Transportmittel
Mit dem Solex auf eine Tour - wer kann diesem Charme widerstehen?

Der einzige Basler Club mit Vorderradantrieb. Die Männerclique ist unterwegs auf einem Velo mit Hilfsmotor. Es wird geraucht und hie und da gibt es auch ein «Schrübli-Oobe», wo am Velo gebastelt wird.

Stefan Schuppli
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Ein Mal pro Jahr geht der Solex Club auf eine Tour - nicht allzu weit, aus verständlichen Gründen.

Ein Mal pro Jahr geht der Solex Club auf eine Tour - nicht allzu weit, aus verständlichen Gründen.

zvg/akos

Seit ein paar Jahren sind sie wieder vermehrt zu sehen bei uns, diese eigentümlichen Dinger. Und zu hören: Ein gemütliches Schnurren sondert das Motörchen ab, weit entfernt von irgendwelchem Hightech-Geheule. Es ist kein Töffli, es ist eben ein Solex. Ein Velo mit Hilfsmotor. Es ist gut verständlich, dass man dem Solex-Charme erliegen kann. Wir selbst machten früher grosse Solex-Touren, fuhren im kältesten Winter ins Baselbiet (den Veloregenschutz über den Motor geschlagen: das gab warm), nahmen x-mal das Teil auseinander und setzten es wieder zusammen und nervten uns über die französische Wackellichtanlage. Egal, es tat der Liebe keinen Abbruch.

Auch Istvan Akos, «Unser-Bier»-Mitinitiant, hat den Solexvirus erwischt. Mehr per Zufall hörte er von einem Solex Club, machte dessen Präsident Cyrill Andenmatten ausfindig. Aber es gab eine Hürde. Die fünf wackeren SolexKlubmitglieder waren Mitglieder der «Feuerschützen», ein traditionsreicher, konservativer Schützenverein. Akos war definitiv keiner von ihnen. «Ja wie hältst du es denn mit der Gewehr-nicht-mehr-zu-Hause-Initiative?», fragten sie ihn. Bier-Rebell Akos, nicht gerade bekannt für stramm rechte politische Ansichten, fiel bei diesem Lackmustest durch. «Du musst ein Jahr lang ein Gewehr im Schlafzimmerschrank haben», verordnete der solexklusive Klub. Worauf sich Akos die Flinte seines Sohnes besorgte, sie in den Schrank stellte und ein Foto schoss. Der Flinte steckte er eine Nelke in den Lauf, er konnte es nicht lassen.

Seither ist Akos dabei im Club. Es gibt einmal pro Jahr eine Ausfahrt, es ist immer etwas Kulinarisches dabei, etwas Kulturell-historisches. Geraucht werden Villiger, Rio 6 oder auch Edleres. Kürzlich gings auf den Blauen, die Bergmatten. Eine sportliche Leistung für Mann und Solex. Hie und da trifft man sich zu einem «Schrübli-Oobe», wo in einer Hinterhofwerkstatt am Nonnenweg die «Pfupfer» auf Vordermann gebracht werden. Immerhin ist ein Mitglied Büchsenmacher von Beruf.

Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es immer wieder Solexe zu kaufen – aber sie kosten selten unter 1000 Franken.