Bis vor ein paar Jahren ging man noch zum Fotografen, um sich von ihm ins beste Licht rücken zu lassen. Ein schönes Porträt oder ein Familienbild fürs Album. «Heutzutage kann jeder die Kamera selbst bedienen. Deshalb dachten wir uns, wir versuchen es mit 112», sagt Tino Briner.

Gemeinsam mit Silvio Mettler eröffnet er am Donnerstag das erste «Youlittle»-3-D-Fotostudio der Schweiz. In der Mitte des Studios sind 112 Kameras in einem Kreis angeordnet. Vertikal stehende Stäbe bilden das Gerüst, an dem die Kameras befestigt sind. Die Anordnung erinnert an einen Käfig. Der Kunde stellt sich für wenige Sekunden in den Aufnahmebereich. Die entstandenen Bilder werden auf dem Computer nachbearbeitet und danach zur Verarbeitung weitergeleitet. Das Resultat kommt aus dem 3-D-Drucker: eine detailgetreue Miniaturfigur in der Grösse von zehn bis dreissig Zentimetern.

Was sich einfach anhört, hat seine Tücken: «Wir sind die Ersten, die mit dieser Anzahl Kameras arbeiten. Die Qualität der Figuren verbessert sich dadurch, die Anlage ist aber auch fehleranfälliger», erklärt Briner. In mühsamster Handarbeit bauten die beiden Geschäftsinhaber die Anlage auf. Der Kabelsalat sei nicht das einzige Problem: «Die Kameras müssen alle exakt zum gleichen Zeitpunkt ausgelöst werden», beschreibt Mettler den Ablauf.

Bezug zur klassischen Fotografie

Die Kameras schiessen 224 Bilder, 112 gewöhnliche und 112 mit einem auf den Körper projizierten Raster. «Das Raster ist eine neue Entwicklung, welche die Qualität zusätzlich verbessert», erklären die die beiden. Am Computer wird der Datensatz bearbeitet. Die Handkorrekturen nehmen drei zusätzliche Arbeitsstunden in Anspruch. Korrigiert wird alles, was von der Kamera nicht richtig erfasst werden konnte. «Lack und Glänzendes stellt die Maschine vor Erkennungsprobleme, am besten eignen sich farbige und gemusterte Kleidungsstücke», sagt Briner.

Retuschiert wird nichts, Falten würden nicht weggezaubert. Dies sei aber auch nicht nötig, sagt Mettler schmunzelnd: «Generell sieht die Mini-Figur eher jünger aus als das Original.» In 0,1 Millimeter-Schichten wird die Figur aus einer Mischung von Gips und Kunststoff gedruckt und gleichzeitig eingefärbt.

Die Inhaber sind gelernte Fotografen. Ihr Wissen wollen sie im «Youlittle»-Fotostudio einbringen: «Wir möchten einen Bezug zur Situation im klassischen Fotografiestudio herstellen», sagen sie. Wie früher nicht jeder eine Kamera zur Verfügung hatte, fehlen heute die technischen Mittel, um sich selbst eine Miniaturfigur anzufertigen. «Die Leute kommen zu uns und freuen sich», sagt Briner.

Durchmischte Kundschaft

Die Kundschaft sei sehr durchmischt: «Dadurch, dass die eigentliche Prozedur sehr kurz ist, können wir auch Modelle von Kindern oder Haustieren herstellen», sagt Mettler. Während der Probephase wurden die Anlage und die Software getestet.

Zu Beginn versammelten sich vor allem Kinder vor dem Studio. Vom Partnergeschäft in München erhaltene Figuren waren darin ausgestellt. «Irgendwann fragten wir bei einem Jungen nach. Der sagte: ‹Das ist doch Bastian Schweinsteiger in ihrem Schaufenster!› Lustigerweise war uns dies entgangen.»

Je nach Wunsch der Kunden können auch Accessoires mit aufs Bild. Sportler lassen sich im passenden Tenue ablichten. Fasnächtler, die nach den drei Tagen nicht genug von ihrem Kostüm kriegen, wollen ein Erinnerungsstück. Modellbauer, die sich selbst ins eigens gebastelte Flugzeug setzen wollen, lassen eine Figur anfertigen. «Eine Werbeagentur erkannte den innovativen Gedanken, worauf sich der gesamte Vorstand «klonen» liess», sagt Briner. Innovativ und kreativ - passend zur Feldbergstrasse, finden Briner und Mettler.