Andreas Büttiker (53) hielt diese Woche am Bahnkongress seine Abschiedsrede als Direktor des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW). Doch nur die wenigsten Teilnehmer im Basler Congress-Center wussten, dass sie einer Derniere beiwohnten. Hinter den Kulissen bereitet der Mister TNW seinen Abgang vor. Offiziell sagt er dazu auf Anfrage nur so viel: «Wir überdenken die Führungsstrukturen des TNW.»

Dabei sind die Pläne schon weit vorangeschritten. Der Koordinationsausschuss der sechs Verkehrsbetriebe des TNW hat beschlossen, dass eine unabhängige Geschäftsstelle eingerichtet wird. Eingeführt werden soll diese bereits auf den 1. Januar 2014. In den nächsten Wochen wird die Stelle des Geschäftsführers ausgeschrieben.

Mächtige Organisation

Bisher war der TNW in die Baselland Transport AG (BLT) integriert, die Büttiker seit 1996 führt. Die BLT fungiert als geschäftsführendes Verkehrsunternehmen. Büttiker hat somit eine Doppelrolle inne: Als BLT-Direktor kämpft er für die Interessen seiner Transportfirma und als TNW-Direktor für die Anliegen aller sechs Organisationen. In der Anfangsphase des 1987 gegründeten TNW funktionierte das gut. Der TNW war klein – ebenso die Interessensunterschiede der sechs Firmen.

Inzwischen ist der TNW eine mächtige Organisation geworden, die über Billett- und Aboverkäufe jährliche Einnahmen von 240 Millionen Franken verteilt. Gleichzeitig driften die Interessen der Verkehrsunternehmen auseinander. Besonders das Klima zwischen BLT und BVB ist unterkühlt. Die Alphatiere der beiden Firmen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Aktuell streiten sie sich darum, wer den Margarethenstich betreiben darf. BVB-Präsident Martin Gudenrath wirft der BLT vor, auf Wettbewerb statt auf Kooperation zu setzen. Die Wunden des Streits sind tief. «Eine Mediation zwischen BVB und BLT wäre vielleicht hilfreich», sagt Gudenrath.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Führer der grünen und gelben Drämmli professionelle Hilfe beanspruchen. Das auf Konfliktmanagement spezialisierte Basler Beratungsbüro Vivace gibt auf seiner Homepage als Referenz Workshops zwischen BVB und BLT an. Nicht konfliktberuhigend wirkt, wenn Büttiker gleichzeitig den TNW führt.

Differenzen mit Basel-Stadt

Auch mit dem Kanton Basel-Stadt hatte Büttiker Differenzen. Der Stadtkanton wünschte sich eine Zonierung des U-Abos, während der Kanton Baselland am Einheitsmodell festhalten wollte. Dass das Baselbiet das Seilziehen für sich entscheiden konnte, lag auch an Büttiker. Als TNW-Direktor verhielt er sich offiziell neutral, legte die Zahlen aber stets so aus, dass eine Zonierung einen schweren Stand hatte. Der Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels begrüsst, dass eine neutrale Geschäftsstelle geplant ist: «Das ist ein guter Schritt für eine Professionalisierung des TNW.»

Büttiker gibt damit einen einflussreichen Job auf, der rund 15 Prozent seines Pensums ausmacht. Auch finanziell muss seine Firma möglicherweise Abstriche machen. Die Führung des TNW wird mit 700 000 Franken pro Jahr verbucht. Dabei bindet sie wenig Personal: Neben Büttiker koordiniert Marketing-Chef Paul Gschwind den TNW. Nach über 40 Jahren geht er Ende Jahr in Pension. Eine weitere Gelegenheit für den Start einer neuen TNW-Ära. Auf Auftritte ausserhalb seiner BLT wird Büttiker trotzdem nicht verzichten müssen. Seit 2010 sitzt er im Verwaltungsrat des Euro-Airports.