Vorgenommen haben sich die vier rot-grünen Regierungsräte je fünf Minuten zu sprechen über ihre Ziele in der nächsten Legislatur, für die sie sich bei den Wahlen am 28. Oktober bewerben. Am Apéro danach, als die meisten Journalisten gegangen sind, zieht das Quartett scherzend Bilanz. Alle sprengten die Vorgabe. Eva Herzog, Christoph Brutschin und Guy Morin sprachen je ungefähr acht Minuten. Hans-Peter Wessels übertraf sie alle: Mit seinem Zehnpunkteplan, den er in den nächsten vier Jahren umsetzen will, brachte er es auf das Doppelte. Das sei wieder mal typisch, sticheln die drei Regierungsräte ihren geschwätzigen Kollegen. Er antwortet mit herzhaftem Lachen.

Auf dem Dach der Stiftung Brasilea im Basler Hafen: Guy Morin, Eva Herzog, Christoph Brutschin und Hans-Peter Wessels.

Auf dem Dach der Stiftung Brasilea im Basler Hafen: Guy Morin, Eva Herzog, Christoph Brutschin und Hans-Peter Wessels.

Bürgerliche hinterliessen Schulden

Etwas weniger gut gelaunt wirkt Finanzdirektorin Herzog, als Wessels in seinem Redeschwall über die Kritik der Bürgerlichen an der rot-grünen Finanzpolitik herzieht. Sie verdreht leicht die Augen. Aus ihrer Sicht schiesst er etwas über das Ziel hinaus. Er nimmt pointiert Stellung zur Aussage der Bürgerlichen, dass die erfolgreiche Basler Finanzpolitik nicht der rot-grünen Regierungsmehrheit zugeschrieben werden könne, sondern dem Spardruck der bürgerlichen Parlamentsmehrheit. «Das ist lächerlich», ruft Wessels aus. Während Jahrzehnten war die Basler Regierung bürgerlich dominiert. «Hinterlassen haben die Bürgerlichen rekordhohe Schulden. Wir haben diese saniert», betont Wessels.

Finanzdirektorin Eva Herzog geht das Thema sachlicher an. Sie macht klar, dass die Einnahmen in den nächsten Jahren nicht mehr sprudeln: «Für Steuersenkungen besteht kein Handlungsspielraum.» Die Bürgerlichen sehen das natürlich anders.

Morin warnt vor Dürr

Was würde sich ändern, wenn die rot-grüne Mehrheit geknackt würde? Bei dieser Frage kommt das Regierungsquartett in Fahrt. Morin sagt über seinen Herausforderer Baschi Dürr (FDP): «Die Leute müssen einfach wissen: Dürr ist gegen fast jede öffentliche Dienstleistung. Er will den Service public abbauen.» Auch Brutschin warnt vor einer bürgerlichen Regierungsmehrheit: «Viele Basler Errungenschaften im Sozialen sähen anders aus.» Und nochmals Wessels: «In der Verkehrspolitik gäbe es einen Rückschritt in die 60er-Jahre. Es ist unglaublich, dass die Bürgerlichen das Auto immer noch als heilige Kuh betrachten.» Dabei wolle das Volk weniger und nicht mehr Autos.

Abgesehen von diesen wenigen spitzen Aussagen gibt sich die rot-grüne Regierungsmehrheit im Wahlkampf eher zurückhaltend. Die diesjährige Premiere: ein Wahlkampfvideo. Aus Kostengründen besteht es aus animierten Collagen. Irritierend ist der unterkühlte Ton der Kommentatorin. Solche Details kümmert das Regierungsquartett nicht. Mit dem gestrigen Auftritt macht es klar, dass es den Wahlkampf zwar ernst nimmt und bei Strassenaktionen auftreten werde, aber der festen Überzeugung ist, sehr fest im Sattel zu sitzen.