Er kann es nicht lassen. Kaum läuft eine Veranstaltung, reisst er die nächste an. Beim Kulturfloss musste zuerst das Bundesgericht mitreden, inzwischen ist es aber ein Event, den Politiker von links bis rechts als «nicht wegzudenkenden Anlass» bezeichnen. Das Floss lässt sich Tino Krattiger nicht nehmen. Dafür aber die anderen Event-Babys, die er erschaffen hat.

Die Rheingasse als Gastro-Boulevard. Und nun auch die «Adväntsgass». An der diesjährigen Organisation ist Mister Rheingasse erstmals nicht beteiligt. «Das Floss ist meine Hauptaufgabe, ich möchte nicht für drei Events verantwortlich sein,» sagt Krattiger. Wichtig sei, dass er alles aufgegleist habe. Und nun mit gutem Gewissen übergeben könne.
Am Ruder ist neu ein Frauenduo.

Eva Matt und Christine Waelti sind seit Monaten dabei, den kleinen Weihnachtsmarkt in der Rheingasse zu planen. Beide sind seit der ersten «Adväntsgass» 2015 im Team, erstmals aber stemmen sie alles allein. «Ich habe keine Ahnung, was die beiden genau vorhaben – es wird eine Überraschung», sagt Krattiger. Die Damen nicken.

Plastik und Handyhüllen sind tabu

«Es ist schade, dass sich Tino zurückgezogen hat, aber auch verständlich», sagt Waelti. Nachdem sie bei Basel Tourismus in der Unternehmenskommunikation tätig war, machte sich die 39-Jährige vor zwei Jahren selbstständig. Die «Adväntsgass» ist ein grosser Brocken in ihrer Agenda. Seit März sind sie und ihre Kollegin damit beschäftigt. Matt stellte in den ersten Jahren das «Adväntsgass»-Kinderprogramm auf die Beine, dieses wurde vergangenes Jahr aber gekippt. «Es hat in Kombination mit dem Abendprogramm nicht funktioniert», sagt die 31-Jährige, die früher mit Kindern arbeitete und als Quereinsteigerin in der Eventorganisation landete. «Wir bieten nur noch kleine Programmpunkte für Kinder an.» Genug zu tun gäbe es trotzdem. 

Zu Beginn musste sich Krattiger mit Behörden herumschlagen, bekam dies und jenes nicht bewilligt, hatte sich an Auflagen zu halten, die ihm ein Rätsel waren. Die Zeit der grossen Konflikte sei jetzt aber vorbei, sagen die Frauen. »Wir wissen inzwischen, dass wir manche Vorschriften nicht hinterfragen dürfen – daran halten müssen wir uns so oder so», sagt Matt.

Fahrzeuge, die als Food-Stände funktionieren, müssten nach wie vor in Fahrtrichtung aufgestellt werden – selbst dann, wenn sich die Verkaufsfläche auf der «falschen» Seite befindet. «Wir spielen sozusagen Schach, wenn wir die Standorte der Gastronomen definieren», sagt Waelti. Manche Anwohner wollten keinen Käse-Stand vor ihrer Tür, andere nichts Lautes. Zu nah dürfen sich gegenüberliegende Stände auch nicht kommen. Dreieinhalb Meter Abstand, falls die Feuerwehr durch die autofreie Gasse fahren muss.

Trotz solcher Tücken liebt das Duo seinen Job. «Es ist ein Herzensprojekt», sagt Waelti. Eines, das inzwischen etabliert sei. So manch namhafter Gastronom hat sich für einen Stand beworben, doch längst nicht jeder Bewerber bekommt auch einen. «Plastikstände oder Verkäufer von Handyhüllen beispielsweise passen nicht zum Konzept», sagt Waelti. Die «Adväntsgass» wolle die kleine Alternative zum grossen Markt bleiben und weiterhin vor allem Food anbieten. 

Krattiger vergleicht seine Situation mit der eines Kindes an Weihnachten. «Die Erwachsenen überreichen ihm ein Geschenk und sind gespannt, wie das Kind reagiert, wenn es sieht, was drin ist. Ich bin erstmals das Kind und nicht mehr derjenige, der das Geschenk einpackt.» Der Aufbau in der Rheingasse beginnt morgen. Anwohner Krattiger muss also, wenn er mit dem Hund Gassi geht, die Augen schliessen, damit er an der Eröffnung in einer Woche  richtig überrascht ist.