Christine Dietrich

Misstrauensvotum: Synoden-Mitglieder kritisieren umstrittene Kleinbasler Pfarrerin

Gegen Christine Dietrich findet gerade ein Misstrauensvotum statt. (Archivbild)

Gegen Christine Dietrich findet gerade ein Misstrauensvotum statt. (Archivbild)

Der Fall der umstrittenen Kleinbasler Pfarrerin soll nicht einfach stillschweigend zu den Akten gelegt werden. Dies fordern rund zwanzig Synoden-Mitglieder der Evangelisch-Reformierten Kirche in einem Protestbrief, in dem sie ihr Unbehagen gegen die Wahl der Pfarrerin in den Kirchenrat ausdrücken.

Die Evangelisch-Reformierte Kirche (ERK) Basel-Stadt kommt nicht zur Ruhe. In der Kontroverse um die Kleinbasler Pfarrerin Christine Dietrich ist auch zwei Monate nach ihrer Wahl in den Kirchenrat, der «Regierung» der ERK, keine Lösung in Sicht. Anfangs Oktober hatte diese Zeitung thematisiert, dass Dietrich lange Zeit aktiv beim rechtsnationalen deutschen Hetzblog «Politically Incorrect» mitgearbeitet und -geschrieben hatte.

Zwar hat sich die Pfarrerin von ihrem damaligen Engagement distanziert. Eine Recherche förderte allerdings eine Reihe von Ungereimtheiten zutage, welche die Frage aufwerfen, wie ernst es Dietrich mit dieser Distanzierung ist. Diese Einschätzung teilen auch über zwanzig Mitglieder der ERK-Synode, dem eigentlichen Kirchenparlament. Mit Blick auf die nächste Sitzung in zwei Wochen haben sie einen Brief verfasst, in dem sie «ein starkes, bleibendes Unbehagen über die Wahl» zum Ausdruck bringen. «Wir sind dezidiert der Meinung, dass die Causa Dietrich nicht einfach stillschweigend ad acta gelegt werden darf», heisst es im Brief. Das würden auch die vielen Feedbacks von Kirchenmitgliedern zeigen.

Kein Verständnis für das Engagement beim Hassblog

Zum ersten Mal stellen sich damit Mitglieder der Synode offen gegen die Pfarrerin. Das Schreiben ist als klares Misstrauensvotum gegen Dietrich zu verstehen. Bisher hatte man versucht, gegen aussen Einigkeit zu wahren, und auf eine Klärung der Fragen gehofft. Allerdings haben weder eine schriftliche Stellungnahme von Dietrich noch eine interne Aussprache die Bedenken zerstreuen können, schreiben die Synoden-Mitglieder im Memorandum.

Der ERK sei durch die Wahl und die damit verbundene Berichterstattung ein Reputationsschaden entstanden, der massgeblich dem Konflikt um die Person von Christine Dietrich geschuldet sei. Für deren Engagement beim Blog haben die Verfasser kein Verständnis. Die Pfarrerin habe sich damit in die Umgebung diffamierender und hetzerischer Diskurse gegen Minderheiten begeben. Diese Feststellung dürfte bewusst zurückhaltend formuliert worden sein. Als kürzlich der frühere Grossratspräsident Markus Ritter Dietrich mit deutlicheren Worten kritisiert hatte, erstattete diese Strafanzeige wegen Ehrverletzung gegen ihn und einen bz-Journalisten, der darüber schrieb. Ihre Aktivitäten habe Dietrich 2011 «offenbar nicht aus besserer Einsicht» aufgegeben, sondern erst als die Berner Kirche – ihr damaliger Arbeitgeber – nach Medienberichten interveniert hat, so die Verfasser.

Prominente Mitglieder beziehen klar Stellung

Vielen Mitgliedern der Synode sei diese Vorgeschichte nicht bewusst gewesen. Womöglich hätten sie der Wahl von Dietrich nicht zugestimmt, wenn sie davon Kenntnis gehabt hätten, argumentieren die kircheninternen Kritiker. Das Memorandum wurde von neun Mitgliedern der Synode unterzeichnet und kürzlich innerhalb des Kirchenparlaments verschickt. Weitere Mitglieder unterstützen das Memorandum, möchten aber offenbar nur intern namentlich genannt werden. Die Verfasser hoffen, dass bis zur Synode noch weitere der insgesamt 80 Mitglieder unterschreiben.

Unter den Verfassern finden sich namhafte Vertreter der Basler Reformierten Kirche. So hat etwa Theologieprofessor Georg Pfleiderer den Aufruf unterzeichnet. Weitere bekannte Namen sind Unipfarrer Luzius Müller oder der frühere SP-Politiker Tobit Schäfer. Bemerkenswert ist auch die Unterschrift von Ruedi Spöndlin. Er ist Präsident des Arbeitskreises Offene Synode, also derjenigen Fraktion, welche Dietrich für den Kirchenrat vorgeschlagen hatte.

Die Verfasser erwarten gemäss eigener Aussage nicht, dass ihr Schreiben an der nächsten Sitzung der Synode diskutiert wird. Aber es soll zur Kenntnis genommen werden.

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