Tiny Houses

Mini-Häuser auf dem Vormarsch: Liestaler Pionier-Siedlung ist schon in Planung

In Basel-Stadt diskutieren die Politiker noch darüber. Baselland ist bereits einen Schritt weiter. In Liestal soll eine ganze Siedlung entstehen.

Plötzlich kam Bewegung in die Sache. Ende August titelte die bz noch: «Verein will mit Mini-Häusern das unerfahrene Basel erobern.» Jetzt ist schon vom Bau solcher Häuser in der Region die Rede. Arealentwickler Hans-Jörg Fankhauser will auf dem ehemaligen Burri-Mangold-Areal in Liestal 100 Tiny Houses, also Minihäuser, aufstellen lassen. Er ist zuversichtlich, das Projekt bis in zwei Jahren ausführen zu können. Diese Wohnform entspreche einem Bedürfnis. «Während früher die meisten Leute nach grossen Häusern mit viel Platz strebten, wollen heute viele reduzieren», sagt er.

Das glauben auch Basler Parlamentarierinnen und Parlamentarier von links bis rechts. Einzig die SVP hat einen Vorstoss zum Thema nicht unterzeichnet. Heute Donnerstag, an der letzten Grossratssitzung dieses Jahres, debattiert das städtische Parlament darüber. Unter Federführung der Grossrätin Katja Christ von den Grünliberalen verlangen ein Dutzend Parlamentarier, die Regierung solle ein mögliches Areal für eine Siedlung auf Stadtboden «identifizieren» und die Bedingungen für das Aufstellen und Bewohnen der Fläche erleichtern. Doch genau da hinkt die Tiny-House-Bewegung hinterher. Die rechtliche Grundlage ist unklar. Die Frage ist: Wie lange noch?

Ansprechpartner für Interessierte

«Wir sind dabei, die rechtlichen Grundlagen zu prüfen», sagt der Baselbieter Jonas Bischofberger, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins «Klein Wohn Formen». In kurzer Zeit sind dem Verein zahlreiche Interessierte beigetreten, inzwischen zählt er rund 500 Mitglieder. Viele kämen aus dem urbanen Raum, auch aus der Region Basel. «Das zeigt, wie gross das Bedürfnis ist», sagt Bischofberger. Damit Interessierte sich im Bürokratie-Dschungel nicht verlieren und ihren Traum aufgeben, suche der Verein derzeit Fachleute im Bereich Tiny Houses als Ansprechpartner. Auch eine Mustersiedlung sei angedacht. Hans-Jörg Fankhauser ist einen Schritt weiter. Sein Projekt in Liestal ist mehr als ein Musterprojekt.

Das Grundstück ist im Besitz der Firma Sitex, die Fankhauser seit der Gründung begleitet hat und an der er als Aktionär beteiligt ist. «Auch sind einige der Häuser bereits vor-reserviert», sagt er. Bevor er jedoch eine Baueingabe machen kann, braucht er grünes Licht von Liestal.

Ziel: 200'000 Franken pro Haus

Weniger gut endete das Minihaus-Abenteuer einer Frau im aargauischen Obermumpf: Sie musste den Platz räumen, weil sich ihr Tiny House in einer Landwirtschaftszone befand. Der Landbesitzer selber hatte ihr das Häuschen vermietet, doch das Gesetz verbietet das Bewohnen von Mini-Häusern in landwirtschaftlichen Zonen. Dasselbe gilt für Industriezonen.

In anderen Ländern gehören Tiny-House-Siedlungen längst zum Landschaftsbild. Nicht nur in den USA, woher die Bewegung stammt, auch in Skandinavien und Deutschland leben zahlreiche Menschen in solchen Häusern. Grund ist bei weitem nicht immer nur der schmale Geldbeutel, sondern je länger, je mehr auch die Überzeugung, dass weniger mehr ist und ein niedriger Ressourcenverbrauch die Umwelt schont.

Der Vorstoss der Basler Parlamentarier spricht noch einen weiteren Punkt an: Platzmangel. Im schwedischen Lund werde die Wohnungsnot mit Minihäusern für Studenten bekämpft, schreiben die Politiker. Und fügen an, dass Basel mit einem ähnlichen Projekt die Chance hätte, «sich als Innovator zu positionieren». Als Katja Christ den Vorstoss einreichte, war das Liestaler Projekt noch nicht spruchreif.

Inzwischen redet Fankhauser offen über seine Pläne. Auch Gespräche mit der Stadt haben bereits stattgefunden. Er hat auch keine Angst davor, einen Rückzieher machen zu müssen. «Das Projekt ist finanziell abgesichert, und der politische Wille ist, zumindest mündlich, spürbar», sagt er. Die Häuser werden bis zu 40 Quadratmeter gross und auch im Eigentum bewohnt sein.

Die Käufer sollen nicht mehr als 200'000 Franken pro Haus bezahlen müssen, das sei das Ziel, sagt Fankhauser. Wenn es ihnen irgendwann nicht mehr passen sollte in Liestal, schnallen sie ihr Haus auf einen Lastwagen – und ziehen um. Nach Basel-Stadt? Wer weiss!

Autorin

Martina Rutschmann

Martina Rutschmann

Meistgesehen

Artboard 1