Regierungsräte und Twitter

Mit dem Regierungsrat twittern statt zu ihm zur Sprechstunde gehen

Zur politischen Linie passend: Guy Morins Twitter-Auftritt zeigt sich ganz in grün.

Zur politischen Linie passend: Guy Morins Twitter-Auftritt zeigt sich ganz in grün.

Wer auf Social-Media-Plattformen nach Regierungsräten sucht, stösst auf Guy Morin, Basels grünen Stadtpräsidenten. Was seine Aargauer Parteikollegin Susanne Hochuli seit Anfang April praktiziert, macht er schon lange: aus der Amtsstube twittern.

Nachdem die grüne Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli am 1. April auf ihrem Bauernhof in Reitnau als Frau Landammann erwachte und dies der Twitter-Community zuzwitscherte, setzte der Basler Regierungspräsident Guy Morin (ebenfalls Grüne) eine scherzhafte Ankündigung der Basler Zeitung (Baz) um: Punkt zwölf Uhr mittags stand Morin hinter einer provisorisch eingerichteten Buvette im Ratshaus-Innenhof und schenkte Staatswein aus.

Die BaZ hatte in ihrer Sonntagsausgabe angekündigt, die Kantonsverwaltung reagiere damit auf die gestiegene Nachfrage nach Buvetten. Der Regierungspräsident lade dazu zum Apéro ein.

Am Nachmittag twitterte Guy Morin: «1. Aprilscherz der BaZ missglückt», und verwies damit auf seinen Facebook-Eintrag, worin er schilderte, wie es zur raschen Reaktion seinerseits auf den 1. Aprilscherz der BaZ gekommen war.

Ein niederschwelliges Kommunikationsmittel

Twitter ist für Guy Morin ein «niederschwelliges Kommunikationsmittel im Kontakt mit den Bürgern». Es erlaube ihm, eine gute Geschichte schnell kursieren zu lassen, wie er gegenüber der az sagt.

Morin nutzt die «Facebook-2-Twitter»-Funktion. Das heisst: Macht er eine Statusänderung auf Facebook, so wird diese auch als sogenanntes Tweet über Twitter verbreitet.

Er sei über seine Kinder auf Facebook gestossen, sagt Morin. Erst der twitternde Nationalrat Bastien Girod – auch er ein Grüner – habe ihn aber auf die Idee gebracht, Twitter politisch zu nutzen. Morin hat die Bedeutung sozialer Medien erkannt, wenn er erklärt: «Twitter und andere Soziale Medien können in einem gewissen Ausmass die früheren Bürger-Sprechstunden ersetzen.»

Es sei eine niederschwellige Kommunikation und man könne so rasch und unkompliziert mit ihm in Kontakt treten. Twitter oder Facebook unterscheide sich so von anderen Kommunikationsformen, wie etwa E-Mail oder Telefon. Die volle Agenda erlaube es ihm nicht, mit jedem Bürger wegen eines Anliegens ein Telefongespräch zu führen.

Diese Zeit nimmt er sich dafür mit den Medien umso mehr: Gegenüber der az betont Morin am Hörer, Nachrichten auf Facebook und Twitter eigenhändig zu posten. Das gehe gar nicht anders, brauche es dabei doch «die persönliche Handschrift, den persönlichen Geruch», ist er überzeugt.

Gerade das mache den Reiz an Social Media aus und unterscheide sich von anderen Kommunikationsformen wie einer Medienkonferenz oder Medienmitteilungen, die oft die Handschrift der Verwaltung tragen.

Es ist Vorsicht geboten

Guy Morin ist der aktivste Kantonsregent auf Twitter. Seit Juni 2010 postet er in mehr oder weniger regelmässigen Abständen Nachrichten auf seinen Facebook-, respektive Twitter-Account. Dabei setzt er sich selber enge Grenzen.

«Ich trenne das Private strikt vom Politischen», sagt er. In seinen Posts finde man nichts Privates. «Twittern ist für mich reine politische Kommunikation.»

Doch vergisst das Internet nie. Fürchtet sich Morin nicht davor, unvorsichtig auf Twitter oder Facebook zu sein? Nein, verneint Morin: «Jedes Wort, das ich auf Twitter oder Facebook schreibe, müsste auch in der Presse platziert werden können. Sofern mache ich zwischen sozialen und herkömmlichen Medien keinen Unterschied.» (dfu)

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