: Das Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Basel (IOB). Das Institut, das bereits am 1. Januar 2018 formell seinen Betrieb aufnimmt, wird sich der Erforschung und Therapie von Augenkrankheiten widmen. Es ist die bisher grösste Kooperation, welche die Universität Basel mit einem privaten Unternehmen eingegangen ist. Das sagte Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki am Freitag an einer Medienkonferenz auf dem Novartis-Campus. Ziel ist laut Schenker-Wicki der Aufbau eines Exzellenzzentrums, mit dem es möglich sei, die auf dem Gebiet der Augenheilkunde erfolgreichsten Forscherinnen und Forscher nach Basel zu holen.

Getragen wird das neue Augenheil-Institut von einer gemeinnützigen Stiftung. An dieser sind wiederum Novartis, die Universität und das Universitätsspital Basel (USB) beteiligt. Der Kanton Basel-Stadt ist selber zwar nicht Stifter, schiesst aber ebenfalls Gelder ein.
Status wie das Tropen-Institut

Das IOB kann nach der Gründungs- und Aufbauphase mit einem Jahresbudget von rund 20 Millionen Franken rechnen. Davon steuert Novartis etwa die Hälfte bei, also rund 10 Millionen Franken. Den Rest teilen sich das USB (3 Millionen Franken), die Uni (2 Millionen) und Basel-Stadt (5 Millionen).

Botond Roska und Hendrik Scholl

Botond Roska und Hendrik Scholl

Das IOB wird zu einem assoziierten Institut der Uni Basel, wie das Tropeninstitut (Swiss TPH) oder das Friedrich-Miescher-Institut. Vorgesehen ist, bestehende Abteilungen des Universitäts-Augenspitals mit der neuen Forschungsanstalt zusammenzuführen. Insgesamt soll die Einrichtung rund 300 Mitarbeitende zählen, der allergrösste Teil entfällt auf Forschungspersonal. Es entstehen 135 neue Stellen, darunter mehrere neue Professuren.

Gemäss Schenker-Wicki ist vorgesehen, alle Angestellten auch räumlich unter einem gemeinsamen Dach zu vereinen. Man strebe einen Standort in der Nähe des Biozentrums, des ETH-Instituts Basel und des Unispitals an, weiter seien die Planungen in dieser Frage jedoch noch nicht fortgeschritten.

«Weiterer Meilenstein»

Novartis-Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt bezeichnete die Gründung des IOB als «einen weiteren Meilenstein in der Geschichte des Pharma-Standorts Basel». Es bestehe für die Region nun die Möglichkeit, sich als globales Zentrum der Augenheilkunde zu positionieren. Dem pflichtete Werner Kübler bei. Der Direktor des Uni-Spitals bezeichnete den Zeitpunkt der Gründung als «ideal», das Augenspital und das IOB würden nun eine Symbiose eingehen und zu einem «Place to go» mit weltweiter Ausstrahlung für Augenärzte und Forschende.

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) sagte, der Regierungsrat begrüsse die Institutsgründung ausserordentlich. «Heute ist ein guter Tag für das Life-Sciences-Cluster Basel». Er stellte einen Kantonsbeitrag von 25 Prozent des IOB-Budgets in Aussicht. Das seien maximal fünf Millionen Franken pro Jahr.

Engelberger betonte, wie bereits Schenker-Wicki vor ihm, dass der Zeitplan von ersten Ideen bis zur nun erfolgten Gründung sportlich gewesen sei. So muss der Kantonsbeitrag auch noch vom Grossen Rat abgesegnet werden.

Unabhängigkeit gewährt

Nicht auf der Rednerbühne standen am Freitag Vertreter des anderen Universitäts-Trägerkantons Baselland. Man sei miteinander im engen Austausch gestanden, sagte Engelberger auf Nachfrage eines Journalisten. Engelberger betonte, dass sich der Kanton Baselland jederzeit am Institut beteiligen könne.

Schenker-Wicki sagte, dass die Forschungsfreiheit des IOB gewährleistet sei, da es sich um eine unabhängige Stiftung handle. «Novartis wird keinen Einfluss darauf haben, was publiziert und über was geforscht wird.» Jörg Reinhardt ergänzte, man habe mit dem Friedrich-MiescherInstitut langjährige Erfahrung mit derartigen Konstellationen. «Wir sind uns das also gewohnt.» Einen wissenschaftlichen Austausch erhoffe man sich aber schon.
Immer mehr Augenkrankheiten

Die Ziele des IOB sind hochgesteckt. Nichts weniger als erblindeten Menschen die Sehkraft zurückgeben («to restore vision») – so stand es an der Medienkonferenz auf den Stellwänden geschrieben.

Augenheilkunde werde unterschätzt, sagte Werner Kübler. Laut dem USB-Direktor leidet heute alleine in der Schweiz eine sechsstellige Zahl an Menschen an einer starken Beeinträchtigung ihrer Sehkraft, rund 10 000 Schweizerinnen und Schweizer seien komplett erblindet. Gerade bei Netzhautablösungen, Makula-Degenerationen oder beim grünen Star müsse die Forschung intensiviert werden. «Ein weiterer Anstieg dieser Krankheiten ist absehbar», sagte Kübler, «da ja auch die Lebenerwartung ansteigt.»