Strafgericht

Missglücktes Chemie-Experiment mit tragischen Folgen

Die Robi-Spielaktionen auf der Claramatte sind ein willkommenes Vergnügen (Foto). Doch vor drei Jahren geschah ein Unfall: Eine Frau erlitt bei einem missglückten Chemie-Experiment schwerste Verbrennungen.

Die Robi-Spielaktionen auf der Claramatte sind ein willkommenes Vergnügen (Foto). Doch vor drei Jahren geschah ein Unfall: Eine Frau erlitt bei einem missglückten Chemie-Experiment schwerste Verbrennungen.

Eine Frau erlitt 2011 bei einer Robi-Spielaktion auf der Claramatte schwerste Verbrennungen und musste seither 13 Operation über sich ergehen lassen. Das juristische Hickhack dauert bis heute.

Es war ein missglücktes Chemie-Experiment mit tragischen Folgen: Eine Frau erlitt im Oktober 2011 schwerste Verbrennungen am Oberschenkel und musste seither 13 Operationen über sich ergehen lassen. Ihr damals vierjähriger Sohn erlitt ebenfalls leichte Verbrennungen am Unterarm. Für die Verletzungen seiner Mutter fühlt er sich bis heute verantwortlich, weil er an jenem Tag unbedingt zur «Kinder-Ferien-Stadt» auf die Claramatte gehen wollte.

Auf dem Programm der Familie stand damals bloss Basteln mit Maizena, doch am selben Tisch wurden auch «schwarze Würmer» gezogen. Das ist ein alter Trick aus dem Chemiekasten, bei dem in Brennsprit getränkte Emser Pastillen angezündet werden und so durch die Zuckerzersetzung wurmartige Gebilde entstehen. Der heute 40-jährige Sozialarbeiter, der das Experiment durchführte, konnte gestern vor dem Strafgericht nicht erklären, wie es dazu kam, dass die Flamme auf die Frau übergriffen. Er erwähnte lediglich einen «diagonalen Spritzer» des Brennsprits. Die Kriminaltechnik ging davon aus, dass er eine grosse, halb leere Brennspritflasche benutzt hatte, in der sich ein gefährliches Gemisch gebildet hatte.

Der Mann war kurzfristig eingesetzt und am Vortag von einem anderen Mitarbeiter für den Chemieversuch instruiert worden. Wer dies war, wollte er nicht sagen, und auch sonst gab es gestern am Verhandlungsauftakt wenig zur Organisationsstruktur zu erfahren: Der ebenfalls angeklagte 35-jährige Verantwortliche für das Fest auf der Claramatte antwortete auch stereotyp, dass er das nicht wisse. Beide sagten, sie bedauerten, was geschehen sei.

Keine Feuerlöscher am Stand

Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall klar: Es gab keinen Sicherheitsabstand zu den Besuchern. Zudem hätte man zwischen den Versuchen jegliches Feuer mit einem Deckel ersticken müssen. Auch war am Stand selber weder ein Feuerlöscher noch eine Löschdecke greifbar. «Ich habe grosse Mühe damit, zwei Mitarbeiter der Robi-Spielaktion vor Gericht zu bringen. Aber beide haben unvorsichtig gehandelt. Die mit dem Experiment einhergehende Gefahr wurde schlicht unterschätzt», sagte Staatsanwalt Tomislav Hazler.

Wären die beiden Männer kooperationsbereit gewesen, hätte man das Verfahren schon längst mit einem Strafbefehl erledigen können. Hazler forderte gestern für beide Angeklagten eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen wegen fahrlässiger Körperverletzung. Weil das Strafverfahren noch nicht erledigt ist, hat die Haftpflichtversicherung des Robi-Vereins der Opferfamilie bislang noch keinen Rappen bezahlt.

Die Verteidiger monierten gestern vor allem formelle Verfahrensmängel. Sie hatten ihren Mandanten geraten, die Aussagen zu verweigern. Zudem betonten sie, der
40-jährige Sozialarbeiter habe jeweils – wie instruiert – zwischen den Chemie-Versuchen fünf Minuten gewartet. Zuvor sei so noch nie etwas passiert. «Die Kinder sollen beteiligt werden, da ist es logisch, dass sie nahe am Tisch stehen. Mein Mandant ist kein Chemiker, sondern Sozialpädagoge», sagte ein Verteidiger.

Er meinte auch, die Jacke der Frau sei leicht brennbar gewesen. Dies habe die Folgen noch verschlimmert. «Dieser Kausalverlauf war nicht vorhersehbar. Das ist ein Chemie-Trick aus einem Kinderbuch, nicht aus einem Chemiebaukasten für Fortgeschrittene», meinte der andere Verteidiger. Beide fordern für ihre Mandanten einen Freispruch. Das Urteil wird am Mittwoch gefällt.

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