Rücktritt
Mission 21 sucht jetzt einen neuen Vorstand

Der Vorstand des evangelischen Hilfswerks Mission 21 trat gestern Abend per sofort zurück. Damit reagiert er auf den Druck der Basler Mission, des grössten Trägervereins. Nun sucht das evangelische Werk einen neuen Vorstand.

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Das Haus der Mission 21 in Basel

Das Haus der Mission 21 in Basel

Kenneth Nars

An der Abgeordnetenversammlung wurde bekannt, dass auch die Geschäftsprüfungskommission (GPK) den sechsköpfigen Vorstand zum Rücktritt gedrängt hatte. Sie stellte ihm über Pfingsten ein Ultimatum. Vorstandspräsidentin Bettina Krause kritisierte dies hart: «Damit hat die GPK nicht nur ihre Neutralität, sondern auch fundamentales Recht verletzt.» GPK-Präsidentin Elke Hagmaier wies die Vorwürfe zurück: «Wir haben den Vorstand schon früh auf die Probleme aufmerksam gemacht und zu vermitteln versucht.»

Gestritten, gebetet und gesungen

Trotz dieser harten Anschuldigungen blieben alle Versammlungsteilnehmer sehr ruhig. Die Veranstaltung begann mit einem Gottesdienst. Als die simultane Übersetzung auf Englisch und Spanisch kurz nicht funktionierte, lösten die Teilnehmer das technische Problem auf ungewöhnliche Weise: Sie stimmten ein christliches Lied an.

Der Vorstand verabschiedete sich würdevoll: Unter stehenden Ovationen gab er die Sitzungsleitung ab. Die Abgeordneten nahmen die Schuld für die Misere auch auf sich. «Wir sind hauptverantwortlich: Wir haben vor zehn Jahren Strukturen geschaffen, die jetzt nicht funktionieren», gestand der Abgeordnete Volker Schulz, Präsident der Herrnhuter Mission.

Wechsel hinter Kulissen vorbereitet

An der Versammlung wurde deutlich: Der Wechsel des Vorstands wurde hinter den Kulissen genau vorbereitet. Für die vorübergehende Sitzungsleitung standen zwei Abgeordnete bereit: Hanns Walter Huppenbauer, Vorsitzender der Kontinental-Versammlung Europa, und Edwin Mora Guevara, Vorsitzender der Missionssynode. Auch drei Mitglieder für einen Wahlausschuss waren sofort gefunden. Diese werden der zweieinhalb Tage dauernden Abgeordnetenversammlung bis Samstag neue Vorstandsmitglieder vorschlagen. Der neue Vorstand soll die komplexen Strukturen der aus mehreren Vereinen zusammengebauten Mission 21 neu organisieren.

Ob sich die Mission 21 von ihrer Krise erholen kann, lässt sich noch nicht abschätzen. «Unsere Arbeit ist nicht gefährdet, es sei denn die Spender verlieren durch die internen Auseinandersetzungen das Vertrauen», meint Stefan Fischer, der zurückgetretene Vizepräsident. Die Versammlungsteilnehmer demonstrierten Zuversicht. (öpf)