2009 hat Basel-Stadt den Massnahmenplan Neobiota 2010 bis 2015 beschlossen. Die Kosten für die Bekämpfung invasiver, gebietsfremder Tiere und Pflanzen auf Kantonsgebiet wurde darin mit jährlich 100 000 Franken beziffert.

Im neuen Massnahmenplan, der ab 2016 gültig ist, sind jährliche Kosten 960 000 Franken ausgewiesen. Dies entspricht einer Verzehnfachung der Mittel innert fünf Jahren.

«Beim Erstellen des Massnahmenplans 2010 bis 2015 handelte es sich um eine grobe Abschätzung der Kosten, es lagen keinerlei Zahlen vor», begründet Dirk Hamburger vom zuständigen Kantonslaboratorium die massive Kostenerhöhung. Deshalb handle es sich in der Realität um keine echten Mehrkosten gegenüber den Abschätzungen aus dem Jahr 2009, erklärt Hamburger.

Aktuell investiere der Kanton jährlich rund eine halbe Million Franken in die Bekämpfung fremder Tier- und Pflanzenarten, dazu kämen 200 000 Franken von nicht staatlichen Organisationen.

«Mit der Erhöhung des Aufwands könnte mehr erreicht werden: Anstatt nur ein Halten der Situation sogar eine Verbesserung bei einigen sensiblen Standorten», sagt Hamburger.

Zudem sei es jederzeit möglich, dass neue invasive Neobiota auftreten, die eingedämmt werden müssten. «In diesem Fall muss schlagartig mit höheren Kosten gerechnet werden.»

Sieben Problempflanzen

Aktuell bereiten den Basler Behörden sieben fremde Pflanzenarten Kopfzerbrechen. Das grösste Problem stellt der Götterbaum dar. Dieser grundsätzlich sehr anspruchslose Baum stammt ursprünglich aus China, breitet sich aber in Basel über Samen und Wurzelausläufer stark aus.

Betroffen sind nebst Privatgärten die Böschungen entlang dem Rhein und der Zuggeleise. Ebenfalls zunehmend anzutreffen auf Stadtboden sind die Neophyten Sommerflieder, Japanischer Staudenknöterich, Garten-Brombeere, Schmalblättriges Greiskraut sowie die Kanadische und die Spätblühende Goldrute.

Ab 2016 plant der Kanton zusätzliche Massnahmen. So wolle man die Erfolgskontrollen intensivieren, erläutert Hamburger. «In einer Pilotphase wird versucht, vor Bekämpfungseinsätzen gegen invasive Neophyten deren Bestand abzuschätzen. So können wir die Entwicklung des Bestandes über die nächsten Jahre verfolgen.» Ebenfalls ausgebaut werden sollen Kampagnen zur Sensibilisierung der Bevölkerung.

«Ziel der Kampagnen ist es, die Gartenbesitzer zu überzeugen, dass sie invasive Neophyten aus ihrem Garten beseitigen», sagt Hamburger. Der Handlungsbedarf sei gegeben, da in vielen Gärten invasive Neophyten vorkämen. «Bei unsachgemässem Umgang mit diesen Pflanzen ist eine Ausbreitung ausserhalb der Gärten sehr wahrscheinlich.»

Dass die Gartenbesitzer künftig auch zum Handeln gezwungen werden könnten, ist laut Hamburger nicht vorgesehen. «Die Rechtsgrundlage, um im privaten Bereich Bekämpfungsmassnahmen anzuordnen, ist momentan nicht gegeben.»

Baselbiet erspart sich den Kampf

Der Kanton Baselland ist flächenmässig 14-mal grösser als Basel-Stadt und liess sich die Neophyten-Bekämpfung bisher jährlich 300 000 Franken kosten. Mit dem Geld wird die Ausbreitung der drei Neophyten-Arten Japanischer Knöterich, Goldrute und Drüsiges Springkraut entlang von Gewässern, in Wäldern und in Naturschutzgebieten bekämpft.

Ab nächstem Jahr steht im Landkanton aber wegen der Sparmassnahmen überhaupt kein Geld mehr für die Neophyten-Bekämpfung zur Verfügung. Ein Antrag von SP-Landrätin Mirjam Würth zur Beibehaltung der Mittel wurde im Rahmen der Budgetdebatte vom 17. Dezember abgelehnt.

Nationale Strategie geplant

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) arbeitet derzeit an einer nationalen Strategie zur Bekämpfung invasiver, gebietsfremder Arten. Im ersten Entwurf werden die Kantone in die Pflicht genommen. Die zusätzlichen Kosten belaufen sich für alle Kantone zusammen auf 6,5 Millionen Franken.

«Eines der Ziele der Strategie ist eine bessere Koordination der bestehenden Bekämpfungs-Massnahmen in den einzelnen Kantonen, um damit die Effizienz zu steigern», sagt Sarah Pearson, Leiterin der Sektion Arten und Lebensräume beim Bafu.

Im Moment liege die Zuständigkeit bei den Kantonen. «Eine Gesetzesänderung würde die Verantwortlichkeiten der verschiedenen Akteure regeln, was eine wichtige Voraussetzung für die Neobiota-Bekämpfung ist.» Ob diese Gesetzesänderung im Rahmen der Strategie komme, werde derzeit noch abgeklärt, heisst es beim Bundesamt.