Wer die Aussenminister sehen wollte, musste Frühaufsteher sein. Lange bevor das Kleinbasel erwachte, herrschte auf dem Messeplatz emsiges Treiben. Am Donnerstagmorgen gings los mit den offiziellen Gesprächen der OSZE-Ministerratskonferenz.

Medienschaffende mussten vor sieben Uhr im Pressezentrum sein. Danach wurden auf dem ohnehin schon abgeriegelte Konferenzareal die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal verstärkt: Weil nach und nach die Minister eintrafen, liessen die Sicherheitskräfte zwischen 7 und 10 Uhr auch akkreditiertes Personal nicht mehr hinein.

Im Himmel hörte man Motorgeräusche, wobei im dichten Nebel und in der Dunkelheit nicht zu erkennen war, was für ein Fluggerät den Kleinbaslern den Wecker ersetzte: ein Heli, ein Flugzeug oder eine Drohne.

Auf dem nahen Claraplatz demonstrierten Ukrainer mit Sprechchören gegen Russland. «Die sollen so was in den Bergen machen und nicht mitten in der Stadt», meinte eine verärgerte Anwohnerin zur ganzen Szenerie.

Drinnen nahm Bundesrat Didier Burkhalter – der Gastgeber – seine Gäste in Empfang, einer nach dem anderen. Kurzes Händeschütteln, ein paar Worte. Streng nach Protokoll.

Zugelassen waren allerdings nur Fotografen, aber keine Journalisten. Diese sahen die Minister auch nur durch Bildschirme im Pressezentrum. Einmal kam kurz der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier im Pressezentrum vorbei. Er verlas ein paar Worte, Fragen stellen konnte man nicht. Später im Plenarsaal sollte er den Schweizer Amtskollegen mit «Lieber Didier» ansprechen. Man kennt sich.

Überhaupt: Wer irgendetwas Aussergewöhnliches erwartet hatte, wurde enttäuscht. Der Anlass ist perfekt durchchoreografiert und die Diplomaten haben im Vorfeld ganze Arbeit geleistet. Was deren Chefs, die Aussenminister, verlasen, wurde von langer Hand vorbereitet. So hat die Veranstaltung auch etwas von einem Schauspiel.

Zwar greift beispielsweise der Amerikaner John Kerry Russland für sein Verhalten in der Ukraine-Krise undiplomatisch scharf an. An der heiteren Stimmung im Plenarsaal änderte dies jedoch nichts. Jeder kennt die Rolle des anderen.

Was die Öffentlichkeit nicht sah

Bei den Journalisten wurden eifrig Artikel verfasst und Fernsehbeiträge geschnitten. «Die Konferenz gefällt mir gut. Um mir Basel anzuschauen, hatte ich leider noch keine Zeit», sagt der Europa-Korrespondent des staatlichen chinesischen Fernsehens CCTV mit einem freundlichen Lächeln.

China ist kein OSZE-Mitgliedsland, trotzdem scheint man sich dort für die Konferenz zu interessieren. Kurz wurde die Routine unterbrochen, als ein paar Bodyguards den Raum betraten, die einen Mann mit kantigem Gesicht in ihrer Mitte bewachten: den griechischen Aussenminister Evangelos Venizelos, der dem Fernsehteam aus seiner Heimat ein kurzes Interview gewährte.

Was die Öffentlichkeit nicht sah, war, was abseits des Plenarsaals passierte. Üblicherweise werden solche Anlässe für informelle bilaterale Gespräche zwischen den Politikern genutzt, wo sie freier reden dürfen. Da aber die Diplomatendelegationen und die Journalisten strikt getrennt werden, ist über diesen Teil der Veranstaltung wenig bekannt.

Noch bis um Mitternacht

Mischen konnten sich die Diplomaten und die Journalisten abends im Theater Basel. Während die hohen Tiere in der Safran-Zunft dinierten, wurde für die «einfachen Angestellten» im Theater Basel ein Empfang organisiert – eine Ballett-Vorstellung und ein Auftritt des Basler Tambouren-Ensembles «Top Secret Drum Corps» inklusive.

Auf der Strasse bekam man davon wenig mit, dafür umso mehr von den Helikoptern, die während des ganzen Abends über dem Nachthimmel kreisten.

So ging Tag eins der Konferenz unspektakulär und ohne Zwischenfälle über die Bühne. Trotzdem wird man in der Stadt froh sein, wenn heute um Mitternacht die Barrikaden abgebaut werden und die Trams wieder auf ihren normalen Routen verkehren. Denn so richtig wohl in der Stadt fühlte man sich bei dem ganzen Aufmarsch dann halt doch nicht.