Ein Nobelquartier mit Hochhäusern, bestehende Wohnungen werden abgerissen und die Mieten werden massiv teurer: diese Befürchtungen, Zweifel an der Notwendigkeit der Hafen- und Stadtentwicklung Kleinhüningen-Klybeck und generelles Misstrauen dominierten die 3. Quartierinformation im Quartiertreffpunkt Kleinhüningen am Montagabend.

Über 100 Leute waren gekommen. Der Anlass hätte Teil der Mitwirkung sein sollen. Doch statt Ideen kamen aus dem Quartier Vorwürfe an die Verwaltung. «Warum wollt ihr die Stadt auf dem Buckel von Kleinhüningen entwickeln?», fragte ein Mann und sprach vielen aus dem Herzen. Je plakativer die Voten, desto grösser war der Applaus. Zum Beispiel: «Man will auch nicht die Durchmischung auf dem Bruderholz anpassen, weil es dort zu viele Reiche gibt.» Andere lachten sich über die Erklärungen der Verwaltungsvertreter schlapp – und füllten ihre Rucksäcke mit Bierflaschen vom Apéro-Buffet.

Einbringen wäre erwünscht

Eigentlich aber hätte die Quartierbevölkerung an diesem Abend ernsthaft ihre Ideen einbringen sollen. Im vergangenen Jahr hat eine Begleitgruppe (BG) mit Vertretern aus dem Quartier Ideen zu den Themen Städtebau, Verkehr, Energie/Nachhaltigkeit und Quartierentwicklung erarbeitet. Diese Arbeit hätten die Anwesenden ergänzen können. Dies wiederum sollte in den Bericht einfliessen, den die BG zuhanden der Bau- und Raumplanungskommission als Ratschlag verabschiedet. Doch dazu kam es nur am Rand. Vielmehr wurde die Arbeit der BG als wenig einflussreich heruntergespielt. Immer wieder wurde mehr Information über den Planungsstand gefordert.

Zu einem kleinen Eklat führte, dass Tonja Zürcher als Mitglied der BG forderte, die Verwaltung solle zuerst über die Rahmenbedingungen, wie sie im Ausgabenbericht festgehalten sind, informieren. Der Ausgabenbericht liegt seit September bei der Bau- und Raumplanungskommission. Die spontane Aktion stösst Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartementes, auch am nächsten Tag noch sauer auf: «Das verstehe ich nicht, dass nach elf Abenden in der Begleitgruppe noch immer ein so grosses Informationsdefizit da sein soll.»

Tonja Zürcher, auch Mitglied der Gruppierung Greenhattan, die einen ökologischen neuen Stadtteil fordert, begründet ihr Votum anders. Sie selber kenne den Inhalt des Ausgabenberichtes, habe aber die Stimmung aus dem Saal aufgenommen: «Wenn die Rahmenbedingungen nicht transparent sind, fehlt der Bevölkerung relevante Information», sagt sie auf Nachfrage. Sie kritisiert, die Behörden hätten nicht so offen und transparent wie möglich informiert. Auch wenn über die Medien informiert worden sei, dass es kein «Rheinhattan» gebe, heisse es im Ausgabenbericht, es sei ein stark verdichteter Stadtteil mit Zentrumsfunktionen, neuer Brücke nach Huningue und Abtrennung zu einer Insel geplant. Emotionaler werde die Diskussion durch die Vorgeschichte mit der Erlenmatt und Volta, wo hauptsächlich teure Wohnungen gebaut worden seien.

Information bleibt Baustelle

Auch das kann Keller nicht nachvollziehen: «Die Erlenmatt wird immer als schlechtes Beispiel für Mitwirkungen angeführt. Das stimmt so nicht.» Die vielen Frei- und Grünflächen seien Resultat der Mitwirkung. Er fügt selbstkritisch an: «Wir schaffen es nicht, den Stand der Dinge zu vermitteln. Und wir haben den Informationsstand im Quartier drastisch überschätzt.» Wie nun weiter informiert wird, könne er noch nicht sagen. Sicher sei aber, dass den Ängsten vor einer Gentrifizierung des Quartiers bisher noch wenig Platz eingeräumt worden sei.

Keller wirft die grundsätzliche Frage auf, was Mitwirkung bei einem Projekt wie der Stadtteilentwicklung Klybeck/Kleinhüningen leisten kann. «Mitwirkung funktioniert, wenn ein Projekt konkret und zeitnah ist.» Er zweifelt am «konstruktiven Interesse gewisser Kreise». An der Veranstaltung äusserten sich drei, vier Personen wiederholt negativ. «Es fragt sich, ob es eine orchestrierte Störaktion war und wie repräsentativ das war.» Er bedaure sehr, dass die grosse Arbeit der Begleitgruppe nicht gewürdigt worden sei.