Petite Camargue

Mit dem Bus und dem Klappstuhl zur grünen Lunge vor den Toren Basels

Das Naturschutzgebiet Petite Camargue Alsacienne liegt gerade acht Kilometer Luftlinie vom Marktplatz entfernt. Ein Katzensprung für Baslerinnen und Basler, die ein wenig Erholung suchen.

Philippe Knibiely, seit 27 Jahren Direktor des Naturschutzgebiets Petite Camargue Alsacienne (PCA), hat die Schweizer in guter Erinnerung behalten. «Ohne die Unterstützung aus Basel hätten wir 1988 nie die weiteren 104 Hektaren dazu mieten können. Der Maire von Blotzheim hat uns damals drei Wochen Zeit gelassen, um die 4,5 Millionen Francs dafür aufzutreiben. 49,9 Prozent davon kamen aus der Schweiz.»

Die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit. 30 bis 40 Prozent der Besucher des Naturschutzgebiets sind deutschsprachig und von ihnen sind die überwiegende Mehrheit Schweizer. «Sie sind auf der Suche nach der Natur und freuen sich am Gesang der Vögel. Einige ältere Damen kommen regelmässig mit dem Bus und ihren Klappstühlen, um den Nachtigallen zuzuhören. Sie singen allerdings nur im Mai und Juni.»

1982 hatte die PCA als erstes Naturschutzgebiet des Elsass mit 80 Hektaren begonnen, heute umfasst sie 904 Hektaren. Zuletzt war mit 450 Hektaren die alte Rheininsel dazugekommen (siehe Box unten), sie wird aber erst ab 2016 für Naturliebhaber ganz zugänglich sein.

Purpurreiher und Pirol

Es gibt verschiedene Spazierwege durch die Petite Camargue und in der Regel führen diese an einigen der insgesamt sieben Beobachtungsposten vorbei, die einen ungestörten und diskreten Blick auf das Mosaik von Trocken- und Feuchtgebiet mit der grossen Anzahl von geschützten Pflanzen und Tieren ermöglichen. Je ruhiger und stiller man ist, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, Tiere wie Purpurreiher, den Pirol, Wildschweine oder auch Rehe zu sehen. Wer dieses Glück nicht hatte, der kann in der Nähe der Hauptgebäude der PCA an zehn vierseitigen Plakatwänden Fotos bewundern, auf denen neben vielen Vögeln auch Feldhasen beim Kampf ertappt wurden oder ein Eichhörnchen zu sehen ist.

Philippe Knibiely erinnert daran, dass im Naturschutzgebiet gewisse Regeln eingehalten werden müssen: «Grillieren geht ebenso wenig wie Velo fahren, Lärm machen oder Fussball spielen. Manche Besucher verstehen das nicht.» Gleichzeitig hat der Direktor gegen Jogger oder Walker in der PCA nichts einzuwenden.

Während des Sommers sind die beiden Dauerausstellungen «Mémoire du Rhin» und «Mémoire de Saumon» regelmässig geöffnet. Sie sind zweisprachig und thematisieren die Geschichte des Rheins ab 1854 und der Fischzucht – die Gebäude dafür wurden von Napoleon von 1852 bis 1858 gebaut. So sind in der Ausstellung auch Kopien der Originalpläne für die Gebäude zu sehen. Noch heute werden hier jedes Jahr 300 000 bis 400 000 junge Lachse gezüchtet und später ausgesetzt. Wie gross oder eben klein die Junglachse sind, kann man in einem Aquarium sehen. Auf die aktuelle Fischzucht selbst ist aus hygienischen Gründen nur ein Blick möglich.

Vater Rhein produziert Strom

Die Ausstellung über den Rhein thematisiert unter anderem die Kanalisierung und Entwicklung des Flusses. Im Vorraum gibt es neben Getränken, Karten und Broschüren auch die schöne deutschsprachige Version des Buches über den «Urwald am Rhein» zu kaufen, wie die Petite Camargue genannt wird. Eine Tinguely nachempfundene Figur zeigt, wie der Vater Rhein mit dem Bau der Wasserkraftwerke zur Produktion von Elektrizität genutzt wurde. Am Ende der Ausstellung wird ein zwanzigminütiger Film über die Jahreszeiten im Naturschutzgebiet gezeigt.

In der Nähe der Hauptgebäude ist eine temporäre Fotoausstellung über Pflanzen zu sehen. Fotos gibt es auch im Schleusenhaus; dort geht es um das Thema Wasser. Die Maison éclusière, das Schleusenhaus, war 1961 geschlossen worden, wurde renoviert und 2010 als Informationszentrum für die PCA eröffnet. Dahinter befindet sich im Schatten ein beliebter kleiner Kinderspielplatz. Das Schleusenhaus zieht viele Besucher an, weil es am Veloweg liegt, der von der Dreiländerbrücke am Canal de Huningue entlang führt.

Öffnungszeiten Ausstellungen Juli/August Mi–So 13.30–17.30 Uhr; Schleusenhaus Mi–Fr 13–17.30 Uhr, Sa/So 13–18 Uhr; mit dem Bus 604 ab Schifflände, Viertelstundentakt wochentags, Sa/So Stundentakt. Mit dem Velo am Canal de Huningue entlang, Start ist beim Wildwasserkanupark von Huningue.

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