Skandal

Mit dem Hakenkreuz im Ring: Das Neonazi-Problem der regionalen Kampfsportszene

Der Basler Kampfsportler R.P. (rechts) im Einsatz am Event «Kampf der Nibelungen»

Der Basler Kampfsportler R.P. (rechts) im Einsatz am Event «Kampf der Nibelungen»

Kampfsport übt eine grosse Anziehungskraft auf die rechtsextreme Szene aus. Auch die regionale Kampfsportszene hat ein Problem mit Neonazis– nicht zum ersten Mal.

«Das ist der Neonazi-Boxer aus Basel» titelte der «SonntagsBlick» dieses Wochenende. Die Story: Der 27-jährige Automobilfachmann R. P. war vor einigen Wochen in Deutschland am Kampfsport-Event «Kampf der Nibelungen» im Ring gestanden. Der Anlass gilt als Treffpunkt für Neonazis und rechte Hooligans. Auch P. hat klare Bezugspunkte zu den beiden Szenen. Auf seinem mittlerweile gelöschten Facebook-Profil findet sich einschlägige Neonazi-Symbolik und auf seiner linken Brust prangt ein «Muttenzerkurve»-Tattoo. Laut dem «SonntagsBlick» gehört P. der Basler Ultragruppierung 187 an. Diese gilt innerhalb der Muttenzerkurve als isoliert und ist politisch eher am rechten Rand anzusiedeln.

Nächsten Monat hätte P. seinen nächsten Einsatz gehabt – am Kampfsportturnier «Swiss Las Vegas Evolution» in Reinach. Nach den Negativschlagzeilen wurde der Kampf gestern von Organisatorin Aline Seiberth, welche am Kampfsportevent selber im Ring stehen wird, abgesagt. Sie organisiert den Event mit ihrem Partner, dem Basler Kickboxer Paulo Balicha.

Dieser ist mittlerweile schweizweit berühmt-berüchtigt. Am 24. Februar 2014 hatte er mit über einem Dutzend maskierten Schlägern das Trainingscenter seines Kontrahenten Shemsi Beqiri gestürmt. Der Prozess gegen die insgesamt 16 Angeklagten dürfte nächstes Jahr stattfinden. Pikant: Seine Schlägertruppe hatte Balicha, dem wegen des Überfalls eine mehrjährige Haftstrafe droht, laut Anklageschrift aus dem Umfeld der Basler Hooligan-Szene und über Kontakte in seinem Gym rekrutiert.

Mit dem Hakenkreuz im Ring

Die Kampfsportreihe «Swiss Las Vegas», welche als einzige von mehreren Boxveranstaltungen im Dezember nicht unter Aufsicht des Dachverbands Swiss Boxing Federation stattfindet, gerät nicht zum ersten Mal wegen Neonazis in die Schlagzeilen: Letztes Jahr hatte sie mit dem Martial-Arts-Kämpfer Frank Kortz geworben. Dieser hat auf dem Oberkörper ein Hakenkreuz tätowiert. Erst nach einer Reihe von Artikeln wurde der Kampf gestrichen.

Auch bei früheren «Swiss Las Vegas»-Events tauchte Symbolik aus der Neonazi-Szene auf. Bei einer Thaibox-Gala von Paulo Balicha warb die deutsche Kleidermarke Thor Steinar mit Ringwerbung. Die Pullover und Jacken mit den germanischen Runen sind bei Neonazis hoch im Kurs. Vor einigen Jahren hatte der Kampfsportladen Power Zone im Kleinbasel für Aufsehen gesorgt, als er die Kleidermarke anbot und daraufhin zur Zielscheibe von Linksautonomen wurde. Auch im Laden, der mittlerweile geschlossen ist, verkehrten Exponenten der Basler Hooliganszene.

Kampf abgesagt

Das Ganze ist ein internationaler Trend. Die Kampfsportszene – namentlich Kickboxen und die Disziplin Mixed Martial Arts – übt eine grosse Anziehungskraft auf die rechtsextreme Szene aus. Dazu kommen Überschneidungen mit der Hooligan- oder auch der Rockerszene. Die martialischen Schlagworte ähneln sich: Kampf, Ehre, Disziplin, Blut. Mittlerweile hat sich eine ganze Subkultur etabliert.

Nun haben die Organisatoren gehandelt: «Ich will nicht mit solchen Sachen in Verbindung gebracht werden», sagt Seiberth. Die Häufung von Überschneidungen des Events mit der rechten Szene sei ein dummer Zufall. «Wir haben eine sehr durchmischte Klientel, sowohl was die Kämpfer als auch das Publikum betrifft.»

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